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"Nur hier und heute": Bettauflage gegen Elektrosmog

Glückliche Gewinner können um "nur" 800 Euro "Gesundheitsbotschafter 2006" werden

16.02.2006

Eine "Serviceagentur" aus Stukenbrock lockte Konsumenten zum Besuch einer "Gewinnübergabe" nach Herzogenburg. Statt des angekündigten Geschenkeregens prasselte jedoch eine Flut an Werbesprüchen auf die Gästeschaft nieder. Diesmal sollten spezielle Unterbetten, die angeblich vor Elektrosmog schützen, an den Mann und die Frau gebracht werden. Nachdem 6 Kaufverträge unterschrieben waren, verständigten die Konsumentenschützer die Polizei, die Veranstaltung wurde aufgelöst.

Die Ankündigung von gleich zwei gewonnenen Preisen, darunter eine Küche, ein VW Golf, 10.000 Euro, Sponsoren-Gutscheine und Zusatzgewinne, ein Essen für vier Personen sowie "vielen weiteren Höhepunkten" lockte zahlreiche Gäste aus dem Bezirk St. Pölten zu der Gewinnübergabe in ein Herzogenburger Gasthaus. Auch ein Fernseher "direkt zum Mitnehmen" werde bereitgehalten, hieß es in der Einladung.

Verteilt wurden an die vermeintlich glücklichen Hauptgewinner jedoch bloß Aloe Vera Produkte. Dann folgte ein stundenlanger Vortrag zum Thema "Elektrosmog". Der Präsentator, der sich selbst als "Messtechniker" bezeichnete, lief mit einem Nanovolt-Messgerät durch den Saal um auf diese Art zu demonstrieren, welcher Strahlung man ausgesetzt sei. Er testete Handys, Stehlampe und Luster und wies in der Folge auf die Gesundheitsschäden hin, die der Elektrosmog auslöse. Aber das sei alles kein Problem, mit dem "nur hier und nur heute" erwerbbaren "Abschirmsystem gegen Elektrosmog" wäre diese Gefahr sofort gebannt, behauptete er.

Der Präsentator hatte ein Zuckerl parat: Unter allen Teilnehmern wurden Lose verteilt. Die glücklichen Gewinner erhielten 600 Euro, die allerdings nur dann "ausgezahlt" wurden, wenn man eine der 1.400 Euro teuren Bettauflagen erstand. Somit kosteten die "Abschirmsysteme gegen Elektrosmog" "nur mehr" 800 Euro. Alle sechs Gewinner unterschrieben prompt die Kaufverträge und wurden zur Belohnung umgehend zu "Gesundheitsbotschaftern 2006" ernannt. Als sichtbares Zeichen der neuen Würde wurde ihnen eine Ernennungsurkunde überreicht. Stutzig wurden die frisch gebackenen Gesundheitsbotschafter erst, als der Präsentator angesichts der eintreffenden Polizei samt Kaufverträgen das Weite suchte. Die Konsumentenschützer empfahlen den überrumpelten Konsumenten, die Waren, die noch am selben Nachmittag geliefert werden sollten, nicht zu übernehmen, sondern schriftlich vom Vertrag mit Verweis auf §3 des Konsumentenschutzgesetzes zurückzutreten. Eine Kopie des Kaufvertrages hatten die - großteils älteren - Herrschaften übrigens nicht bekommen.

Derzeit werden weitere Einladungen im Raum Baden für den 28.2. verschickt. Bekannt ist nur, dass die Reise nach Wiener Neustadt geht. Offenbar soll so verhindert werden, dass vor Ort überprüft wird, ob gesetzwidrig Waren verkauft werden.

Quelle: AKNÖ

 

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