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Kia Picanto im Test

Seit April rollt der neue Kia Picanto auf Österreichs Straßen. Wir haben den Cityflitzer in Wien auf seine Alltagstauglichkeit getestet.

15.09.2017

Alle guten Dinge sind drei, haben sich wahrscheinlich auch die Konzerndesigner bei Kia gedacht und mit dem jüngsten Spross einen schicken Straßenknirps konzipiert. Ein bisschen weniger Überhang vorne, ein bisschen mehr hinten. Bei gleichen Abmessungen (ca. 3,60 m Länge) wie der Vorgänger passt der Picanto weiterhin in jede Parklücke, aber jetzt gibt es noch mehr Raumgefühl für innen!

Das neu gestaltete Frontdesign lässt den kleinen Kia durch den fließenden Übergang der Scheinwerfer in den Kühlergrill noch ein wenig aggressiver wirken. Unterstützt wird dies durch die scharf gezeichneten Kanten rund um die Nebelscheinwerfer und angedeutete Lippe unten. Auch bei der Heckansicht haben die Zeichner mehr Akzente gesetzt. Hier erkennt man das neue Modell an neu gestalteten Rücklichtern und der modifizierten Heckschürze. Insgesamt also ein durchaus dynamisches Designkonzept, das dem Koreaner verpasst wurde.

Verglichen mit unserem Test-Picanto aus der letzten Generation, kostet das neue Modell des 1,2 Liter Benziners mit 84 PS in der Gold-Ausstattung 800 Euro mehr an Grundpreis. Daher startet der Gold Picanto mit Schaltgetriebe bei einem Kaufpreis von 15.190 Euro. Verglichen mit anderen Herstellern in diesem Segment gehört er damit sicher nicht mehr zu den belächelten Low-Budget-Fahrzeugen. Aber Qualität hat nunmal ihren Preis. Dafür gibt es nur eine kleine überschaubare Optionsliste auf der lediglich die Lackierung "Celestial Blue" sowie das Technikpaket angekreuzt wurden. Somit steigt der Endpreis unseres Testfahrzeuges auf 16.890 Euro.

Kia packt in den topausgestatteten Stadtflitzer bereits serienmäßig eine Menge an Sicherheitsfeatures. Als Beispiel seien an dieser Stelle das autonome Notbremssystem, elektronische Stabilitätskontrolle, Berganfahrhilfe, Insassensicherheitspaket, Knieairbag und die geschwindigkeitsabhängige Türverriegelung genannt. Serienmäßig flitzt der Gassenfloh auf 15 Zoll-Rädern mit 185/55er Bereifung herum, besitzt getönte Scheiben ab der B-Säule, Chromakzente bei der Fensterlinie bzw. am Kühlergrill, LED-Tagfahrlicht bzw. Rückleuchten sowie Halogen-Projektionsscheinwerfer mit Bi-Funktion (für Fernlicht).

Wer vorwiegend in der Stadt unterwegs ist, möchte nicht auf Komfort verzichten. Ganz Kia-typisch fanden wir an dieser Stelle kaum etwas, was im kleinen Picanto nicht verbaut wurde jedoch ohne den Innenraum zu überladen. Obwohl man beim Picanto auf Softtouch-Oberflächen verzichtet hat, wirkt der verarbeitete Kunststoff, in unserem Fall in Grau, trotzdem wertig. Das Armaturenbrett hat neben neu gestalteten Ausströmern auch einen optischen Blickfang in Form einer Zierleiste bekommen, die das Gesamtbild auflockert.

Alle Bedienelemente, einschließlich die des aufgesetzten 7-Zoll Navitouchscreens sind gut erreichbar. Die Sprachsteuerung bleibt aber wie bei anderen Kia-Modellen daran gekoppelt, dass das Smartphone via Kabel verbunden ist. Das finden wir schade, zumal wir während der Testzeit die induktive Ladeschale - die zum Technikpaket gehört - als Handyablage genutzt haben und somit dank Bluetooth-Koppelung keine Kabel im Auto mitschleppen mussten. Nur um die Sprachsteuerung am Lenkrad bzw. Android-Auto oder Apple CarPlay nutzen zu können, kommt man um das Kabel nicht herum.

Neben dem Navi mit Rückfahrkamera, das die serienmäßigen Parksensoren ergänzt, gehört auch der schlüssellose Zutritt nebst Startknopf zum Technikpaket dazu. Das Package selbst ist sicher nicht zwingend nötig, wer aber auf Navi und Ladeschale nicht verzichten will oder ständig seinen Schlüssel sucht, sollte dies in Erwägung ziehen.

Die Sitze vorne wie hinten sind komfortabel und eignen sich selbst für längere Distanzen. Sitz- und Lenkradheizung machen Vorfreude auf den Winter. Man fühlt sich zu keiner Zeit in dem kompakten Innenraum beengt, und sogar die Mitreisenden im Fond haben, wenn man kleine Kompromisse eingeht, ausreichend Knie- und Beinfreiheit. Da dürften die 1,5 cm mehr Radstand Wirkung zeigen. Die Rückbank wurde zwar für drei Personen zugelassen, dies ist jedoch lediglich eine Notlösung.

Einige Ablagen, sowie eine kleine Armlehne, die sich nicht verschieben lässt und daher nicht für alle Fahrer gleichermaßen gut geeignet ist, lassen uns die Dinge des Alltags gut verstauen. A propos verstauen: In diesem Punkt hat die neue Generation deutlich zugelegt. Immerhin sind jetzt 55 Liter mehr als im Vorgänger verstaubar. Dank der 60:40 umklappbaren Rücklehne können bis zu 1.010 Liter Fassungsvermögen erreicht werden. Somit stellt ein Wochenendtrip für Zwei kein Problem für den Stadtflitzer dar.

Der 1,2 Liter-Benziner bleibt der stärkste für den Picanto verfügbare Motor. Der Vierzylinder leistet 84 PS / 61,8 kW, die man ihm ungeschaut abnimmt. Er agiert vor allem im unteren Drehzahlbereich unserer Ansicht nach agiler als vergleichbare Motoren der Mitbewerber. Aber auch ihm sind beim Bergauffahren oder bei Überholmanövern mit höheren Geschwindigkeiten einfach aufgrund der verfügbaren Pferde Grenzen gesetzt, was sich jedoch mit entsprechenden Gangwechseln rasch ausgleichen lässt. Für die Stadt steht für uns das spontane Ansprechverhalten im Vordergrund. In diesem Punkt zeigt sich der Picanto stark. Sein maximales Drehmoment von 122 Nm erreicht der Benziner bei 4.000 Umdrehungen. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert er in zwölf Sekunden. Wer mit dem Kia Picanto einen Trip nach Deutschland vorhat, kann sich auf eine Höchstgeschwindigkeit von 173 km/h freuen.

Diese Motorisierung ermöglicht die Wahl zwischen Automatik- oder Schaltgetriebe, wobei unser Testfahrzeug mit dem 5-Gang manuellen Getriebe ausgestattet wurde. Für den urbanen Raum passt die Übersetzung perfekt. Lediglich auf den Autobahnen waren wir bei der Neuauflage versucht zwei Mal einen sechsten Gang einzulegen, obwohl wir dieses Gefühl bei Autos dieser Stärke in letzter Zeit nie hatten und sogar erfreut waren, dass der Trend wieder zu gut abgestimmten fünf Gängen geht. Aber dem Kia Picanto würde wirklich aufgrund der Drehzahl bei Geschwindigkeiten um die 130 km/h ein sechster Gang ebenso gut stehen.

Lenkung und Fahrwerk wurden ganz auf den Stadteinsatz abgestimmt, wobei letzteres schon fast sportliche Züge an den Tag liegt. So macht der kleine Koreaner auch beim Kurvenfahren in flotterem Tempo Spaß. Dabei bleibt der Verbrauch in einem Bereich von etwa 5,8 bis 6,1 Liter laut Bordcomputer. Laut Hersteller sollten es zwar im Durchschnitt nur 4,5 Liter sein, wir waren dennoch zufrieden.

Der neue Kia Picanto macht in dieser Zusammenstellung rundherum Spaß - nicht nur in der Stadt, aber gerade dort. Er ist vielleicht nicht der Günstigste, aber er gehört sicher zu jenen, die trotz Kompaktheit eine Menge an Komfort, Sicherheit und vor allem Fahrspaß zu bieten haben.

Was uns gefällt:

Optik, Ausstattung, Raumaufteilung

Was uns nicht gefällt:

Sprachsteuerung nur per Kabel, 6. Gang auf Autobahn vermisst, Armlehne nicht verschiebbar


Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1-
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2
Kofferraum: 2
Ablagen: 1-
Übersichtlichkeit: 1

Tipp: Mehr Kia News und Tests sowie die Kia Händler in Österreich finden Sie hier.

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