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Buch " Kleine Geschichte des Geldes " neu aufgelegt

Bargeldloser Zahlungsverkehr mit ein Grund für private Verschuldung

28.04.2009

Einen Rückblick auf wirtschaftliche und soziale Grundlagen des Geldes bietet der Historiker Michael North von der Universität Greifswald in seinem Buch "Kleine Geschichte des Geldes", das soeben im Verlag Beck neu aufgelegt wurde. "Historiker versuchen, die Gegenwart durch Erfahrungen aus der Geschichte zu erklären. In diesem Licht ist die Finanzkrise kein Phänomen, das zuvor nie existierte und nur durch die böse Globalisierung entstehen konnte", erklärt der Experte für mittlere und neue Geschichte. Das Buch verfolgt die Entwicklung des Geldes vom Mittelalter bis heute und widmet der jüngsten Geschichte der Finanzkrisen und Globalisierung einen eigenen Teil.

Geldflüsse seien immer schon international gewesen und die Welt habe Krisen wie die aktuelle bereits öfters erlebt, so North. "Zum letzten Mal war das in der Asienkrise der 90er-Jahre. Auch sie wurde ähnlich wie heute durch übermäßige Verschuldungen durch Aktienspekulationen und Billigkredite ausgelöst." Ein wichtiger Grund für die hohe Verschuldung der privaten Haushalte in den USA, die zum Anstoß der Krise wurde, sei das Aufkommen neuer Zahlungsformen gewesen. "Durch die bargeldlosen Geldmedien wie Bankomat- oder Kreditkarten, die im letzten Jahrzehnt im Alltag Einzug genommen haben, ist Geld nicht mehr konkret wahrnehm- und fühlbar. Schulden wurden angehäuft, da man das Vertrauen in das Geld verlor, ohne dem es jedoch nutzlos wird", so der Greifswalder Historiker.

Persönlich schätzt North zwar den bargeldlosen Zahlungsverkehr, bezeichnet sich jedoch als "keinen großen Freund" des Internet-Bankings, des Kaufs über das Internet oder der Bezahlung per Kreditkarte. "Die Gefahr des Missbrauchs persönlicher Daten ist hoch. Zudem führt die große Transparenz aller Aktionen und Transaktionen dazu, dass der Mensch immer mehr zum gläsernen Konsument wird und gleichzeitig zu einer Konsumentenbiografie verkommt." Es sei schwierig, für dieses Phänomen historische Vergleiche zu finden, bemerkt North. "Vielleicht entspricht es in manchen Formen dem Boom an Spekulationen, die auf Kosten der Allgemeinheit wenigen Gewinn bringen." Die Gewinner der heutigen Transparenz seien die Firmen, die aus dem Internet Profit durch Werbung für Produkte und Dienstleistungen schlagen.

Die aktuelle Politik der Banken sei längst vom früheren Weg der Absicherung abgekommen, beobachtet der Historiker. "Waren Kredite noch bis in die Nachkriegszeit durch Sicherheiten wertmäßig fundiert, haben sie sich seither verselbstständigt. Banken führen heute große Operationen durch, ohne dafür ausreichende Sicherheiten zu besitzen." Die aktuelle Rezession sei ein Moment, der ein Umdenken auslösen könnte, prophezeit North. "Sicherheiten, Bonitäten und Vertrauen werden in Zukunft bei Krediten und Kapitalanlagen eine zentrale Rolle spielen. Das zeigt sich darin, dass Banken heute mehr Angst bei der Kreditvergabe haben und dass die Wirtschaft mehr Mühe hat, Geldgeber zu finden, was ihre Funktionstüchtigkeit gefährden kann", so North.

Europa könne laut North froh sein, stets die Maastricht-Kriterien verfolgt zu haben und restriktiver in der Kreditvergabe vorgegangen zu sein als die USA. Die Einführung des Euros sei gerade noch rechtzeitig erfolgt, um Europa eine Währungsidentität zu verleihen. "Hätte Europa den Euro nicht, könnte sich rasch eine Zweiklassengesellschaft bilden", schätzt North. Die Umstellung der Landeswährungen auf den Euro sei in den Ländern sehr verschieden abgelaufen. "Während sich die Westdeutschen problemlos von der D-Mark trennten, fiel dies den Ostdeutschen, die die Währung erst zwölf Jahre zuvor erhalten hatten, deutlich schwerer." Die Italiener hätten die Lira aufgrund deren Unbeständigkeit gerne über Bord geworfen, während für Österreich und die Niederlande kaum eine Umstellung geschehen sei, da Schilling und Gulden auch zuvor stets an den Kurs der D-Mark gekoppelt waren. Die Schweiz besäße aufgrund ihrer währungspolitischen Situation eine Sonderrolle, so der Greifswalder Historiker.

Quelle: pte



Michael North
Kleine Geschichte des Geldes
Vom Mittelalter bis heute
253 Seiten, Verlag Beck, März 2009

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