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Hurrikans als direkte Folge der Klimaveränderung ?!

Erforschung von Hurrikans steckt noch in den Kinderschuhen

23.09.2005

Der von Experten als drittstärkster Hurrikan aller Zeiten eingestufte Tropensturm "Rita" wirft seine mächtigen Schatten voraus. Nur wenige Wochen nach der durch Hurrikan "Katrina" verursachten Zerstörung befindet sich damit die Golfregion erneut in absoluter Alarmstimmung. Wo, wann und mit welcher Intensität "Rita" allerdings genau auf die Küste treffen wird, stellt die Meteorologen weiterhin vor große Probleme.

Das größte Problem in der Vorhersage des Routenverlaufs und Stärkeentwicklung eines Hurrikans liege darin, dass neben den äußeren Einflüssen auch immer das Eigenleben des Hurrikans eine entscheidende Rolle spiele, so Prof. Klaus Fraedrich vom Meteorologischen Institut der Universität Hamburg. "Die seit einigen Jahren verbesserten Datensammlungs- und -assimilationstechniken haben dazu geführt, dass im Bereich der 24h-Vorhersage mittlerweile recht zuverlässige Vorhersagen getroffen werden können", meint Fraedrich. Die Problematik längerfristiger Prognosen ergäbe sich vor allem dadurch, dass schon kleine Fehleinschätzungen der jeweiligen Ausgangslage zu großen Abweichungen in den Vorhersagemodellen führen würden.

Thomas Sävert vom Wetterdienst Meteomedia weist auf die extremen Bedingungen hin, die Naturereignisse wie "Rita" oder "Katrina" mit sich bringen. "Allein das Sammeln und Aufzeichnen verlässlicher Werte ist angesichts mittlerer Windgeschwindigkeiten von 280 Stundenkilometern sowie des nicht immer eindeutig lokalisierbaren Zentrums des Hurrikans ein ungemein heikles Unterfangen", so Sävert. Zusätzlich erschwert würde das Prognostizieren dadurch, dass sich jeder Hurrikan komplett anders verhalte und innere Eigendynamiken entwickle, denen mit bisherigen Mess- und Vorhersagemethoden noch nicht beizukommen sei.

So habe man beispielsweise erst Anfang der 90er-Jahre beim verheerenden Wirbelsturm "Andrew" entdeckt, dass kleinere Sekundärwirbel außerhalb des Hurrikanauges lokal zu katastrophalen Verwüstungen führen können, so Sävert weiter: "Auch die Erforschung der Prozesse, die innerhalb des Hurrikans für die fluktuierende Abgrenzung des Auges verantwortlich sind, steckt noch in den Kinderschuhen." Vorhersagen seien in diesem Bereich - wenn überhaupt - nur anhand von Erfahrungswerten und intuitivem Urteilsvermögen möglich.

Die Umweltorganisation Greenpeace warnt, dass die Zunahme der Häufigkeit und der Intensität der Hurrikans im atlantischen Raum wahrscheinlich eine direkte Folge des Klimawandels ist. Derzeit emittiert die Menschheit jährlich 2,5 Milliarden Tonnen des Klimakiller-Gases CO2. Ein Drittel davon stammt aus Kohlekraftwerken. Der Klimawandel ist zum Großteil durch den Menschen verursacht und die Folgen werden immer deutlicher spürbar. Die durchschnittlichen Spitzengeschwindigkeiten der Hurrikans betrugen um das Jahr 1850 180 Kilometer pro Stunde, 2004 waren es dagegen 240 Km/h. Hurrikans der Stärke fünf treten erst seit 1925 auf. Seit damals nimmt auch die Zahl der Hurrikans mit der Stärke vier zu. Besonders in den letzten 30 Jahren wird der Klimawandel weltweit immer deutlicher. In den letzten 35 Jahren hat sich die Zahl der Tropenstürme sogar verdoppelt.

Die Erhöhung der Meeresoberflächentemperaturen ist eine Folge des Klimawandels und erhöht dabei auch die Stärke der Hurrikans. "Ohne den schnellstmöglichen weltweiten Umstieg auf Erneuerbare Energien wird das 21. Jahrhundert zum Krisenjahrhundert für die gesamte Menschheit", warnt Greenpeace-Klimaexperte Erwin Mayer. Greenpeace betont aber auch, dass eine Zunahme der Anzahl und Stärke von Hurrikans noch nicht vorausgesagt werden kann. Die Zeitreihen sind zu kurz um hier einen eindeutigen Trend abzuleiten. "Statistische Gewissheit in dieser Frage kann die Wissenschaft nach ihren eigenen Angaben aber erst dann liefern, wenn es für eine Trendumkehr beim Klimawandel wahrscheinlich schon zu spät ist", befürchtet Mayer. Greenpeace fordert eine Reduktion der globalen Treibhausgase um minus 30 Prozent bis 2020 und minus 80 Prozent bis 2050, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zumindest zu begrenzen.

Die Ölindustrie wird nun vom Täter zum Opfer. Greenpeace warnt daher auch vor den drohenden Konsequenzen für den Frieden und die Weltwirtschaft durch die Folgen des Klimawandels. Wenn die US-amerikanische Ölindustrie etwa durch eine Zerstörung der Raffinerien in Galveston/Texas durch Hurrikans wie "Rita" lahm gelegt wird, wird sich die amerikanische Außen- und Verteidigungspolitik noch stärker auf die Sicherung der US-Wirtschaftsinteressen in der Welt verlegen. "In den nächsten Jahren könnte sich der Kampf ums Öl zwischen den USA, Europa und China noch wesentlich verstärken. Konventionelle oder nukleare militärische Konflikte zwischen den Großmächten werden trotz der Abrüstung seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder wahrscheinlicher", so Mayer.

Quelle: pte / ots

 

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