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Kampf dem Elektroschrott

Österreichisches Know how für östliche Nachbarländer

01.02.2006

Zusammen mit 13 Partnern aus neun Regionen der Slowakei, Ungarn, Tschechien und Österreich hat das österreichische Kompetenzzentrum Elektronik & Umwelt (KERP) begonnen, ein grenzüberschreitendes Recycling-Netzwerk für Altautos und Elektroschrott aufzubauen. Ziel des Projektes ist es, das in Österreich bereits vorhandene Wissen an die neuen EU-Staaten weiterzugeben. "Es geht uns darum, diesen Regionen in Sachen Recycling einen Anstoß zu geben", erklärte Thomas Leitner, Geschäftsführer des KERP im Rahmen einer Pressekonferenz. "Dazu wollen wir den Regionen den Zugang zu gleicher Technologie und gleichem Wissen ermöglichen." Noch gebe es in den neuen EU-Ländern einen großen Nachholbedarf.

Besondere Brisanz hat das Thema Recycling auch durch die neuen Richtlinien der Europäischen Union bekommen, die Standards für die Sammlung und Behandlung von Elektroschrott und alten Autos festlegen. Die EU nennt als Sammelziel vier kg Elektroschrott pro Einwohner und Jahr. Im KERP-Netzwerk erreicht derzeit nur Österreich diese Vorgabe. In der Slowakei, Ungarn und Tschechien werden durchschnittlich nur 2,5 kg E-Schrott pro Kopf dem Wiederverwertungsprozess zugeführt. Die Zahl des tatsächlich anfallenden elektronischen Schrotts ist viel höher: Etwa 20 kg wirft jeder Deutsche im Jahr weg, in den neuen EU-Ländern sind es aufgrund des Ausstattungsgrads der Haushalte "nur" acht kg. Die von der EU geforderte Verwertungsquote liegt bei 70 bis 80 Prozent. " Ein Produkt zu 100 Prozent zu recyceln ist unmöglich", berichtete Ernst Luckner, EU-Richtlinien-Experte des KERP. "Der Trend geht aber zu einer Verwertungsquote von 90 Prozent."

Elektro-Schrott und Altautos können auf viele Arten recycelt werden. Welche für die neuen EU-Länder am besten geeignet ist, wird sich erst noch herausstellen. Ein sozialwirtschaftliches Modell nach dem Vorbild des Wiener Demontage und Recycling-Zentrums (D.R.Z.) erscheint besonders Erfolg versprechend: Im D.R.Z. zerlegen Langzeitarbeitslose, Drogen- und Alkoholkranke und Personen mit psychischen und körperlichen Einschränkungen die alten Elektrogeräte von Hand und bauen schadstoffhaltige Teile aus. "Das manuelle Trennen der Wertstoffe bringt zum einen die beste Qualität und ermöglicht zum anderen, die Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren", erklärte Sepp Eisenriegler, Geschäftsführer des D.R.Z.

Damit das Recycling-Netzwerk auch wirklich funktioniert, gibt es eine große Voraussetzung: Es muss Elektro-Schrott gesammelt werden. "Nur wenn größere Mengen recycelt werden, ist das System wirtschaftlich haltbar", erklärte Leitner. Eine gute Sammelstellenstruktur und einfache Rückgabemöglichkeiten seien unverzichtbar, bestätigte auch Wilfried Sihn von der TU Wien. Deshalb wolle man auch daran arbeiten, das Bewusstsein für Recycling in den neuen EU-Ländern zu schärfen. Informationsbroschüren und -veranstaltungen sollen darüber aufklären, was aus den alten Kühlschränken, Radios und Toastern wird und wo man die kaputten Geräte abgeben kann. Auch groß angelegte und gesponserte Sammelaktionen wie das österreichische Projekt "Wundertüte", bei dem die Bürger aufgefordert wurden, ihre alten Handys zu entsorgen, seien denkbar, ergänzte Eisenriegler. "Wir sind ein offenes Netzwerk und für neue Ideen jederzeit zugänglich", bestätigte Luckner.

Quelle :pte

 

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