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Digitales Fernsehen : DVB-T Boxen im Test

Geförderte Geräte sind nicht unbedingt die bessere Wahl

01.12.2006

Die Anzahl derer, die eine Settop-Box zum digitalen Empfang von ORF und ATV wirklich wollen, ist unbekannt. Die Zahl jener, die sie über kurz oder lang brauchen und deshalb eine anschaffen müssen, liegt hingegen vor: rund 1,5 Millionen oder 40 Prozent aller TV-Haushalte. Betroffen sind alle, die auch nach der Komplettumstellung noch mit Haus- oder Zimmerantenne die heimischen Programme empfangen wollen. Das Onlineportal www.konsument.at leistet Aufklärungsarbeit rund ums Thema Settop-Boxen.

Seit 26. Oktober 2006 gibt es in Österreich offiziell digitales terrestrisches Fernsehen. Während vor der Einführung Informationen rund ums Thema Digital-TV rar waren, sind nun Settop-Boxen Mangelware. "Die reale Verfügbarkeit der 'Kastln' unterliegt großen Schwankungen: Manchmal gibt es sie in manchen Geschäften, manchmal wiederum nicht", wundert sich "Konsument"-Technikexperte Paul Srna.

Theoretisch gibt es die Settop-Boxen in fünf verschiedenen Varianten, praktisch verfügbar sind derzeit - wenn überhaupt - nur zwei:

  1. Unzertifizierte Zapping-Boxen verfügen über kein TÜV-Prüfpickerl und sind somit nicht "DVB-T zertifiziert". Mangels multimedialer Zusatzdienste ("MHP") werden diese Geräte auch nicht mit dem 40-Euro-Gutschein der RTR gefördert.

  2. ZertifizierteMHP-MultiText-fähige Modelle sind dagegen am grünen Pickerl erkennbar - sie werden von den Gutschein-Ausgebern auch mit einem solchen bedacht. Wer diese zertifzierten Boxen erwirbt, kann auch eine Gratis-Hotline in Anspruch nehmen, die bei Fragen zur Installation Auskunft gibt.

Zertifizierte Zapping-Boxen und unzertifizierte MHP-MultiText-fähige Geräte gibt es derzeit nicht im Handel - beide Varianten stehen jedoch auch nicht auf der Förderungsliste. Interaktive MHP-Boxen - mit denen etwa "Starmania"-Fans ihrem Favoriten via Fernbedienung ihre Stimme geben können - sind momentan ebenfalls nicht erhältlich. Sie sollen Anfang 2007 auf den Markt kommen.

Auch wenn nur 100.000 Settop-Boxen bis zum 31.12.2006 gefördert werden: "Derzeit besteht kein Grund, in Kaufpanik zu verfallen", beruhigt Srna verunsicherte Konsumenten. Von den 100.000 Geräten mit "Förderung" für Schnellentschlossene sind zum einen gerade erst 20.000 über den Ladentisch gegangen. Zum anderen fährt man mit einer einfachen Zapping-Box ohnehin in jedem Fall billiger, auch ohne "Förderung".

Die analoge Ausstrahlung wird übrigens zwischen März und Juni 2007 in allen Landeshauptstädten - beginnend von Westen nach Osten - abgeschaltet. Der Rest des Landes folgt schrittweise.

Billiger ist oft besser

Die billigeren, unzertifizierten Settop-Boxen schneiden im Test teilweise besser oder zumindest gleich gut ab wie die deutlich teureren, geförderten Geräte.

Unzertifizierte Zapping-Boxen sind die günstigere Variante unter den Settop-Boxen. Sie kosten im Schnitt 71 Euro. Auch wenn diese Modelle kein TÜV-Prüfzeichen tragen, bedeutet das keineswegs, dass sie von vornherein schlechter sind als ihre zertifizierten Kollegen. Im Gegenteil: Die beiden einzigen "guten" Geräte im Test befinden sich in diesem Marktsegment.

Im Durchschnitt doppelt so teuer kommen dagegen die "geförderten" MHP-Produkte (MHP steht für Multimedia Home Platform). Wer von seinem 40-Euro-Gutschein Gebrauch machen möchte, muss zwischen 120 und 160 Euro (abzüglich der Förderung) auf den Tisch legen. Aber: Keines dieser Geräte kommt über ein "durchschnittliches" Testergebnis hinaus.

Dass die digitale Fernsehwelt nicht so schön und einfach ist, wie in der Werbung gerne vorgezeigt wird, mussten die "Konsument"-Tester in verschiedener Hinsicht feststellen:

  • So bedeutet "digital" keineswegs "flott": Bis das gewünschte Programm zu Beginn des Fernsehabends am Bildschirm erscheint, kann es bis zu zwölf Sekunden dauern, und auch der Wechsel von einem Sender zum anderen nimmt mitunter einige Sekunden in Anspruch.

  • Die viel gepriesene MHP-Funktion bietet derzeit nicht viel mehr als den illustrierten Nachfolger des "Teletext". Die Tester bemängelten den "MultiText" als "langsamer" und "weniger informativ" als seinen Vorgänger und kritisierten seine unübersichtliche Navigation.

  • Was ebenfalls gerne übersehen wird: Wer eine Sendung ansehen und gleichzeitig eine andere aufzeichnen will, benötigt für das Aufzeichnungsgerät eine eigene Settop-Box. Selbiges gilt für sämtliche TV-Geräte, DVD- und VHS-Recorder im Haushalt. Nur wer bereits über ein Gerät mit integriertem DVB-T-Tuner verfügt, erspart sich das externe "Kastl" und die Kosten dafür.

  • Nicht zuletzt sorgen auch die Fernbedienungen der Geräte für allerlei Durcheinander: Wer für DVD-Recorder und TV-Gerät aus praktischen Gründen zwei Boxen vom selben Typ kauft, darf sich auf einige Umbauten im Wohnzimmer freuen: Beide Geräte würden ja auf dieselbe Fernbedienung ansprechen, was das Chaos rund um die Settop-Boxen perfekt machen würde.

Bild- und Tonqualität

Die Testergebnisse für das Bild waren ausnahmslos, für die Tonqualität überwiegend "gut". Allerdings winkt nur jenen TV-Zusehern Besserung, die mit ihrer bisherigen analogen Anlage schlechte Empfangsergebnisse erzielten. Wer schon bisher einwandfreien analogen Empfang hatte, dem schmälern nun die eventuell auftauchenden digitalen Fehler wie etwa einfrierende Bilder den TV-Genuss.

Hinsichtlich der Bedienungsanleitungen gibt es noch erheblichen Aufholbedarf: Eine zu kleine Schrift, wenig informative und schlecht lesbare Abbildungen oder fehlende Erklärungen von Abkürzungen führten dazu, dass die Kandidaten in diesem Prüfpunkt vorwiegend "durchschnittlich" abschnitten.

Nicht immer ist es mit dem Kauf einer Settop-Box allein getan: "Achten Sie schon beim Kauf auf ein beiliegendes Scart-Kabel und planen Sie die Kosten dafür - und unter Umständen auch für eine neue Antenne - in Ihr DVB-T-Budget ein", rät "Konsument"-Technikexperte Paul Srna abschließend.

Quelle: Verein für Konsumenteninformation

 

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