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Geschwindigkeitsüberschreitung ein Kavaliersdelikt ?

Geldstrafen im europäischen Vergleich sehr niedrig

21.03.2008

Aktuelle quantitative und qualitative Befragungen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) zeigen, dass zwar jeder Zweite (49 %) Rasen als eher gefährlich einschätzt, dennoch sind Geschwindigkeitsübertretungen von 10-20 km/h sozial akzeptiert und werden als Kavaliersdelikt gesehen. "Viele Fahrzeuglenker betrachten Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht als gesetzliche Vorgabe, sondern als Richtgröße", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KfV. "Sie entscheiden selbst, welche Geschwindigkeit angemessen ist und gefährden so nicht nur sich, sondern auch andere Autofahrer, aber vor allem ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Fußgänger und Radfahrer." Nur 16 Prozent der Befragten ärgern sich sehr über Geschwindigkeitsüberschreitungen, während mehr als die Hälfte der Befragten (57 %) sich wenig oder gar nicht aufregen, wenn andere zu schnell unterwegs sind - sofern damit nicht Aggression und Rücksichtslosigkeit einhergehen.

"Sinnlose" Geschwindigkeitsbegrenzungen

Mehr als ein Drittel der Befragten gab zu, sich selbst gelegentlich beim Schnellfahren zu ertappen, weitere 28 Prozent fahren oft oder häufig zu schnell. Motive für zu schnelles Fahren, die von den Befragten genannt wurden, sind vor allem Eile und Zeitdruck, Spaß am Schnellfahren, Unachtsamkeit und das Austesten des Fahrzeugs. Als ausschlaggebend für das eigene Tempo wird aber die Einordnung in subjektiv "sinnvolle" und "sinnlose" Beschränkungen gesehen. Als sinnvoll bezeichneten die Befragten Geschwindigkeitsbegrenzungen bei Schulen, Kindergärten oder in Wohngebieten, im Ortsgebiet mit mehr Verkehr, auf gefährlichen oder unübersichtlichen Strecken, sowie witterungsbedingte Begrenzungen, z.B. bei Schnee oder Regen. Als sinnlos empfunden werden hingegen scheinbar willkürlich gesetzte 100 km/h-Beschränkungen auf der Autobahn oder 50 km/h auf Bundesstraßen, Begrenzungen auf Durchzugsstraßen in dünn besiedeltem Gebiet und an Stellen, an denen keine Gefahr ersichtlich ist, wie z.B. bei Schulen in der Ferienzeit.

Wo wird zu schnell gefahren?

Messungen des KfV im Jahr 2007 zeigen, dass besonders im Ortsgebiet, also dort, wo die "sinnvollen" Beschränkungen zu finden sind, die Geschwindigkeit deutlicher überschritten wird als am Freiland oder auf Autobahnen. Drei Viertel der beobachteten Lenker (73 %) überschritten 30 km/h-Beschränkungen, 50 km/h-Beschränkungen wurden von 56 Prozent nicht beachtet. Geschwindigkeitsbegrenzungen bis zu 80 km/h auf Freilandstraßen wurden von etwa 40 Prozent der beobachteten Fahrzeuglenker vernachlässigt. Höhere Beschränkungen werden deutlich seltener überschritten. Der Anteil der Temposünder auf Autobahnen mit 130 km/h-Beschränkung betrug 22 Prozent, auf Freilandstraßen mit 100 km/h-Begrenzung überschritten nur 17 Prozent die vorgegebenen Limits. "Bei Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h wird die Kontrollierbarkeit des Fahrzeugs deutlich überbewertet. Zur Überschätzung der eigenen Fähigkeiten hinzu kommt ein unrealistischer Optimismus, im Sinn eines ,Mir wird schon nichts passieren'-Denkens", sagt Thann. Für den Einzelnen ist das Risiko bei solchen "maßvollen" Überschreitungen vielleicht nicht erkennbar, allein im Jahr 2006 sind dadurch aber 219 tödliche Unfälle passiert.

Einstellung zu Kontrolle und Strafe

Im Jahr 2007 hat die Exekutive laut BMI rund 3,8 Millionen Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen. Davon wurden 800.000 Überschreitungen mittels Lasertechnik, 200.000 via Section Control und rund 2,8 Millionen durch stationäre Radarboxen gemessen. Auf die Radarboxen bezogen gaben praktisch alle befragten Autofahrer an, dass sie häufig beobachten, wie andere Verkehrsteilnehmer vor einer Radarbox abbremsen und dann wieder beschleunigen. Es zeigte sich auch, dass die Messtoleranz von Radarboxen meist überschätzt wird. Die Geschwindigkeitsmessung mittels Section Control bedeutet hingegen für manche der Befragten subjektiv gesehen totale Kontrolle, mehr Staus und Drängeln, sowie einen langsameren Verkehr. Dennoch wissen viele der Befragten, dass eine flächendeckende Kontrolle und Strafe zu weniger Rasern und Unfällen, sowie mehr Disziplin bei der Geschwindigkeit und zur Verkehrsberuhigung beitragen würde.

"Bei der Höhe der Geldstrafen für Geschwindigkeitsübertretungen liegt Österreich im europäischen Vergleich eher abgeschlagen auf den hinteren Rängen", bemängelt Thann. Im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie liegt derzeit ein Entwurf zur Erhöhung der Strafsätze.

Quelle: KfV



 

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