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Holzheizung stellt Risiko für die Gesundheit dar

Feinstaub-Belastung fordert mehr Todesopfer

15.12.2006

Führende österreichische Experten des Instituts für Industrielle Ökologie (Indoek) und des Instituts für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien haben auf Initiative der Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt (ÄGU) die Schadstoffbelastung durch Hausbrand im Inntal untersucht und Szenarien für die Emissionsentwicklung bis 2015 berechnet. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Pressekonferenz in Innsbruck vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass der höchste Anstieg der Feinstaubbelastung auftritt, wenn es zu einer Zunahme von Holzheizungen kommt. Finanzielle Förderungen für Holzfeuerungen in Einfamilienhäusern seitens des Landes sind aus umweltmedizinischer Sicht deshalb kontraproduktiv.

"Feinstaub" verursacht zwei Drittel der Gesundheitsschäden durch Luftschadstoffe in Tirol. Höchste Priorität hat eine Reduktion der Zahl der krebserregenden Dieselpartikel und das kann nur durch Filternachrüstung oder Einschränkung der Fahrten geschehen. EURO 5 beim LKW bringt nur eine Verkleinerung der Partikel und damit eine Abnahme von Feinstaub (PM 10), aber keine Verbesserung der Partikelzahl. An zweiter Stelle könnte aber bald der Hausbrand liegen: Eine höhere Feinstaubbelastung des Inntals durch abertausende Einzelholzheizungen würde zu beträchtlichen Zunahmen von Krankheiten und vorzeitigen Sterbefällen führen", warnt Dr. Heinz Fuchsig, Umweltreferent der Tiroler Ärztekammer. Derzeit heizt jeder zweite Haushalt mit Öl, doch das könnte sich den "Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt" (ÄGU) zufolge bald ändern. Sie befürchten einen Anstieg der Holzheizungen, da das Land Tirol den Ausbau von Biomasseheizungen fördert - um aus Klimaschutzgründen die Kohlendioxidemissionen (CO2) zu verringern und um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Derzeit machen Holz- bzw. Biomasseheizungen etwa ein Viertel aller Heizungsanlagen im Sektor "Kleinverbraucher" aus.

Zur Abschätzung der Auswirkungen einer Zunahme der Holzheizungen im Inntal auf die Gesundheit der Bevölkerung initiierte die ÄGU eine Studie, die den Ersatz der Ölheizungen in vier unterschiedlichen Szenarien abgeschätzt und die Emissionsveränderungen von Feinstaub (PM10), CO2, und Stickoxiden (NOx) für das Jahr 2015 berechnet. Basis der Untersuchungen bilden die ermittelten Emissionswerte des Jahres 2003 sowie Statistiken über Krankenhausaufnahmen und Todesursachen.

Vier Szenarien - Nur bei Gas nehmen alle Emissionswerte ab

Die Szenarien gehen jeweils von einem Austausch des Brennstoffs Öl in unterschiedlichem Umfang aus. Im Szenario "Holz" wird die Hälfte der ölbeheizten Anlagen durch Anlagen mit Brennholz ersetzt, im Szenario "Holz+" sind es sämtliche Ölheizungen. Bei "Gas" wird die Hälfte aller Ölheizungen durch Gas ersetzt und bei "Mix+" weichen sämtliche ölbeheizten Anlagen den Brennstoffen Erdgas und Holz.

Während "Holz" und "Mix+" ähnliche Emissionstrends aufweisen - CO2 geht gegenüber 2003 um 40 % bzw. 50 % zurück, NOx steigt um 14-18 % und Feinstaub gar um bis zu 45 % - sind diese Trends im Szenario "Holz+" noch verstärkt: Die CO2-Emissionen sinken zwar um 76 %, doch NOx (+ 34 %) und Feinstaub (+ 88 %) nehmen sehr deutlich gegenüber den Werten von 2003 zu. "Während bei 'Holz' und 'Mix', die ähnliche Trends aufweisen, CO2 zurückgeht, Stickstoff aber um fünf Prozent und Feinstaub um 16 Prozent steigen, nehmen beim Szenario 'Gas' hingegen alle Emissionen ab. Kohlendioxid geht um elf Prozent zurück", so Dozent Dr. Andreas Windsperger vom Institut für Industrielle Ökologie.

Gegensätzliche Emissionstrends

Österreich hat sich im Rahmen des "burden sharing agreements" der EU verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis zum Zeitraum 2008/2012 um 13 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zu reduzieren. Betroffen ist dabei der Ausstoß von CO2, Methan, Lachgas und F-Gasen. Die Förderung der Biomasseheizungen in Tirol erfolgt zwar im Sinne der CO2-Reduktion, doch die Luftschadstoffe weisen gegensätzliche Emissionstrends auf. Eine stärkere Abnahme der CO2-Konzentration aus Heizungen geht mit einer gefährlich steigenden Feinstaubbelastung einher. "Der Anteil von Hausbrand an den Feinstaubemissionen beträgt jetzt schon etwa 16 Prozent", sagt Univ. Prof. Dr. Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien.

"Holz+": Mehr als 50 zusätzliche Sterbefälle jährlich

Ausgehend von einer Population von 360.000, fällt die Prognose für die Gemeinden des Inntals im Fall eines kompletten Tausches der Öl- in Holzheizungen am düstersten aus. "Insgesamt muss etwa ab dem Jahr 2015 im Szenario 'Holz' mit etwa 30 zusätzlichen Sterbefällen jährlich und einer noch größeren Anzahl spitalsbedürftiger Erkrankungen gerechnet werden und im Szenario 'Holz+' mit fast doppelt so vielen Fällen", sagt Neuberger. Vor allem betroffen sind dabei das Herz und die Atmungsorgane. "Gesundheitsrisiken durch den Schadstoffausstoß von Holzheizungen werden meist unterschätzt", so Dr. Peter Wallner von Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt (ÄGU). Auch wenn die Auswirkungen noch nicht so ausführlich erforscht sind wie etwa die von Tabakrauch, so sei die Gesundheitsschädlichkeit von Holzrauch wissenschaftlich unbestritten.

Hausbrand: Bessere Wärmedichtung nötig

"Die umweltmedizinische Folgerung daraus ist, dass die zur Verhinderung langfristiger negativer Klimafolgen unerlässliche CO2-Reduktion durch andere Maßnahmen erzielt werden sollte. Eine Förderung der Holzheizung erscheint beim derzeitigen Stand der Technik für Einzelfeuerungen kontraproduktiv", so Wallner. Sinnvoller sei es in erster Linie den Energieverbrauch zu senken - etwa durch umfassende thermische Gebäudesanierung - und gleichzeitig die Energieeffizienz in allen Sektoren zu steigern. Die Wohnbauförderung wäre in dieser Hinsicht zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Generell sollten Umstellungen, die zu keiner Reduzierung von Feinstaub und NO2 führen, nicht gefördert werden. Für Ballungsräume empfehlen die ÄGU Blockheizwerke mit entsprechenden Feuerungs- und Abgasreinigungsanlagen oder zentrale Biomasse-Fernheizwerke.

Quelle: Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt

 

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