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Vergessene Katastrophen

Worüber die Medien kaum oder gar nicht berichten

Ärzte ohne Grenzen präsentierte Mitte Jänner 2005 in New York die jährliche Liste der am stärksten vernachlässigten humanitären Katastrophen der Welt. Auf dieser Liste, basierend auf den Medienberichten in Relation zum Ausmaß der Katastrophen, befinden sich unter anderem Tschetschenien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo und Norduganda sowie die rasant wachsende Anzahl an Tuberkulose-Toten weltweit. Weitere "Vergessene Katastrophen" sind die anhaltenden Krisen in Nordkorea und Somalia, die Situation in Liberia ein Jahr nach Beendigung des Bürgerkrieges, die permanente Bedrohung der Menschen in Äthiopien durch Hunger und Krankheiten sowie die Situation in Burundi, wo die Menschen aus dem Gesundheitssystem ausgeschlossen werden.

"Die unglaubliche Unterstützungsbereitschaft für die Tsunami-Opfer in Südasien zeigt, welchen Einfluss die Medienberichterstattung hat, wenn es darum geht Hilfe zu mobilisieren", so Franz Neunteufl, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. "Schweigen ist der stärkste Verbündete von Gräueltaten. Wir sehen es deshalb auch als unsere Aufgabe an, Millionen von Menschen, die Opfer von Kriegen oder Krankheiten werden, eine Stimme zu geben.

Diese zum siebten Mal in Folge veröffentlichte Liste beinhaltet bereits zum sechsten Mal Kolumbien und die Demokratische Republik Kongo. Von dort ist gerade Martin Möschel, Chirurg und Politologe, von einem Einsatz zurückgekommen. "Operationen nach Schussverletzungen waren unser Alltag", berichtet er. "Vor allem Frauen werden zunehmend Opfer des Krieges, sexuelle Gewalt wird in weiten Teilen als Kriegsstrategie eingesetzt".

Diese "Vergessenen Katastrophen" stehen auch im Mittelpunkt der derzeitigen großen Bewusstseinskampagne von Ärzte ohne Grenzen in Österreich, die bereits im Herbst 2004 gestartet wurde. Sie richtet sich an die Öffentlichkeit, insbesondere an Schüler und Lehrer, die mit Hilfe von eigenen Aktionen und Berichten unter dem Titel "Break the Silence" auf diese Ignoranz aufmerksam machen. Basis für diese Kampagne war eine breite Untersuchung aller österreichischen Printmedien über ein halbes Jahr, die zum gleichen, ernüchternden Ergebnis kommt: Länder wie Bangladesch oder die Demokratische Republik Kongo werden von den österreichischen Medien praktisch ignoriert, ungeachtet dessen was sich dort abspielt.

"Dabei ist das Interesse der Menschen an humanitären Themen vorhanden", so die Schlussfolgerung von Gabriele Faber-Wiener, Kommunikationsleiterin von Ärzte ohne Grenzen Österreich. "Viele Österreicher schreiben uns, dass sie mehr Informationen wollen, diese aber aus den Medien nicht bekommen."

Die ausführliche Liste der "10 Vergessenen Katastrophen" finden Sie hier auf der Webseite von Ärzte ohne Grenzen.


 

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