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Beratung zur Geldanlage : Worauf kommt es an ?

Banken und Vermögensberater geizen im AK-Test mit Infos zu Risiken und Kosten.

30.07.2009

Durch die Finanzmarktkrise ist auch mancher Kleinanleger in Turbulenzen geraten. Die AK wollte wissen, wie es jetzt um Kosten- und Risikoinformationen bei Geldanlagen bestellt ist. Eine verdeckte AK-Stichproben-Erhebung bei jeweils drei Banken, Vermögensberatern und Strukturvertrieben zeigt: Insgesamt sind die Informationen über Kosten, Nebenkosten und Risiko eher spärlich und oft nur mündlich. Empfohlen werden Produkte quer durch die Bank von sicher bis sehr riskant, obwohl vom Testkäufer ein mittleres Risiko gewünscht war. Die AK verlangt, dass der Kunde Kosten- und Produktinformationsunterlagen mit Risikohinweisen bereits bei der ersten Beratung bekommen soll - zumindest einige Zeit vor Vertragsabschluss.

Die AK hat von März bis Juni 2009 Veranlagungsangebote eingeholt - bei drei Banken (Bank Austria, Erste, Raiffeisenlandesbank NÖ Wien), drei Vermögensberatern (Conesty Consulting GesmbH, Ertrag & Sicherheit, Vermögen+Sicherheit) und drei Strukturvertrieben (DVAG, OVB, MLP). Geprüft wurde, ob die Anbieter nach dem Wertpapieraufsichtsgesetz über Kosten, Nebenkosten, Risiko und Schutz von Kundengeldern richtig informieren. Es ging um eine flexible, mittelfristige Veranlagung, etwa fünf bis zehn Jahre, mit mittlerem Risiko für 20.000 Euro.

Die Banken haben vor allem konservative und sichere Produkte empfohlen - Sparbücher, Bausparer, Garantieprodukte. Die Infos über Kosten, Risiko und Schutz von Kundengeldern waren jedoch spärlich und unbefriedigend, resumiert die AK. "Zwei von drei Banken knauserten im Beratungsgespräch mit Kosteninfos zu den Wertpapierdepotspesen", sagt AK Konsumentenschützer Christian Prantner. In den schriftlichen Unterlagen (Factsheets) zu den angebotenen Garantiefonds standen zwar die Ausgabenspesen, sonstige Produktkosten fehlten aber.

Die Vermögensberater haben nur Fonds vorgeschlagen. "Das ist bei der Empfehlung von reinen Aktienfonds kritisch, da der Kunde ein mittleres Risiko wollte", sagt Prantner. Die gesetzlichen Infopflichten über Kosten, Risiken und Schutz von Kundengeldern wurden nur teilweise eingehalten. Zwei von drei Vermögensberatern machten keine konkreten Hinweise auf die Depotspesen der Bank. Negativ auffallend war die Risikoaufklärung: Ein Berater meinte zum Risiko eines Investmentfonds, dass "gar kein Risiko besteht". Ein anderer Berater erläuterte zwar das Wertschwankungs-, nicht aber das Währungsrisiko.

Die Strukturvertriebe haben eine breite Palette - sie haben Fonds empfohlen, aber auch weniger risikoreiche Produkte, etwa Lebensversicherungen oder Sparprodukte. Die Informationen waren umfangreich, besonders zu den Kosten - aber leider nur mündlich.

Ein generelles Manko bei allen Beratungsgesprächen war, dass Gesprächsprotokolle nicht oder nur teilweise ausgefüllt und überdies dem Tester nie ausgehändigt wurden. Nur in einem Fall hat der Berater das Protokoll der Testperson gezeigt, aber nicht gegeben. Das Protokoll erhält der Kunde erfahrungsgemäß erst tatsächlich bei Vertragsabschluss.

"Konsumenten sollen sich auf das Beratungsgespräch gut vorbereiten", rät AK Konsumentenschützer Christian Prantner. "Lassen Sie sich jedenfalls Zeit und unterschreiben Sie nicht gleich beim ersten Termin!" Die AK hat eine Checkliste mit folgenden Tipps zusammengestellt.

Gut vorbereiten für eine gute Beratung:

  • Bereiten Sie Ihre Unterlagen zu bereits vorhandenen Produkten vor, etwa Sparbücher oder Bausparer.

  • Werfen Sie einen Blick auf Ihre Finanzsituation: Welche Einnahmen und Ausgaben haben Sie, was wird Ihnen etwa für ein Sparbuch oder Versicherungen abgebucht.

  • Erarbeiten Sie sich einen Überblick über Anschaffungen, die Sie planen - kurzfristig, etwa Kühlschrank oder Reise; mittelfristig, etwa Auto; langfristig, zum Beispiel Umbau, neue Wohnung.

  • Überlegen Sie, welchen Geldbetrag Sie veranlagen möchten.

  • Wie lange möchten Sie sparen und wofür soll angespart werden?

  • Welches Risiko möchten Sie eingehen?

  • Welche Kosten fallen an?


So erkennen Sie einen seriösen Berater:

  • Der Berater oder Vermittler sollte von sich aus erklären, ob er unabhängig oder ein an bestimmte Finanzinstitute gebundener Vermittler ist. Hier gelten unterschiedliche Verpflichtungen und Haftungsregeln. Oft besitzen Vermittler auch mehrere Berechtigungen oder Konzessionen.

  • Bevor der Berater eine Anlage empfiehlt, stellt er Ihnen Fragen: zur aktuellen finanziellen Situation; zur Erhebung der aktuellen Einkommens- und Ausgabensituation; zur kurz-, mittel- und langfristigen Lebensplanung; ob Sie sicherheitsorientiert oder eher risikobereit sind; zum Beratungswunsch

  • Ein Berater sollte mehrere Anlagealternativen verschiedener Anbieter vorstellen und erläutern ebenso wie die Kostenbelastung der Produkte.


Grundregeln für ein Beratungsgespräch:

  • Zeit lassen: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und unterschreiben Sie nicht gleich beim ersten Termin.

  • Hinterfragen Sie Lockangebote kritisch.

  • Beachten Sie: Je höher die versprochene, prognostizierte Rendite ist, desto höher ist das Risiko.

  • Fragen Sie nach der gesamten Kostenbelastung.

  • Schließen Sie den Vertrag erst ab, wenn die Eckpfeiler des Produktes (Risiko, Laufzeit, Ertrag, Kosten) ausreichend erklärt und auch wirklich verstanden wurden.

Quelle: AK Wien

 

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