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Schwerer Beruf Bürgermeister : Keine Kandidaten

Hoher Aufwand und fehlende soziale Absicherung als Hauptgründe

25.07.2006

"Den österreichischen Gemeinden fällt es zunehmend schwer, geeignete Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters zu gewinnen", erklärte Gemeindebund-Präsident Bgm. Helmut Mödlhammer. "Der hohezeitliche Aufwand, die schlechte soziale Absicherung und ständig steigende Aufgaben für die Gemeinden sind die Hauptmotive, die viele Menschen dieses Amt nicht mehr anstreben lassen", so Mödlhammer.

Der Österreichische Gemeindebund hat im Frühjahr den prominenten Arbeits- und Sozialrechtler Univ. Prof. Dr. Wolfgang Mazal mit der Erstellung der Studie "Diesoziale Situation von Österreichs Bürgermeistern" beauftragt. Quantitative Basis der Studie war die Befragung von mehr als 900 heimischen Bürgermeister/innen, die in einem sieben Seiten langen Fragebogen ihre soziale Situation offen legten.

"Immer häufiger finden Bürgermeister keine geeigneten Nachfolger, noch öfter gibt es bei Gemeindewahlen überhaupt nur noch einen Kandidaten", berichtet Mödlhammer. Im Bundesland Salzburg hätten bei der letzten Wahl beispielsweise 20 % der Bürgermeister-Kandidaten gar keinen Konkurrenten bei der Wahl gehabt.

Die Ursachen dafür sind vielfältig

"Im Schnitt wendet ein Bürgermeister rund 32 Wochenstunden für sein Amt auf", so der Gemeindebund-Präsident. "Das ist aber nur das Bürgermeisteramt, 85 % der Bürgermeister üben daneben einen vollen 40-Stunden-Job aus und kommen somit auf eine Wochenarbeitszeit von 70 Stunden und mehr."

Ein weiterer Grund für die geringe Begeisterung dieses Amt anzustreben, liegt in der mangelnden sozialrechtlichen Absicherung der Gemeinde-Chefs. "Aus der Bürgermeister-Tätigkeit allein gibt es keinen Pensionsanspruch, keineArbeitslosenversicherung, kein Minimalmaß an sozialen Rechten, wie sie ansonsten jeder Arbeitnehmer genießt" , kritisiert Mödlhammer. Dies sei für viele ein gewaltiges Hemmnis, vor allem deshalb, weil die meisten Kandidaten ja auch eine Familie zu ernähren hätten.

Die ständig steigenden Aufgaben einer Gemeinde belasten zudem hauptsächlich die Gemeinde-Oberhäupter. "Der Bürgermeister ist vom obersten Repräsentanten seiner Gemeinde zum Manager, Beichtvater, Psychologen, Behördenleiter und "Mädchen für Alles" geworden", so Mödlhammer. "Das Anforderungsprofil hat sich in den letzten 20 Jahren massiv verändert, die sozialen Rahmenbedingungen haben sich aber nicht mitverändert."

Immer mehr Gemeinde-Chefs klagen über brutalen psychischen Stress, der aus diesen Belastungen resultiert. "Das führt auch dazu, dass wir aus Mangel an Bewerbern extrem vieleMethusalems unter den Bürgermeistern haben, die seit vielen Jahren dieses Amt ausüben, selbst aber zum Teil schon weit über 70 Jahre alt sind", so Mödlhammer.

Mödlhammer und Studienautor Mazal fordern daher auf Basis der Studienergebnisse eine neueFestschreibung der Aufgaben der Kommunalpolitik. "Man muss darüber nachdenken, welche Aufgaben die Gemeinden in Zukunft tatsächlich übernehmen sollen und wer die Erfüllung dieser Aufgaben dann zu verantworten hat", so der Gemeindebund-Präsident. "Wenn man sich dafür entscheidet, dass dies der Bürgermeister sein soll, dann muss man auch die dafür notwendigen sozialen Rahmenbedingungen schaffen."

Mödlhammer will nun, dass Experten - wie eben Prof. Mazal - aus dem Österreich-Konvent das neue Anforderungsprofil für Bürgermeister erstellen und danach geeignete Vorschläge zur Beseitigung der bestehenden Nachteile machen. "Ergebnis könnte ein verbessertes Anreizsystem für heimische Kommunalpolitiker sein", so Mödlhammer. Diesen Nachdenk- und Diskussionsprozess will Mödlhammer aus sämtlichen Wahlkämpfen heraushalten, ein guter Zeitraum, so der Präsident, wäre, "dass wir innerhalb des nächsten Jahres konkreteVorschläge auf dem Tisch liegen haben."

Das unerfreuliche Alternativ-Szenario wäre, "dass wir in Zukunftnur noch Bürgermeister haben werden, die sich ihr Amt beruflich und finanziell leisten können, weil sie selbstständig oder vermögend sind", so Mödlhammer abschließend.

Quelle: Österreichischer Gemeindebund

 

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