Herzlich Willkommen!
Bitte lesen Sie » diesen Hinweis zur Webheimat-Gemeinde!
 
 
Schriftgröße:
12345
 
 

Finanzberater : Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Mangelndes Finanzwissen der Konsumenten erhöht Chancen für Betrüger

21.02.2008

Aufgrund mangelnder Fachkenntnis sind Konsumenten oftmals zu gutgläubig, wenn es um ihr Geld geht. Finanzielle Allgemeinbildung sowohl in Schulen als auch bei Erwachsenen ist daher insbesondere in Hinblick auf die private Vorsorge wesentlich. Zu dieser Auffassung gelangt der Ombudsmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Wien, Mag. Johann Wally. "Wer mehr über das Finanzwesen weiß, lässt sich mit Lockangeboten für Investments mit überdurchschnittlichen Renditen nicht so leicht abzocken. Betrüger haben damit mittel- bis langfristig weniger Chancen auf Erfolg", ist Wally überzeugt. Im Jahr 2007 bearbeitete der Ombudsmann insgesamt 105 Fälle sowie mehr als 150 Anfragen. Dabei standen die Themen Prämienfreistellung, Tilgungsträger im Zusammenhang mit Krediten sowie Angebote ausländischer Unternehmen im Internet im Fokus des Interesses.

Rückkauf und Prämienfreistellung führen fast ausnahmslos zu Verlusten

Vor allem rund um das Thema Lebensversicherung - insbesondere im Zusammenhang mit der Prämienfreistellung - wuchs bei den Konsumenten die Verunsicherung. Der Ombudsmann rät davon ab, bestehende Lebensversicherungsverträge, die oftmals auch als Tilgungsträger für laufende oder neu beantragte Kredite verwendet werden, zugunsten eines neuen Vertrages bei einem anderen Unternehmen resp. Institut zu kündigen.

Der Verlust durch die Prämienfreistellung kann - so wie bei einem Rückkauf - durch einen Neuabschluss eines meist ähnlichen Produktes, auch mit einer in Aussicht gestellten höheren Rendite, zumeist nicht mehr wettgemacht werden. Zudem fallen neuerlich Abschluss- und Verwaltungskosten an, die der Konsument zu tragen hat. Eine Prämienfreistellung macht nur dann Sinn, wenn durch einen finanziellen Engpass laufende Raten vorübergehend oder gar nicht mehr bezahlt werden können.

Wally rät zu folgender Alternative: "Ich empfehle allen Konsumenten, die vor die Entscheidung gestellt sind, einen Lebensversicherungsvertrag zu kündigen bzw. freizustellen, die professionelle und unabhängige Beratung eines Finanzdienstleisters bzw. Gewerblichen Vermögensberaters in Anspruch zu nehmen, mit ihm zusammen die Hausbank zu besuchen und mit dieser gemeinsam die beste Lösung zu finden. Denn Gewerbliche Vermögensberater arbeiten als Geschäftspartner der Banken, sind allerdings von Produktgebern unabhängig", betont der Ombudsmann. Darin liegt ein erheblicher Unterschied im Hinblick auf die Leistung von Gewerblichem Vermögensberater und Bankberater: Denn während der Gewerbliche Vermögensberater hinsichtlich der Wahl und Empfehlung des Produktes völlig frei agiert, ist der Bankberater seiner Bank verpflichtet. Er empfiehlt seinen Kunden somit naturgemäß vor allem hauseigene Produkte. Vermögensberater hingegen sind gesetzlich dazu verpflichtet, das für den Kunden entsprechend beste Produkt(portfolio) am Markt auszuwählen und damit die Finanzsituation und die finanziellen Ziele seines Klienten bestmöglich zu berücksichtigen.

Fremdwährungskredite (FWK) benötigen Management

Erfreulich: Im Bereich der Fremdwährungsfinanzierungen verbuchte der Ombudsmann im vergangenen Jahr kaum Beschwerden. Diese waren alle auf eine fehlende Beratung in Bezug auf den richtigen Switch-Zeitpunkt zurückzuführen. Da ein Fremdwährungskredit die ständige Auseinandersetzung mit dem Zinsmarkt erfordert, ist es empfehlenswert, einen unabhängigen Finanzdienstleister mit dem FWK-Management zu beauftragen. Dieser vollzieht zum jeweiligen richtigen Termin den Switch.

Internetangebote ausländischer Scheinfirmen im Vormarsch

Das Angebot an unseriösen Anbietern im Internet, die für Produkte mit überdurchschnittlich hohen Renditeerwartungen von oftmals über 15 % oder hundertprozentigen Kreditzusagen werben, hat überhand genommen. Wally warnt davor, Geldbeträge an solche Firmen zu überweisen. Es handelt sich dabei meist um Postkastenfirmen, die im Schadensfall nicht zur Verantwortung gezogen werden können und damit ist das Geld für immer verloren.

Finanzielle Allgemeinbildung sichert wirtschaftlichen Wohlstand

In Österreich ortet der Ombudsmann einen dringenden Nachholbedarf an finanzieller Allgemeinbildung. Bereits Kinder sollten auf den richtigen Umgang mit Geld vorbereitet werden, denn Bürger sind heute gefordert selbst in punkto Pensionsvorsorge und Risikoabsicherung aktiv zu werden. An Schulen wird das Thema Financial Education - der richtige Umgang mit Geld, Kapitalanlagen und Vorsorge-Instrumenten - zurzeit noch unzureichend behandelt. Um Kinder und Jugendliche diesbezüglich besser auszubilden, ist es wichtig, die finanzielle Allgemeinbildung in nationale und regionale Lehrpläne aufzunehmen. Je größer das Wissen ist, das ein Konsument bereits zum Beratungsgespräch mitbringt, desto besser können Finanzdienstleister das Finanzportfolio auf die Bedürfnisse und Ziele ihrer Kunden zuschneiden. So können auch komplexere Produkte mit höheren Renditechancen mit einbezogen werden.


Tipps wie Konsumenten ihr Geld schützen können

  1. Finger weg von Internet- & E-Mail-Angeboten! In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Scheinfirmen: Die Konten werden nach einiger Zeit aufgelöst und die Kunden sehen ihr Geld nie mehr. Im Schadensfall gibt es kaum eine Möglichkeit, diese Firmen zur Rechenschaft zu ziehen

  2. Keine Kreditabschlüsse über das Internet, keine Überweisungen zur Vorauszahlung an diese Unternehmen! Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um unbefugte Personen, die über keinerlei Berechtigung verfügen.

  3. Wesentlich: Überprüfung des Firmensitzes. Bei Angeboten nicht-österreichischer Unternehmen sollte überprüft werden, ob diese einen Firmensitz im Inland haben. Im Problemfall gilt somit österreichisches Recht. Andernfalls besteht wenig Chance, zu seinem Recht zu kommen.

  4. Niemals Bargeld aus der Hand geben! Laut Gesetz dürfen Gewerbliche Vermögensberater niemals Schuldner eines Kunden werden. Ein seriöser Berater wird daher niemals nach Bargeld fragen. Tut er es dennoch, dann sollten die Alarmglocken schrillen.

  5. Nicht von zu hohen Zinsen und Renditeversprechen blenden lassen! Es sollte die Meinung eines zweiten und dritten Experten eingeholt werden. Hohe Renditen sind meist mit hohen Risiken - bis zum Totalverlust - verbunden.

  6. Ruhe bewahren! Auch wenn der Kurs im Keller und die Medienberichterstattung negativ ist, Nerven behalten. Investments an der Börse sind langfristig (d.h. mindestens 8-10 Jahre) zu sehen. Auf jedes Tief folgt ein Hoch. Beim Abschluss eines Investments ist allerdings darauf zu achten, dass es auch tatsächlich leistbar ist. Der Notgroschen hat nichts an der Börse verloren!

  7. Sparplan vor Einmalerlag. Sparplanvarianten sind insbesondere für Kleinanleger zu bevorzugen. Sie können so zwischenzeitlich von fallenden Kursen profitieren und mehr Anteile erwerben.

  8. Richtige Einschätzung der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit. Kreditraten sollten maximal ein Drittel des nachweisbaren Einkommens ausmachen. Beiträge für die private Pensionsvorsorge müssen auf Langfristigkeit hin leistbar sein. Wer einmal mehr in der Tasche hat, kann zusätzlich vorsorgen. Die Kündigung von Verträgen ist meist ausnahmslos mit Verlusten verbunden!

  9. Vertrauen schützt vor Schaden nicht. Auskünfte über die in Wien tätigen Gewerblichen Vermögensberater finden Sie unter www.diefinanzdienstleister.at. Dort sind alle befugten, geprüften und ausgebildeten Vermögensberater inkl. Kontaktdaten eingetragen. In den Bundesländern helfen die jeweiligen Fachgruppen Finanzdienstleister der Wirtschaftskammern weiter: www.diefinanzdienstleister.at/service/landesfachgruppen


Auf der Webseite der Finanzmarktaufsicht können Sie zudem überprüfen, ob der von Ihnen ausgewählte Berater auch zur Wertpapierberatung und -vermittlung befugt ist. Vor Entscheidung für einen Berater ist die Kontaktaufnahme bzw. Offertanfrage bei zwei oder drei Beratern durchaus sinnvoll.

ots

 

Top Themen

Top Links