Herzlich Willkommen!
Bitte lesen Sie » diesen Hinweis zur Webheimat-Gemeinde!
 
 
Schriftgröße:
12345
 
 

Traktionshilfen im Test: Schneeketten vs textile Anfahrhilfen und Reifenspray

Schneeketten an der Spitze, textile Anfahrhilfen wurden verbessert, Reifenspray genügt den Anforderungen nicht


16.11.2011

Wenn man bei winterlichen Verhältnissen im Alpenraum unterwegs ist, kann es immer wieder zu Situationen kommen, in denen Winterreifen allein nicht ausreichen, um ein Fahrzeug sicher zu bewegen. Der ÖAMTC hat daher verschiedene Traktionshilfen in den Kategorien Handhabung, Verschleiß und Grip auf Schnee bzw. Eis getestet. "So bunt wie heuer war die Vielfalt an Materialien und Substanzen noch nie. Getestet wurden acht klassische Schneeketten, drei textile Traktionshilfen und zwei Anfahrhilfen in Form von Reifensprays", fasst ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl zusammen.

Bestes Produkt im ÖAMTC-Test war die Pewag Servo, die sich knapp vor der Weissenfels Clack & Go Attiwa platzieren konnte. An der Spitze liegen damit zwei herkömmliche Schneeketten. "Interessant ist, dass die beiden Modelle auch in den Bereichen Montage und Demontage der RUD matic Hybrid und der Pewag Snox überlegen sind. Diese Produkte wurden ja konstruiert, um speziell in diesem Punkt zu überzeugen", zeigt sich der ÖAMTC-Experte überrascht. Auch die anderen Ketten-Modelle wurden mit "gut" bewertet, einzige Ausnahme war die Thule K-Summit, die nur ein "befriedigend" erreichte.

Mit der Michelin Easy Grip wurde erstmals eine textile Traktionshilfe mit "gut" bewertet. Sie ist damit das erste derartige Produkt, das es bei den Schneekettentests des ÖAMTC ins Spitzenfeld schafft. "In Bezug auf Haltbarkeit zeigten sich alle getesteten textilen Produkte im Vergleich zu den vergangenen ÖAMTC-Tests stark verbessert. Bei leistungsstarken Fahrzeugen mit Heckantrieb stoßen die textilen Traktionshilfen aber relativ rasch an ihre Grenzen", erklärt Kerbl.

Die getesteten Reifensprays von Bullock und Snow Grip sind keine Schneeketten-ähnlichen Zubehörteile im engeren Sinn, ihre Wirkung kann aber dennoch mit den gleichen Methoden überprüft werden. Der Snow Grip erzeugt zwar auf Eis und Schnee spürbare Traktion, aber nur für wenige hundert Meter. Danach ist das Produkt völlig von der Wirkfläche des Reifens verschwunden. "Das ist nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich. Fahrzeuglenker könnten dadurch verleitet werden, ein Auto in Betrieb zu nehmen, das nach kurzer Strecke nicht mehr sicher zu bewegen ist", kritisiert der ÖAMTC-Techniker. Erstaunlich gut am Reifen hält hingegen der Reifenspray von Bullock. Sogar auf trockener Fahrbahn blieb der klebrige Belag am Reifen haften. "Laut Hersteller darf der Spray aber nur auf Sommerreifen verwendet werden. Im Test zeigte sich, dass bei einer Anwendung auf Winterreifen die Lamellen völlig verkleben. Auch das kann unter Umständen gefährlich werden", so Kerbl.

ÖAMTC-Tipps zum Einsatz von Traktionshilfen

  • Schneeketten sind kein Ersatz für Winterreifen. "Schneeketten können sich nur mit Mühe am Sommerreifen 'verkrallen'. Das Gripniveau ist mit dieser Kombination sogar schlechter als bei Winterreifen ohne montierten Ketten", erklärt der ÖAMTC-Techniker. Sogar textile Traktionshilfen mit geschlossener Oberfläche erzielen auf Sommerreifen bessere Traktionswerte als Schneeketten. Eingesetzt werden sollten Schneeketten übrigens nur auf Schneefahrbahnen - auf Eis kann das Kurvenverhalten des Fahrzeugs durch unterschiedliche Bodenhaftungen problematisch werden.

  • Schneeketten müssen zu Saisonende gründlich mit klarem Wasser abgespült und in trockenem Zustand in der Verpackung gelagert werden. "Praktisch alle Schneeketten, die einmal auf salznasser Straße gefahren und ungesäubert in die Verpackung gelegt wurden, verrosteten nach einiger Zeit völlig. Eine Montage war teilweise nicht mehr möglich", so der ÖAMTC-Experte. Textile Anfahrhilfen können zwar nicht rosten, sollten aber dennoch gereinigt und getrocknet werden, um modrige Gerüche zu vermeiden.

  • Da Schneeketten erst unter schwierigen Witterungsverhältnissen zum Einsatz kommen, sollte man das Anlegen bereits vor Reiseantritt proben. "Das erscheint vielleicht überzogen, aber wenn die Kettenmontage im Ernstfall eine Premiere ist, können leicht Fehler passieren. Schäden an Kette und Fahrzeug können die Folge sein", warnt der ÖAMTC-Techniker abschließend.

Quelle: ÖAMTC