Herzlich Willkommen!
Bitte lesen Sie » diesen Hinweis zur Webheimat-Gemeinde!
 
 
Schriftgröße:
12345
 
 

Fernkälte soll in Zukunft für kühle Räume sorgen

Fernkälte ist besonders umweltfreundlich und soll in den nächsten Jahrzehnten stark ausgebaut werden.

13.08.2009


Für die Klimatisierung von Büro-, Geschäfts- und Wohngebäuden wird immer mehr Energie benötigt. Während in den USA und Japan schon heute etwa 80 Prozent aller Büroflächen klimatisiert werden, sind es in Europa weniger als 50 Prozent. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern, denn der Bedarf an Kühlenergie steigt auch in Europa stark an. In spätestens 20 Jahren wird man in Österreich für Klimatisierung gleich viel Energie wie fürs Heizen benötigen. Über ein Drittel dieser Kühlenergie könnte künftig durch die umweltfreundliche Fernkälte aufgebracht werden, hat eine aktuelle Studie der e7 Energie Markt Analyse GmbH im Auftrag des Fachverbands Gas Wärme ergeben.

Und so funktioniert Fernkälte: Vorhandene Abwärme aus Kraftwerken und Industriebetrieben (Fernwärme) wird als Primärenergie der so genannten Kältezentrale zugeführt. Die Kältezentrale besteht aus Absorptions- und/oder Kompressionskältemaschinen. In diesen Zentralen wird jene Kälte erzeugt, die zur Kühlung der Gebäude nötig ist. Dieses auf rund sieben Grad abgekühlte Klimakaltwasser wird in gedämmten Rohrleitungen zu den Abnehmern transportiert und in deren Klimasystem eingespeist. Das von dort - nach erfolgter Kühlung - mit einer Temperatur von ca. zwölf bis sechzehn Grad zurücklaufende Wasser wird wiederum auf sieben Grad abgekühlt. Dieser Vorgang erfolgt in einem geschlossenen Kreislauf.

Technisch gesehen kann vorhandene Abwärme aber nicht nur in Form der zentral erzeugten "Fernkälte" zur Klimatisierung genutzt werden. Darüber hinaus kann die vorhandene Abwärme nämlich auch dezentral in kaltes Wasser umgewandelt werden, und zwar genau an jenen Orten, an denen es für die Klimatisierung benötigt wird. "Das heißt, die Fernwärme wird über das bestehende Fernwärmenetz zum Abnehmer transportiert, es muss keine neue Infrastruktur aufgebaut werden. Kältemaschinen wandeln die Abwärme ab einer Temperatur von 80 Grad Celsius vor Ort in Kälte um", erklärt Mock. Eine solche Anlage betreibt etwa die Energie AG Wärme, die eigene Büroräume mittels Abwärme des Zementwerkes Kirchdorf klimatisiert.

Fernkälte ist besonders umweltfreundlich, da anstelle von Strom Abwärme zur Kälteerzeugung genutzt wird und damit wesentlich weniger Primärenergie für die Stromerzeugung benötigt wird. Wird diese Primärenergie nicht verbraucht, so kommt es gleichzeitig auch zu einer Reduktion schädlicher Treibhausgase und Luftschadstoffe. Daher soll die innovative Technik Fernkälte in Österreich in den nächsten Jahrzehnten stark ausgebaut werden. "Fernkälte steht heute dort, wo Fernwärme Anfang der 70er-Jahre war. Angesichts der ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile hat Fernkälte eine exzellente Zukunft vor sich", prognostiziert Mag. Robert Grüneis, Geschäftsführer von Wien Energie. Vorreiter beim Einsatz dieser innovativen Technologie sind Städte, in denen auch das Fernwärmenetz besonders stark ausgebaut ist.

In Wien will die Wien Energie Fernwärme in den nächsten fünf Jahren 51 Mio. Euro in den Ausbau von umweltfreundlichen Fernkälteanlagen und -netzen investieren. Im August geht die Fernkältezentrale in der Spittelau nach elf Monaten Bauzeit ans Netz. Die Zentrale versorgt das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien (AKH) sowie das Immobilienprojekt Skyline am Döblinger Gürtel, das Institutsgebäude der Hochschule für Bodenkultur (BOKU) und in Kürze auch das Ö3-Gebäude in der Muthgasse mit Fernkälte. Mit einer Kapazität von 17 Megawatt, was umgerechnet einer Kühlleistung von rund 115.000 handelsüblichen Kühlschränken entspricht, ist sie derzeit der größte Produzent von Fernkälte in Wien und bereits zu 80 Prozent ausgelastet. Eine Erweiterung ist geplant.

Das Besondere an der Fernkälteproduktion in der Spittelau: als Antriebsenergie für die Kältemaschinen werden bereits vorhandene Energieressourcen genutzt, wodurch gleichzeitig auch der Ausstoß schädlicher Treibhausgase und Luftschadstoffe reduziert wird. Sowohl der für die Kälteproduktion benötigte Strom als auch die Wärme stammen direkt aus der benachbarten thermischen Abfallbehandlungsanlage Spittelau und werden bei der thermischen Behandlung des Mülls gewonnen. "Fernkälte braucht, wenn sie aus der Abfallbehandlung kommt, nur ein Zehntel der Primärenergie herkömmlicher Kälteerzeuger und sichert dadurch ebenso hohe CO2-Einsparungen", erläutert Dipl.-Ing. Gerhard Fida, technischer Geschäftsführer von Wien Energie Fernwärme.

Quelle: ots

 

Top Themen

Top Links