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Trabi fahren ist wieder "in"

Kurz nach dem Zerfall der DDR als Witzfigur belächelt, erlebt der Trabant nun ein Comeback und mausert sich zum begehrten Oldtimer.


30.09.2010

Ein Trabi steht an einer Kreuzung. Die Ampel wird grün, der Trabifahrer gibt Gas, doch sein Auto kommt nicht vom Fleck. Warum? Ganz einfach - der Mercedes hinter ihm hat die Lüftung eingeschaltet. Solche Witze schossen im Jahr 1990 wie Pilze aus dem Boden. Der Trabant war damals für viele Menschen nur ein rollender Scherz, ein Verkehrshindernis, ein nervender Zweitakt-Stinker. Auf den Autobahnen waren Wessis am Volant schnell genervt von den Trabi-Kolonnen, die sich schon von weitem durch bläulichen Rauch und Zweitakt-Mief ankündigten. Selbst viele Neubürger aus dem Osten, die im sozialistischen Mangelstaat DDR manchmal Jahrzehnte auf einen Trabi warten mussten, hatten nach der Wende die Nase voll.

Doch der kleine Wagen mit seiner baumwollverstärkten Duroplast-Karosserie und dem typischen "Rend-Deng-Deng"-Sound des 26 PS starken Zweitakters erweist sich als erstaunlich zäh. Der Trabi stellt mit rund 34.000 Exemplaren nach dem VW Käfer heute den größten Oldtimer-Bestand auf deutschen Straßen. Und das nicht nur in Berlin, Leipzig oder Dresden: Sogar tief im Westen hat sich eine eingefleischte Fangemeinde der kultigen Rennpappe verschrieben.

20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung interessieren sich wieder mehr Autokäufer für den Trabant. Gemäß einer aktuellen Erhebung des Online-Pkw-Marktplatzes AutoScout24 klickten im August dieses Jahres 23 Prozent mehr Nutzer die Trabi-Inserate an als im Vergleichsmonat des Vorjahres. "Berücksichtigt man die üblichen Preisschwankungen, sind sowohl die Durchschnittspreise für Trabis als auch Wartburgs seit März 2009 relativ konstant geblieben. Damit verzeichnen die Fahrzeuge keinen nennenswerten Wertverlust", so AutoScout24 Senior-PR-Manager Katja Jandrewski. Ein Trabant in den neuen deutschen Bundesländern kostet im Schnitt 2.509 Euro und ist damit neun Prozent teurer als im Westen der Bundesrepublik. Allein 157 Fahrzeuge der Kultmarke waren im August 2010 im Fahrzeugbestand der Online-Plattform gelistet. Das Spektrum ist riesig und reicht von original belassenen Liebhaberstücken über detailliert umgebaute Renntrabis bis hin zu schrill lackierten und tiefer gelegten Cabrios. Zudem werden Erstzulassungen ab 1959 sowie Trabis gegen Ende des Produktionszeitraumes 1991 zum Verkauf angeboten.

Dabei ist Trabi fahren gar nicht so einfach: Zuerst muss man sich an die Lenkrad- schaltung gewöhnen. Das Auto ist so winzig, dass das Gaspedal fast in der Mitte des Fußraums sitzt, doch selbst als langer Lulatsch findet man problemlos Platz unterm Lenkrad. Hat man den ersten Gang reingewürgt, knattert das Motörchen fröhlich vor sich hin und schiebt den leichten Trabi erstaunlich forsch an. Überholmanöver sollte man natürlich besser schon morgens am Küchentisch planen, doch im Stadtverkehr zeigt sich der Trabi putzmunter.

Dass die Nachfrage nach Trabis groß ist, belegt auch die aktuelle Diebstahlstatistik. Gemessen am Fahrzeugbestand der Automarken hatten Trabantfahrer 2009 das höchste Diebstahlrisiko. Gemäß der jährlichen Analyse zum Autodiebstahl der Deutschen Versicherer lag die sogenannte "Klaurate" bei 1,39 von 1.000. Auf Platz zwei und drei folgen Porsche und Audi mit 1,26 bzw. 1,13 von 1.000. Dahinter rangiert Ssangyong (1,13 von 1.000) und VW mit 0,97 von 1.000).

Quelle: pte, mid/vie


 

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