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Neue Sparprodukte im Test : Viel zu kompliziert

AK fordert mehr Sicherheit für Konsumenten

28.10.2009

Viel zu kompliziert, teils undurchschaubar, wenig Informationen, fehlende Kosten - so stellen sich die neuen Veranlagungs-, Spar- und Vorsorgeprodukte auch ein Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise für viele Konsumenten dar. Aber: Sie werden als einfach, gut verzinst und sicher beworben. Kapitalgarantien sind in, auch wenn es manchmal nur die eigene Bank ist. Das zeigt eine Analyse der AK Konsumentenschützer von acht neuen Spar- und Veranlagungsprodukten.

"Es ist ein falsches Signal, wenn bereits wieder so unklare Finanzprodukte auf dem Markt sind", sagt AK Konsumentenschützer Harald Glatz. "Eigentlich müssen die Banken aus der Krise lernen und das Vertrauen der Konsumenten wieder stärken. Aber das Gegenteil scheint der Fall", so Glatz.

Rund ein Jahr nach der Finanzkrise wollten die AK Konsumentenschützer wissen, welche Spar- und Anlageprodukte die Banken den Konsumenten jetzt anbieten. Sie haben acht Werbe-Inserate unter die Lupe genommen und die Produkte auf der Homepage analysiert. Überdies waren Mystery Shopper in den Banken und fragten nach Informationen für die beworbenen Produkte. Die Analyse zeigt:

  • Keine einfachen Produkte: Die Werbung erweckt den Eindruck, als ob es sich um einfache, sichere und gut verzinste Produkte handelt - aber oft ist genau das Gegenteil der Fall: Es sind häufig komplizierte, kaum verständliche Anlageprodukte, berichtet die AK. Viele Banken setzen auf kapitalgarantierte Versicherungsprodukte, vor allem auf indexgebundene Lebensversicherungen.
  • Mangelhafte Informationen: Die Infogestaltung der Anbieter ist durchgängig mangelhaft. Auf den Homepages, Produktfoldern, aber auch bei den Beratungsgesprächen erhielten die AK Testkäufer nicht einmal die notwendigen Informationen, um das Produkt verstehen zu können. Manko: Die Bankberater bekommen das Produkt ebenfalls meist ohne viele Informationen vorgesetzt und müssen es an den Mann/die Frau bringen.
  • Fehlende Kostenangaben: Es hapert generell an Angaben zu den Kosten, etwa Produktkosten oder sonstige Nebenspesen wie für das Wertpapierdepot: In nur einem von acht Gesprächen legte der Kundenberater die anfallenden Kosten auf den Tisch. Auch wichtige Vertragsbestandteile blieben unerwähnt. Die den Produkten zu Grunde liegenden Geschäftsbedingungen (AGB), allfällige geprüfte Wertpapierprospekte oder sonstige fundierte Angaben zu den Produkten fehlten fast durchgängig.
  • Sicherheit ist in: Das Thema Sicherheit steht derzeit im Vordergrund - alle Produkte werden mit Kapitalgarantien ausgestattet. Aber die Garantiegeber bleiben oft ungenannt oder sind erst im Kleingedruckten zu finden.
  • Unzulässiger Vergleich mit Sparbuchzinsen: Zinsen, Renditen, garantierte Summen werden oft mit Sparbuchzinsen verglichen.


Die Konsumenten brauchen mehr Schutz. "Das Angebot an Produkten ist groß und die Werbung oft irreführend", sagt Glatz. Daher fordert die AK:

1) Mehr und verständlichere Infos über Bankprodukte

  • Einfache, verständliche Produkte: Die Produkte müssen sicher und für den Konsumenten durchschaubar sein. In den letzten Jahren wurden zunehmend Produkte so gestaltet, dass sie für den Anleger nicht verständlich sind, etwa unkonkrete Angaben über Produktmerkmale, Risiken, Kosten, Garantiegeber. Es darf auch keine "Produkthüllen" geben, in die zwei verschiedene Produkte verpackt sind.
  • Unterlagen beim Beratungsgespräch: Die Anleger sollen beim Beratungsgespräch die (gesetzlich vorgeschriebene) Zusammenfassung des Kapitalmarktprospekts sowie die Beratungsunterlagen (insbesondere Beratungsprotokoll) verpflichtend erhalten.
  • Verpflichtende "Produktkennzeichnung": Auf einen Blick soll die Information über Risiken des Produkts für die Konsumenten erkennbar sein ("Ampelkennzeichnung für Finanzprodukte", etwa Rot - eingesetztes Geld kann (zur Gänze) verloren gehen; Gelb - Kapital bleibt erhalten, Verzinsung ist jedoch nicht sichergestellt; Grün - Kapital und Verzinsung sind sichergestellt).
  • Internet nutzen: Informationen zu Kapitalmarktprodukten etwa sollen für die Konsumenten zentral über Internet abrufbar sein, etwa auf der Internetseite der Wiener Zeitung.

2) Ausbau einer anbieterunabhängigen Beratung

Es muss eine anbieterunabhängige Verbraucherberatung in Finanzdienstleistungsfragen geschaffen werden, in der auch Konsumentenschützer drinnen sind. Sie muss von den Banken finanziert werden.

3) Gruppenklagen rasch umsetzen

Das Justizministerium soll rasch die Möglichkeit der Gruppenklagen einführen, damit Anleger einfacher zu ihrem Recht kommen. Mit Gruppenklagen können sich mehrere Konsumenten zusammenschließen, um gemeinsam und damit kostengünstiger gleichartige Ansprüche gegen dasselbe Unternehmen einzuklagen. Sie könnten künftig direkt ohne Umweg ihre Ansprüche einklagen und müssten sie nicht mehr - wie jetzt - an einen Kläger abtreten, also etwa an AK oder VKI.

Quelle: AK

 

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