Herzlich Willkommen!
Bitte lesen Sie » diesen Hinweis zur Webheimat-Gemeinde!
 
 
Schriftgröße:
12345
 
 

Verkehrsschilder : Wildwuchs auf unseren Straßen

ÖAMTC: Bis zu einem Drittel der Verkehrszeichen sind überflüssig

ÖAMTC-Schätzungen zufolge gibt es in Österreich über zwei Millionen Verkehrsschilder entlang der heimischen Straßen, und täglich werden es mehr. "Zu viele Zeichen gefährden die Verkehrssicherheit, weil sie die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit überfordern", warnt ÖAMTC-Verkehrstechniker Roman Michalek. Die aktuelle RoadSigns-Umfrage, die europaweit gemeinsam mit neun Schwesterclubs durchgeführt wurde, bestätigt diese Einschätzung. Hier die österreichischen Ergebnisse im Detail:

  • 58 Prozent der befragten österreichischen Autofahrer sind laut ÖAMTC der Meinung, dass es auf Österreichs Straßen zu viele Verkehrsschilder gibt. Damit liegt Österreich in der europaweiten Studie deutlich über dem Durchschnitt an zweiter Stelle. Nur in Deutschland sind mit 75 Prozent noch mehr Autofahrer unzufrieden mit der Situation. Zufrieden hingegen ist man in Norwegen: Dort glauben nur 19 Prozent der Autofahrer, dass weniger Schilder besser wären. Auch die Spanier und die Holländer sehen wenig Handlungsbedarf. Der ÖAMTC-Experte ortet in der Überfrachtung des österreichischen Straßenraumes ein erhebliches Sicherheitsrisiko: "Dem Fahrer ist es praktisch unmöglich, mehr als drei Verkehrszeichen gleichzeitig wahrzunehmen und zu erkennen, auch wenn die Schilder beim Annähern mehr als zwei Sekunden im Sichtbereich liegen", sagt Michalek. Damit geht der Blick auf wichtige Ge- und Verbote sowie Gefahrenwarnzeichen verloren. Doch nicht nur die Anzahl der Schilder ist ein Problem, sondern auch die Qualität.
  • Elf Prozent der befragten österreichischen Autofahrer empfinden viele Schilder als falsch platziert. Damit ist einerseits gemeint, dass die Beschilderung nicht der Verkehrssituation und der Straßenführung entspricht. Andererseits sind Schilder häufig z.B. durch Büsche oder andere Schilder verdeckt, stehen zu knapp am Gefahrenpunkt oder sind unübersichtlich aufgestellt. "Wenn ein Schild in unmittelbarer Nähe zu großflächigen Werbeplakaten angebracht ist, wird es nicht mehr wahrgenommen", sagt der ÖAMTC-Experte.
  • Acht Prozent der Befragten bemängeln, dass viele Schilder "unklar" sind. Den Autofahrern fehlt laut ÖAMTC oft der Informationsgehalt auf den Verkehrszeichen. Außerdem empfinden es die Autofahrer als besonders ärgerlich, wenn Verkehrszeichen einander widersprechen. "Das klingt zwar unglaublich, aber es kommt immer wieder vor, dass die Informationen auf zwei nebeneinander positionierten Zeichen vollkommen widersprüchlich sind", sagt der ÖAMTC-Experte.
  • 19 Prozent der befragten österreichischen Autofahrer berichten, dass sie schon wegen schlechter oder falsch aufgestellter Verkehrszeichen in einer gefährlichen Situation waren. Im europäischen Vergleich liegt Österreich mit diesem Wert zwar deutlich unter dem Durchschnitt, "aber jede Gefahrensituation ist eine zuviel", relativiert Michalek. "Es darf nicht sein, dass Verkehrzeichen, die eigentlich unterstützen sollen, zur Gefahr werden". In Italien sehen sich 58 Prozent der befragten Autofahrer durch falsch platzierte Schilder gefährdet, in Spanien sind es 55 Prozent.
  • Trotz der vielen Ärgerquellen werden Verkehrszeichen, vor allem Gefahrenwarnzeichen, als sinnvoll empfunden. Neun von zehn österreichischen Autofahrern werten Gefahrenwarnzeichen laut ÖAMTC-Umfrage als sehr wichtig und hilfreich. Gerade auf unbekannten Strecken verlassen sich 76 Prozent der befragten österreichischen Autofahrer auf Hinweise, um mit der Verkehrssituation zurechtzukommen und sich zu orientieren. Einwandfrei positionierte Verkehrszeichen mit klaren Aussagen helfen den Verkehrsfluss in Gang zu halten und tragen zur Verkehrssicherheit bei.

Für den ÖAMTC sind die Erkenntnisse aus der Studie ein klarer Auftrag: "Die österreichischen Autofahrer wollen durch Verkehrszeichen gewarnt und informiert werden, wehren sich aber gegen eine Überregulierung. Es kann nicht sein, dass für jede neue Information ein Schild angebracht wird, ohne die vorhandenen damit abzustimmen. Das Motto muss lauten 'weniger ist mehr'", wünscht sich Michalek stärker lösungsorientierte Vorgaben in der StVO (Straßenverkehrsordnung). "Schilder beseitigen keine Verkehrsprobleme. Sie sollten wirklich nur dort aufgestellt werden, wo es die Situation erfordert." Der ÖAMTC ist überzeugt, dass bis zu einem Drittel aller Verkehrszeichen auf Österreichs Straßen überflüssig ist und entfernt werden könnte. Das Fehlen hätte keine Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit.

Dass diese Einschätzung der Realität entspricht, zeigt ein Versuch des ADAC in Deutschland. Dort wurde gemeinsam mit der Polizei in der Stadt Selm/Westfalen die Probe aufs Exempel gemacht. Unter Aufsicht von Experten ortete man unter 1.100 Verkehrsschildern 600 vermeintlich überflüssige, die man verhüllte. Das Ergebnis nach zwei unfallfreien Tagen unter Experten-Beobachtung und reger Bürgerbeteiligung: Von 600 verhüllten Tafeln konnten 471 entfernt werden.

Auch in Österreich konnten schon erste Erfolge verbucht werden. Blickfeld-Untersuchungen im Rahmen des ÖAMTC-Tunneltests haben ergeben, dass auf Autobahnen zwei Drittel der seitlich aufgestellten Schilder bei hoher Verkehrsdichte oder in besonders kritischen Situationen nicht mehr wahrgenommen werden. Der ÖAMTC hat bereits erreicht, dass vor allem vor Tunnels ein Kahlschlag des Schilderwaldes erfolgt ist und verstärkt Überkopf-Schilder für wichtige Informationen verwendet werden.


Weitere Beiträge:


 

Top-News und

Testberichte