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Mikrokredite geben neue Hoffnung

Reader’s Digest kürt die gebürtige Polin Maria Nowak in Frankreich zur "Europäerin des Jahres 2008"

18.12.2007

Die gebürtige Polin Maria Nowak ist von Reader’s Digest zur "Europäerin des Jahres 2008" gewählt worden. Das Magazin zeichnet damit den Einsatz der in Frankreich lebenden 72-Jährigen aus, die sich weltweit um kleine Kredite für Menschen bemüht, die ein Geschäft aufbauen wollen, aber von den Banken kein Geld erhalten. Nowak ist Gründerin und Leiterin der französischen Nichtregierungsorganisation ADIE (Vereinigung für das Recht auf wirtschaftliche Initiative), die seit ihrer Gründung 1989 gut 45.000 angehenden Kleinunternehmern Hilfe zur Selbsthilfe gegeben hat. "Mikrokredite lösen das Armutsproblem nicht, sind aber ein echter und konkreter Beitrag", sagt Nowak, die rückblickend feststellt: "Die Zeit war reif für diese Idee."

Seit 1996 wählen die Chefredakteure der 21 europäischen Ausgaben von Reader’s Digest Persönlichkeiten, die am besten die Traditionen und Werte Europas verkörpern, zum "Europäer des Jahres". Maria Nowak ist die 13. Trägerin dieser Auszeichnung. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 16. Jänner 2008 in Paris übergeben. Im vergangenen Jahr war die Auszeichnung, die für Solidarität, Zivilcourage und den Einsatz für Mitmenschen verliehen wird, an den Schweizer Mediziner Ruedi Lüthy gegangen, der in Simbabwe aidskranke Menschen kostenlos behandelt.

Die Frau, die eigentlich Ärztin werden wollte, dies als Kriegsflüchtling in Frankreich aber nicht durfte, hatte während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften ein Jahr in Afrika verbracht. Später kehrte sie dorthin zurück und engagierte sich fast 30 Jahre für Entwicklungs­hilfeprojekte auf dem schwarzen Kontinent. Dabei stellte sie schon früh fest, dass die staatliche Entwicklungshilfe meist nur in Großprojekte fließt, aber oftmals nicht bei den armen Menschen ankommt.

So begann sie in Burkina Faso und Guinea mit ersten Pilotprojekten, bei denen sie Kleinstkredite vermittelte. Später, als Nowak bei der Weltbank arbeitete, unterstützte sie in Albanien mit Hilfe von Genossenschaftsbanken die Bauern, Vieh und Geräte anschaffen zu können. In Bosnien startete sie die Kreditvergabe für Überlebende des Massakers von Srebrenica, viele weitere Projekte folgten. 1989 gründete sie die Organisation ADIE, sammelte Gelder für Kredite, warb um Spenden und erhielt Mittel der EU.

Inzwischen hat die Vereinigung allein in Frankreich rund 100 Außenstellen, vor allem in Städten und Stadtvierteln mit hoher Arbeitslosigkeit und Armut. Nowak wird dabei von rund 1.000 ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Finanzielle Hilfe kommt inzwischen von europäischen Institutionen, Ministerien, Handelskammern und Großbanken.

Ans Aufhören denkt Maria Nowak noch lange nicht. Nebenbei leitet sie das Europäische Netzwerk für Mikrokredite. Nach dessen Schätzungen werden 91,5 Prozent der 2,5 Millionen neuen Firmen, die jährlich in der Europäischen Union entstehen, von Klein- und Kleinstunternehmern gegründet. Für Nowak ist dies Motivation genug, weiterzumachen. Sie arbeite 70 Stunden in der Woche, sagte sie Reader’s Digest. Wenn sie eines Tages ihr Amt abgeben werde, sei das aber nicht gleichbedeutend mit dem Nichtstun: "An Ruhestand denke ich nicht. Ich trete als Vorsitzende ab und mache als Ehrenamtliche weiter."

Quelle: Reader’s Digest

 

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