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Leichter Zugang : Ausreden bei Gegensprechanlagen

So leicht kann man sich Zugang zu Mehrfamilienhäusern verschaffen

02.12.2005

Weihnachten nähert sich mit Riesenschritten und damit auch das Bombardement mit Prospektmaterial oder das Zustellen von Geschenken. Aber nicht jeder, der in Mehrfamilienhäusern mit diesem Anliegen bei der Tür anläutet, hat friedliche Absichten. Leichtgläubigkeit und wenig Interesse an der gemeinsamen Sicherheit öffnen auch so manchem Langfinger problemlos die Tür. Vor kurzem wurde vom Institut für technische Sicherheit (ITS) an insgesamt rund 5.000 Objekten erhoben, wie leicht man sich in den einzelnen Bundesländern Zutritt zu Mehrfamilienhäusern verschaffen kann.

Im Österreich-Durchschnitt waren 62 Prozent aller Versuche, durch die Hauseingangstüre in das Stiegenhaus zu gelangen, erfolgreich. Bei rund einem Drittel der Häuser stand die Tür sperrangelweit offen und die Tester des ITS konnten ohne Probleme hinein spazieren. Weitere 22 Prozent der Eingangsbereiche waren zwar geschlossen, aber unversperrt. Falsch verstandene Höflichkeit von Bewohnern, die gerade das Haus verlassen oder betreten wollten, war eine weitere Möglichkeit, sich unkompliziert Zutritt zu verschaffen: Bei jedem achten Haus wurde dem Unbekannten einfach die Tür aufgehalten. Besonders vertrauensvoll scheinen die Steirer zu sein: Jedes zweite der 630 getesteten Häuser stand offen und konnte ohne besondere Hürden betreten werden. Im Burgenland war eine unverschlossene Eingangstür zu 48 Prozent der Grund, ins Stiegenhaus zu gelangen, in Oberösterreich zu 47 Prozent. Am sicherheitsbewusstesten sind die Vorarlberger: Nur jedes 14. Haus (7%) empfing potenzielle Einbrecher mit einer offenen Tür. Die größte Chance, eine unverschlossene Haustür anzufinden, haben Diebe übrigens in den Morgenstunden.

Frechheit siegt - das denken sich auch viele Langfinger und versuchen mit banalen Ausreden an der Gegensprechanlage in ein verschlossenes Mehrfamilienhaus zu gelangen. Die erhobenen Häuser waren zu 94 Prozent mit Gegensprechanlagen ausgerüstet, bei mehr als einem Viertel dieser Häuser genügte aber ein einfacher Trick, um verschlossene Türen zu öffnen. Am erfolgreichsten war mit 90 Prozent die Ausrede, dass für einen anderen Bewohner ein Paket zugestellt werden muss. Von Blumenlieferungen ließen sich 87 Prozent erweichen und mit dem Begehr, Werbematerial verteilen zu wollen, konnten rund 82 Prozent der Testpersonen überrumpelt werden. Offen für Ausreden waren vor allem die Tiroler: Sie öffneten bei 96 Prozent der Versuche, durch einen Trick an der Gegensprechanlage ins Stiegenhaus zu gelangen, den Unbekannten die Tür, gefolgt von den Oberösterreichern, die in 90 Prozent der Fälle öffneten.

Man braucht nicht immer ausgeklügelte Alarmanlagen und Sicherheitssysteme zu installieren, um Dieben und Einbrechern einen Riegel vorzuschieben. Einfache vorbeugende Maßnahmen und gesundes Misstrauen können einiges verhindern. Über zwei Drittel der Einbrecher sind so genannte Spontantäter, für die eine offene Haustür geradezu eine Einladung zur Straftat ist. Die Tür auch tagsüber zu schließen und sogar zuzusperren und nicht nur zuzuziehen, ist ein effektives Gegenmittel. Wenn jemand klingelt, kann das auch eine Anwesenheitskontrolle sein. Daher niemals öffnen ohne nachzufragen, wer ins Haus will. Auch Informationen über Nachbarn, vor allem über ihre An- und Abwesenheitszeiten, sollten niemals an fremde Personen weitergegeben werden.

Was Einbrechern gerade in Wohnobjekten mit vielen Parteien hilft, ist die zunehmende Anonymität und das mangelnde Interesse an der gemeinsamen Sicherheit unter den Heimbewohnern. Auch wenn der Kontakt nur lose ist, sollte man zumindest seine direkten Nachbarn kennen, um hausfremde Personen leichter identifizieren zu können. Und auch Fremde im Stiegenhaus können freundlich danach gefragt werden, wen sie suchen.

Quelle: ITS

 

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