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Lebensversicherungen im „Konsument“ Test

Viel versprochen – wenig gehalten

26.06.2009


Angesichts der Finanzkrise sind Lebensversicherungen als vermeintlich sichere Anlageform wieder gefragt. Derzeit wird mit Zinsen von vier bis 4,5 Prozent geworben, in den Achtziger- und Neunzigerjahren gar mit sechs bis sieben Prozent. Doch wie viel erhalten Konsumenten letztlich unterm Strich wirklich?

„Konsument“ hat 18 Verträge, darunter Er- und Ablebensversicherungen sowie reine Erlebensversicherungen, der unterschiedlichsten Versicherer gesichtet. „Die Analyse zeigt, dass Erwartung und Realität weit auseinander liegen. Die Versicherten erhielten teils bedeutend weniger Geld als seinerzeit versprochen – zum Beispiel 19.600 statt 22.100 Euro nach zehn Jahren“, fasst „Konsument“-Versicherungsexpertin Gabi Kreindl das Ergebnis zusammen.

Der Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation, Franz Floss, ortet als grundlegendes Problem die mangelnde Transparenz von Lebensversicherungs-Produkten: „Man kauft die Katze im Sack. Denn für die Konsumenten ist oft nicht klar ersichtlich, welche Kosten damit verbunden sind und wie sich diese zusammensetzen – und dann ist die Enttäuschung groß. Hier gibt es eindeutig Verbesserungsbedarf.“

Erwartungen stark unterlaufen

„Konsument“ hat sich 18 Verträge aus der Beratungspraxis genauer angesehen, wobei die Auswahl der Versicherer dadurch zufällig erfolgte. Dabei wurde deutlich, dass die Versicherten erheblich weniger Geld bekamen, als ursprünglich prognostiziert. Bei fast allen Verträgen wurden zumindest acht Prozent weniger ausbezahlt als bei Vertragsabschluss prognostiziert, z.B. rund 20.300 statt 22.100 Euro. Im Schnitt waren es sogar 13 Prozent weniger. Lediglich in zwei Fällen lag die Differenz nur knapp unter der Prognose: um ein Prozent bei der s-Versicherung bzw. vier Prozent bei Zürich.

Geschönte Prognosen

Rechtsmittel sind bei einem Auszahlungsbetrag, der unter der Prognose liegt, im Grunde nicht möglich – denn rechtlich bindend zugesagt ist immer nur die garantierte Verzinsung – und zwar nur auf den Sparanteil! Geworben wird mit einer Gesamtverzinsung von 4 bis 4,5 Prozent. „Die in den Angeboten beworbene Gesamtverzinsung ist aber nicht gleichzusetzen mit der Rendite“, weiß „Konsument“-Versicherungsexpertin Gabi Kreindl. Die Gesamtverzinsung bezieht sich nicht auf das gesamte eingezahlte Kapital, sondern nur auf den Sparanteil, der im Bereich von 75 bis 85 Prozent der einbezahlten Prämien liegt.
Tatsächlich garantiert sind derzeit 2,25 Prozent auf den Sparanteil. Da bleibt nur eine Rendite von ca. 0,3 Prozent übrig. Damit ist nicht einmal eine bescheidene Inflationsabgeltung möglich.

Beträge nur zum Teil veranlagt

Viele Lebensversicherungen sind Er- und Ablebensversicherungen. Der Anteil für die Ablebensversicherung wird aber nicht verzinst, das einbezahlte Geld also nur zum Teil veranlagt. Doch auch bei reinen Erlebensversicherungen werden von 100 einbezahlten Euro nur zirka 85 tatsächlich veranlagt – der Rest entfällt auf Kosten und Versicherungssteuer.
Das Problem: Die „Gesamtverzinsung“ sagt nichts über den „Gesamtertrag“ aus. Es bedeutet nur, dass die veranlagten Beträge mit mindestens diesem Zinssatz verzinst werden – doch nicht das gesamte einbezahlte Geld wird wie gesagt auch verzinst.
Eine aktuelle Erhebung bei mehreren Versicherern zeigt etwa, dass sich die versprochenen Gesamtzinssätze für einen Mann – geboren 1970, monatliche Zahlung 100 Euro, Laufzeit 20 Jahre – derzeit zwischen vier bis 4,5 Prozent bewegen. Mit dem Garantiezins auf das gesamte einbezahlte Kapital gerechnet, würden am Ende der Laufzeit 30.000 Euro
herauskommen. Bei monatlicher Einzahlung wird der Unterjährigkeitszuschlag fällig, die Versicherungssteuer miteingerechnet müssten etwa 27.000 Euro übrigbleiben. Die von den Versicherern genannte garantierte Auszahlungssumme liegt dagegen bei rund 25.000 Euro, was nur durch die hohen internen Kosten erklärbar ist.

Kosten verschwiegen

Die Kosten aber sind ein gut gehütetes Geheimnis und setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen. So wurde bei der Erhebung zum Beispiel in den meisten Fällen nicht darauf hingewiesen, dass aufgrund des Unterjährigkeitszuschlags die jährliche Einzahlung mehr bringt. „Zahlt man statt 100 Euro monatlich 1.200 Euro jährlich ein, dann ergibt sich bei einer Laufzeit von 20 Jahren eine Ersparnis von 2.425 Euro“, rechnet Kreindl vor. Diese Rechnung basiert auf sechs Prozent Unterjährigkeitszuschlag, vier Prozent Abschlusskosten und drei Prozent Verzinsung.
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Provision für den Vertragsabschluss – diese zahlt der Versicherte, und zwar zu Beginn der Laufzeit. Durch diese Vorab-Vergütung der Provision ist der Anreiz für Vermittler groß, sich auf Neuabschlüsse zu konzentrieren, hohe Erstprämien und lange Laufzeiten anzubieten, anstatt auf die langfristige Betreuung des Kunden zu achten. Kreindl: „Dieses Verfahren erscheint uns als nicht mehr zeitgemäß.“

Mehr Transparenz gefordert

Bei der „Konsument“-Erhebung fehlten Erklärungen über Spar-, Risiko- und Kostenanteil nahezu immer. „Problematisch ist, dass Kunden mit der Lebensversicherung ihr Geld über einen langen Zeitraum veranlagen und darüber im Unklaren gelassen werden, mit welchem Ertrag sie rechnen können“, kritisiert Floss. „Zu größerer Transparenz würden etwa
Kennzahlen für Kosten - ähnlich der TER (Total Expense Ratio) bei Investmentfonds -, Rendite und Risiko beitragen.“ Von realistischen Renditeangaben und korrekten Kosteninformationen würden aber nicht zuletzt auch die Versicherer und Berater profitieren: Denn in Österreich wird jede zweite Lebensversicherung vorzeitig gekündigt.
„In dieser intransparenten Form sind leider Lebensversicherungen nicht empfehlenswert – weder zur Veranlagung, noch zur Altersvorsorge“, so Floss abschließend.

„Konsument“-Tipps

  • Hinterfragen: Sich nicht von Versprechen blenden lassen. Klären, welcher Prämienanteil tatsächlich veranlagt wird und eine realistische Renditeberechnung fordern.
  • Zweck klären: Er- und Ablebensversicherungen sind besonders undurchsichtig. Wer Angehörige für den Todesfall absichern will, greift besser zur reinen Ablebensversicherung.
  • Prüfen: Wer monatlich ansparen möchte, für den wäre ein Fondsparplan womöglich die bessere Wahl.
  • Optimieren: Bei bestehenden Verträgen von monatlicher auf jährliche Zahlungsweise umsteigen (Unterjährigkeitszuschlag). Unnötige Zusätze wie z.B. Invalidität streichen.

Quelle: Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin „Konsument“


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