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Trend: Verschmelzung von realer und digitaler Welt

Digitale Inhalte zukünftig über Kontaktlinsen oder Implantate abrufbar?

24.09.2009


"Im Zuge der technologischen Evolution explodiert das Internet in die reale Welt. Der Mensch wird immer online sein und die Möglichkeit haben, die Realität in Echtzeit um eine Ebene digitaler Inhalte zu erweitern." Zu diesem Schluss kam der Trendforscher Daniel Bischoff diesen Dienstag bei der von Future Network organisierten 3. Konferenz zu Technologieoutlook und IT-Trends an der Universität Zürich. Ermöglichen aktuell vor allem mobile Endgeräte über Bilderkennung, Internet-Anbindung und Displaytechnologien eine digitale Überblendung der Realität, werden in Zukunft auch Brillen, Kontaktlinsen oder gar winzige Implantate zum Einsatz kommen, die diese Zusatzinformationen direkt auf das menschliche Auge projizieren, glaubt Bischoff.

An Ideen und Visionen, die teilweise schon in Pilotprojekten getestet wurden, mangelt es nicht. So soll es zukünftig möglich sein, für die Wohnungssuche einfach durch die Gegend zu schlendern. Gefällt einem ein Wohnblock oder ein Haus, kann über die Kamera des Mobiltelefons das Objekt anvisiert werden. Die digitale Zusatzebene gibt Auskunft über freie Wohnungen und hält auch gleich die Informationen zum Mietpreis und Vermieterkontakt bereit. Aber auch mit der Anbindung an bestehende Plattformen und User-generierte Inhalte wie Wikipedia, Flickr oder der lokalen Googlesuche wird bereits experimentiert.

Für die Gaming-Industrie sind durch virtuelle Überlagerungen der realen Welt völlig neue Spielkonzepte denkbar. Und traditionelle Print-Medien könnten davon profitieren, wenn das physische Produkt mittels Betrachtung über eine Handy- oder Laptopkamera virtuelle Zusatzinformationen und 3D-Grafiken bietet. "Aus dieser Entwicklung heraus ergeben sich völlig neue Geschäftsmodelle, da Leute für relevante Informationen immer bereit sein werden, auch Geld zu bezahlen", meint Bischoff. Die Richtung dieser technologischen und inhaltlichen Evolution zeichne sich bereits deutlich ab. Welche Geschäftsidee bis zum Jahr 2020 tatsächlich von Erfolg gekrönt sein werde, sei im Einzelnen allerdings schwer zu prognostizieren, so Bischoff.

"Wir erleben derzeit tatsächlich einen revolutionären Wendepunkt der technologischen Entwicklung", unterstreicht auch Moshe Rappoport von IBM Research. Die Konvergenz verschiedener Entwicklungen im Hardware- wie Softwarebereich sowie die starke Einbindung sozialer Komponenten - Stichwort soziale Netze und User-generierter Content - sorge für einen digitalen Aha-Effekt ungeahnten Ausmaßes. "Haben noch vor wenigen Jahren überwiegend Informatiker, Wissenschaftler und Geschäftsleute auf die Verwendung von Computern gesetzt, stellen die privaten User, die Computer, Mobiltelefone und andere technologische Geräte verwenden, nun die überwältigende Mehrheit dar. Anders als früher muss sich die IT heute folglich darüber definieren, dass sie unseren Alltag maßgeblich erleichtert und globale Probleme löst", meint Rappoport.

Damit eine große Masse an Privatanwendern von den technologischen Errungenschaften profitieren kann, müssten Entwickler vor allem in puncto intuitiver Bedienbarkeit noch einiges lernen, kritisiert Rappoport. So sei es ärgerlich, wenn etwa Schweizer Zugreisende ihren Anschluss verpassen, da die Bedienoberfläche des elektronischen Ticketautomats zu kompliziert aufgebaut ist. Den Erfolg des iPhones führt Rappoport unter anderem darauf zurück, dass dieses sowohl von den digital aufgewachsenen Jugendlichen als auch von der älteren Generation auf spielerische Weise bedient werden könne.

Vor einem möglichen Supergau durch den Missbrauch von Privatinformationen und persönlichen Daten warnte hingegen der Rostocker Universitätsprofessor Clemens Cap: "Bei all den großartigen Möglichkeiten, die sich durch die technologische Entwicklung für Privatanwender, aber auch im Geschäftsbereich ergeben, müssen wir uns gleichzeitig aber auch gewissen ethischen Fragen stellen." Wenn der Mensch über technische Hilfsmittel bis hin zu implantierbaren RFID-Chips immer stärker in die digitale Welt eingebunden werde und persönliche Informationen in diese einspeise, kratze man dadurch natürlich an Grenzen, die zwangsläufig zu Protesten führen, so Cap.

Als weiteres Problem der rasanten digitalen Entwicklung orteten die IT-Experten auch die damit einhergehende Datenflut. "Dass wir ein Problem bekommen, beweisen schon die neuen Wortkreationen Petabyte, Exabyte und Zettabyte. Bis zum Jahr 2011 wird die Gesamtmenge der erzeugten Daten laut einer IDC-Studie auf 1,8 Zettabyte - rund 1,8 Mrd. Terabyte - ansteigen, während der verfügbare Speicherplatz auf rund 50 Prozent absinken wird", erklärt André Golliez, Präsident der Schweizer Informatik Gesellschaft. "Unternehmen sind daher gut beraten, bereits jetzt einen Plan zu entwickeln, wie relevante von irrelevanten Daten zu unterscheiden sind und man die Langzeitspeicherung und Archivierung der wichtigen Daten in Angriff nehmen kann."

Quelle: pte
 

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