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Bevölkerung würde härtere Urteile fällen als Richter

Umfrage: Welche Strafen halten die Bürger für gerecht?

02.01.2008

Die Mehrheit der Menschen würde bei Gerichtsprozessen offenbar deutlich härtere und höhere Strafen verhängen als die Richter. Dies geht aus einer repräsentativen Meinungsumfrage von Emnid für das Magazin Reader’s Digest (Jänner-Ausgabe '08) in Deutschland hervor. In der Umfrage hatten die Befragten über zehn Fälle zu urteilen, die tatsächlich vor deutschen Gerichten verhandelt worden waren; der Katalog möglicher Sanktionen reichte von Freispruch über Geldstrafe bis hin zu lebenslänglicher Haft. Vor allem bei Straftaten, die im Zusammenhang mit Kindern stehen, reagiert die Bevölkerung besonders sensibel.

So wollten 77 Prozent der Befragten einen Arzt, der zu Hause rund 3.500 kinderpornografische Bilder gesammelt hatte, zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilen; im wahren Prozess war er zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Überhaupt ist bei Sexualstraftaten der Wunsch der Bevölkerung nach harten Strafen besonders groß. So wurde ein Mann für die Vergewaltigung einer Frau in erster Instanz zu viereinhalb Jahren verurteilt; würde es nach der Bevölkerung gehen, hätten ihn 36 Prozent zu lebenslanger Haft verurteilt.

Experten wie Professor Rudolf Egg, Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, erklären dieses erwünschte hohe Strafmaß mit psychologischen Faktoren und dem so genanten Bauchgefühl der Befragten: "Das betrifft vor allem Delikte, die einem sehr fern und besonders unangenehm erscheinen. Bei denen man sich gleichsam sagt: So etwas können nur Monster tun, und die muss man einsperren."

Dazu passt eine weitere Erkenntnis der Umfrage. Während Richter bewusst auf die Abstufung im Strafenkatalog setzen, würden die Bürger oftmals gerne sofort zu drastischen Mitteln greifen. So gab ein Viertel der Befragten an, gegen den Vergewaltiger die so genannte Sicherungsverwahrung anzuordnen. 16 Prozent der Befragten würden dieses Strafmaß - also die Haft nach dem eigentlichen Verbüßen der Strafe - sogar beim Besitzer der kinderpornografischen Bilder verhängen.

Interessant auch: Wenn es nach den Bürgern geht, wären manche Urteile mehr durch Mitleid bestimmt. So sagten 13 Prozent der Frauen, sie würden eine Frau freisprechen, deren Mann sie jahrelang peinigte und den sie schließlich im Schlaf erschoss. Auch 13 Prozent der Männer würden in diesem Fall auf Freispruch entscheiden. 30 Prozent aller Befragten hielten angesichts des jahrelangen Martyriums eine Geld- oder Bewährungsstrafe für angemessen.

Ein möglicher Ausweg, um Urteile nicht nur im Namen des Volkes zu sprechen, sondern des Volkes Stimme tatsächlich in die Urteilsfindung zu integrieren, wären so genannte Geschworenenprozesse wie in den USA. Allerdings darf die Jury dort nur über Schuld oder Unschuld des Angeklagten entscheiden, das eigentliche Strafmaß legt auch weiterhin der Richter fest.

Quelle: Reader’s Digest

 

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