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BMW M2 Coupé im Test

BMW tritt mit dem M2 Coupé nicht nur die Nachfolge des 1er M an, sondern will die Motorsportgeschichte, die mit dem BMW 2002 turbo vor 40 Jahren begann, erfolgreich weiterschreiben.

14.10.2016

Uns gefiel der 2er schon grundsätzlich durch seine Linienführung. Den Ingenieuren gelang es aber mit dem M2, ein komplett eigenständiges Fahrzeug zu gestalten, das durch seine scharfen Linien und Kanten deutlich aggressiver wirkt. Von wegen dezentes Understatement. Wir haben den Eindruck, hier wollten die Designer mal wieder gehörig auf den Putz hauen.

Das Ding hat Kraft und ist böse. Somit soll es auch so ausschauen. Uns gefällt das! Besonders dieses Blau (Long Beach Blau Metallic)! Wir haben kein Problem damit, das Objekt der Begierde bei jedem Planquadrat zu sein. Wenn man sich zu benehmen weiß, dürfen doch alle an seiner Schönheit teilhaben. Er kann ja auch langsam und brav. Wollen? Nun, man kann eine Maschine nicht fragen, aber der BMW schnurrt im unteren Drehzahlbereich und zeigt seinen Unmut nicht mit nervösem Geruckel.

Doch um ein M2 Coupé tatsächlich zu besitzen, muss man schon ein wenig das Gesparte angreifen. Mit 65.450 Euro ist man grundsätzlich dabei. Will man aber noch dies und das, steigt der Preis wie bei unserem Testfahrzeug dann schnell einmal auf 76.625 Euro. Wobei aber der Finanzminister bei satten 22% NoVA gern sein Scheibchen mitschneidet.

Als Special der Sonderausstattung hat unser M2 zunächst einmal das Business-Paket Plus mit an Bord. Dies beinhaltet unter anderem das Navigationssystem Professional, Connected Drive Services sowie Komforttelefonie mit erweiterter Smartphoneanbindung. Sehen und gesehen werden, dies unterstützt das ebenfalls optionale Sicht-Paket. Nachdem man mit einem BMW M2 Coupé eher die Autos hinter sich lässt, erhöht ein automatisch abblendender Innen- und Außenspiegel (zusätzliche Sonderausstattung) den Fahrkomfort bei Dunkelheit. Ein adaptives Kurvenlicht zusätzlich zum Fernlichtassistent leuchtet die Straße perfekt aus, sodass bei Nacht kurvige Gefilde ebenfalls für Fahrspaß sorgen.

Unser Testfahrzeug wurde noch mit weiteren Extras ausgestattet, die vielleicht kein Must-Have sind, die wir aber bei diesem Test nicht missen wollen. Da wäre zunächst das M Doppelkupplungs- getriebe zu nennen, zu dem wir später noch Genaueres sagen wollen. Das Harman Kardon Soundsystem versorgt uns, falls wir uns am genialen Motorensound sattgehört haben, mit echt sattem Klang und Musik nach unserem Geschmack egal ob via Stick, MP3 oder sonstiger Audioquelle. Geld sparen soll die Speed Limit-Info helfen, welche die erlaubte Höchstgeschwindigkeit im Display einblendet, falls man Gefahr läuft, dem übergroßem Fahrspaß freien Lauf zu lassen - und das kann beim M2 durchaus vorkommen.

Praktisch vor neidischen Blicken geschützt erfreut man sich einer Sonnenschutzverglasung, die beim BMW M2 Coupé ebenfalls zur Optionsliste gehört. Trotz des stattlichen Preises öffnet man das Coupé klassisch per Fernbedienung am Schlüssel, obwohl man das Monster unter der Haube per Startknopf zum Leben erweckt. Wir finden, ein Keyless System hätte ruhig auch noch zur Serienausstattung gehören dürfen, wobei der Diebstahlschutz dann andererseits bestimmt weniger gut wäre.

Das Interieur zeigt sich typisch bayrisch. Die Lederausstattung der Sitze ist in Dakota Schwarz gehalten und besitzt eine Kontraststeppung in Blau/Schwarz. Die Sitze sind zum sportlichen Fahren sehr gut konturiert. Das Dreispeichenlenkrad wirkt modern und beinhaltet Tasten für den Tempomaten und die Lautstärkeregelung der Audioanlage. Selbst das Handy, sofern verbunden, kann man vom Volant aus bedienen, auf Wunsch sogar sprachgesteuert.

Überhaupt fühlt man sich gleich wohl, und die Carbon Optik Applikationen werten den Innenraum sportlich auf. Ablagen sind im 2er BMW genügend vorhanden. Wer sich für ein Coupé entscheidet, nimmt den mangelnden Platz im Fond gern in Kauf. Trotzdem verfügen die hinteren Plätze über eine ausklappbare Mittelarmlehne. Der Platz für die Beine bleibt bauartbedingt eingeschränkt, aber wer gerne in einem M2 mitfahren möchte, nimmt auch diese Auflage gern in Kauf. Sein Kofferraum umfasst 390 Liter und ist grundsätzlich gut zugänglich. Er erscheint ausreichend tief, sodass selbst größere Dinge hineinpassen.

Fahrdynamisch zeigt uns der Bayer, wie es geht. Der Dreiliter-Sechszylinder mit Doppelturbo- aufladung dreht in allen Drehzahllagen munter hoch und steht mit 460 Nm ab 1.500 Umdrehungen auch sehr gut im Futter. Im Komfort-Modus noch zurückhaltend, wird der M2 im Sportmodus und im Sport+ Modus zur echten Kampfsau. Sind die Auspuffklappen geöffnet rotzt und sprotzt der Auspuff wie ein echter Rennwagen. Man merkt: "Ich will jetzt endlich von der Leine gelassen werden!" Das ist sicher mit ein Grund, warum der M2-Fahrer eigentlich immer mit offenen Seitenscheiben fährt: Eben um den schönen Auspuffklängen zu lauschen! Kraftpotential besitzt das Coupé mehr als genug. Immerhin leistet das Aggregat 370 PS bei 6.500 Touren.

Doch Obacht, im Sport+ Modus wird die Stabilitätskontrolle ausgeschaltet. Tritt man beherzt vom Stand weg ins Gas, zeichnen die Reifen schwarze Striche in den Asphalt. Beide Reifen, was bedeutet dass das Sperrdifferenzial perfekt arbeitet. Der BMW wurde sogar mit einer Launch-Control ausgestattet, durch die die Beschleunigungswerte nochmals verbessert werden können. So liegen die Werte von 0 auf 100 km/h bei 4,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 250 km/h.

Gegen die brachiale Motorkraft haben die Michelin Pilot Sport Pneus keine Chance, obwohl hinten eine Breite von 265 mm montiert ist. Im normalen Sportmodus arbeitet das DSC System ordentlich. Das gelbe Lamperl zwinselt bei entsprechender Gangart unaufhörlich, besonders in den unteren Gängen und vom Stand weg. Der Comfort-Modus sorgt, wie der Name schon sagt, für komfortableres Vorankommen und stimmt den M2 nicht so aggressiv ab. Das 7-Gang M Doppelkupplungsgetriebe mit Drivelogic passt sehr gut zum potenten Motor und verleiht dem Bayern noch bessere Performance-Werte als das manuelle Getriebe. Es kann entweder automatisiert oder mittels Paddels geschalten werden.

Was gut fährt, will natürlich auch gut gebremst werden. Im M2 haben die Münchner Ingenieure eine Vier-Kolben-Anlage vorne mit 380 mm Durchmesser und eine Zwei-Kolben-Anlage hinten (370 mm) verbaut. Außerdem unterstützen eine Vielzahl an Assistenten wie Kurvenbremshilfe, Trockenbremsfunktion oder Fading-Ausgleich.

Trotz der gebotenen Motorleistung zeigt der Bordcomputer einen Durchschnitts- verbrauch von etwas über 10 Litern Benzin auf 100 km an, - ein echt guter Wert! Bei ziviler Fahrweise wird man den BMW dann eher in Richtung Werksangaben von 7,9 Liter im Durchschnitt bewegen. EfficientDynamics-Maßnahmen wären genug verbaut, wenn da nicht der Fahrspaß wäre, der das Zecherl gern zucken lässt.

Unser Fazit: Der BMW M2 sieht aus wie ein Racer und fährt sich entsprechend. Bei Performance und gebotener Leistung lässt sich nichts meckern. Einzig ein schlüsselloser Zutritt und elektrisch verstellbare Sitze sind fehlende Kleinigkeiten, die uns auffallen, aber zu diesem Preis eigentlich dabei sein sollten.

Was uns gefällt:

Motorleistung und Gesamtperformance, Motorsound

Was uns nicht gefällt:

Kleinigkeiten wie Fernbedienung statt Keyless Entry, keine elektrischen Sitzverstellmöglichkeiten

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1-
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 3
Kofferraum: 1-
Ablagen: 1-
Übersichtlichkeit: 2

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