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Sozialpartner-Aktionsplan für ältere Arbeitnehmer

Neue Altersteilzeit-Modelle, die Neuauflage des Kombilohns sowie Gesundheitsprävention und Anreize zur Weiterbildung sollen Ältere länger im Erwerbsprozess halten

23.04.2008

Die Sozialpartner sehen in der Mobilisierung des großen Arbeitskräftepotenzials der Älteren eine wichtige Herausforderung für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Österreich. Heute, Mittwoch, stellten die Präsidenten Christoph Leitl, (WKÖ), Rudolf Hundstorfer (ÖGB), Veit Sorger (IV) und Herbert Tumpel (AK) im Presseclub Concordia einen gemeinsamen Aktionsplan für ältere Beschäftigte vor. Damit soll vor allem der geringen Beschäftigtenquote bei den 55 bis 64-jährigen ÖsterreicherInnen von 35,5 % (EU-Durchschnitt: 43,5 %) entgegengewirkt werden. "Wir leben in einer Zeitwende: erstmals haben wir mehr Über- als Unter-40-Jährige, die Zahl der jüngeren Arbeitskräfte ist rückläufig, der Fachkräftemangel nimmt zu. Die Wirtschaft braucht daher zunehmend qualifizierte ältere Arbeitnehmer, um wettbewerbsfähig zu bleiben und um die Systeme sozialer Sicherheit finanzierbar zu halten", bringt Christoph Leitl die aktuelle Situation und die Notwendigkeit eines Aktionsplans der Sozialpartner für das Arbeitsprogramm der Bundesregierung auf den Punkt.

Kernstück des Sozialpartner-Pakets ist ein flexiblerer Zugang zur Altersteilzeit, die einen - durch Reduzierung der Arbeitszeit - gleitenden Übergang in die Frühpension bedeutet. "Das Ziel lautet: als Beschäftigte in Pension gehen und nicht als Arbeitslose", fasste Rudolf Hundstorfer das Wesentliche der Altersteilzeit Neu zusammen. Reformbedarf war entstanden, weil wegen der derzeitigen Gesetzeslage das Antrittsalter Jahr für Jahr steigt. "Die Altersteilzeit würde mit 2013 de facto auslaufen", so Hundstorfer. Die Sozialpartner haben sich nun auf zwei neue Modelle geeinigt.

Beim ersten Modell treten Männer die Altersteilzeit mit 58 Jahren an, die Dauer soll bei vier Jahren liegen. Für Frauen gilt sinngemäß die gleiche Regelung, das frühere Pensionsantrittsalter wird aber berücksichtigt. "Die Möglichkeit, diese Zeit in einen Vollzeit- und einen Freizeitblock zu teilen, in dem gar nicht mehr gearbeitet wird, bleibt aufrecht", sagt Hundstorfer. Um die Altersteilzeit auch für Kleinbetriebe attraktiv zu machen, entfällt für Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten künftig die Verpflichtung, eine Ersatzkraft einzustellen.

Die wesentliche Innovation bedeutet aber das zweite Modell: Mit 57 in Altersteilzeit gehen und dafür den Pensionsantritt um ein Jahr nach hinten verschieben. Hundstorfer: "Dadurch bleiben die Beschäftigten länger im Erwerbsleben, und die Pensionsversicherung spart sich Geld." Beim ersten Modell sollen den Arbeitgebern 60-80 %, beim zweiten 80-100 % der Kosten für Altersteilzeit refundiert werden.

Als weitere Maßnahme wollen die Sozialpartner gezielte Beschäftigungsanreize für Arbeitskräfte über 45 Jahre mit einer Neuauflage des Kombi-Lohnmodells setzten. Insbesondere soll die Rückkehr von Langzeitarbeitslosen und Frauen nach der Karenz gefördert sowie eine Möglichkeit für den Einstieg von Behinderten ins Arbeitsleben geschaffen werden. Die Förderhöhe soll die Differenz zwischen Nettoeinkommen inklusive anteiliger Sonderzahlungen und dem Richtwert, der den Arbeitslosenbezug plus 40 Prozent beträgt, sein. Bei Teilzeit soll die Förderhöhe entsprechend niedriger sein. Als monatliche Einkommenshöchstgrenze gilt 1.700 Euro brutto, als Minimum 650 Euro.

Und den dritten Maßnahmen-Schwerpunkt, um Ältere länger in Beschäftigung zu halten, bildet der Ausbau der Gesundheitsvorsorge im Betrieb sowie die Weiterbildung älterer Arbeitnehmer. "Wenn wir wollen, dass Menschen länger arbeiten, müssen wir darauf schauen, dass sie auch gesund bleiben", stellte Herbert Tumpel zum umfassenden Präventionsansatz zur Verhütung von Krankheiten klar. Der Sozialpartner-Vorschlag für ein neues Präventionsgesetz gehe über die Bekämpfung und Vermeidung von Berufskrankheiten hinaus. Gesundheits-Prävention müsse bereits früher einsetzen. Belastungen, die letztlich in einer Krankheit enden können, sollten systematisch erfasst werden und geeignete Gegenmaßnahmen entwickelt werden. Das Gegensteuern soll eine ganz konkrete Aufgabe der Sozialversicherungsträger werden - das schlagen die Sozialpartner als neuen Zugang vor. "Ergänzend dazu soll die betriebliche Gesundheitsförderung verstärkt werden. Nicht nur die großen Betriebe und ihre ArbeitnehmerInnen, sondern vor allem auch kleinere Unternehmen sollen davon profitieren", so Tumpel. Die Beratung und Betreuung soll durch die Krankenversicherungsträger erfolgen. Leitl betonte abschließend, dass die angestrebte Gesundheitsvorsorge auch als flankierende Maßnahme gedacht sei, um den in Österreich besonders starken Andrang auf die Invaliditätspension zu bremsen. Und die Weiterbildung sei essentiell, "da die Menschen durch Qualifikation und lebensbegleitendes Lernen auf der Höhe der Zeit bleiben müssen, in jungen, wie in fortgeschritteneren Jahren."

Quelle: ots

 

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