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Weihnachtsbräuche im SalzburgerLand

Schnabelperchten, Tresterer und Anglöckler ziehen durch's Land


01.12.2014

Sie tragen geheimnisvolle Masken und wenn sie in kalten Winternächten durch die Gassen ziehen, verbreiten sie Gruseln und fasziniertes Staunen. Die Rede ist von den schaurigen Gesellen, die auf klingende Namen wie Schnabelperchten, Tresterer oder Anglöckler hören und denen man in der Weihnachtszeit in allen Salzburger Regionen begegnen kann. Ihre Prozessionen und Umzüge sind faszinierend anzusehen und oft verbirgt sich bei näherer Betrachtung ein profaner Kern hinter den uralten Bräuchen.

Ein uralter Salzburger Brauch ist das sogenannte Anglöckeln. An drei Donnerstagen vor Weihnachten - den sogenannten Klöpfelnächten - ziehen die Anglöckler oder Klöckler von Haus zu Haus. Sie sind in traditionelle Kleidung gewandet und tragen Stöcke und Laternen mit sich. Wer ihnen die Tür öffnet, wird mit Gesang und Gedichten belohnt. So archaisch der Brauch anmutet, hat er auch einen handfesten ökonomischen Hintergrund: Das Bitten um Gaben war seit dem Mittelalter Vorrecht jener, die sich im Winter keinen Lebensunterhalt verdienen konnten. Sie durften durch die ideelle Leistung für die Gesellschaft ihr Brot verdienen und galten als Stellvertreter der armen Seelen.

Wie die Christkindlmärkte sind auch Perchten und Krampus aus der Salzburger Weihnachtszeit nicht wegzudenken. Die schiachen Gesellen kommen mit Glocken und Geschrei ganz und gar nicht friedlich daher und passen auf den ersten Blick nicht in die "stille Weihnachtszeit" - dafür sind sie umso spannender anzusehen. Die kulturellen Wurzeln der Perchten liegen im Unklaren - die Spurensuche führt aber über mittelalterliche Prozessionen und Teufelsdarstellungen bis hin zu vorchristlichen, archaischen Ritualen. Begegnen kann man Krampus und Percht bei den vielen Umzügen und Perchtenläufen, die meist um das Fest des heiligen Nikolaus am 5. oder 6. Dezember stattfinden. Wer die besonders faszinierenden Schnabelperchten aus Rauris oder den Brotperchten aus Unken erleben will muss sich bis zum 5. Jänner gedulden.

Eine Ausnahme unter den grusligen Gestalten bilden dagegen die sogenannten Schönperchten. Die grazilen Gestalten sind von italienischen Bräuchen beeinflusst und vor allem in den Regionen Pongau und im Pinzgau zuhause: Tresterer-Gruppen gibt es zum Beispiel in Stuhlfelden, Zell am See und Unken. Die rund 30 männlichen Mitglieder bereiten sich über Wochen auf ihren großen Auftritt vor, lassen ihre Kostüme nähen und üben die tausend Jahre alten Tänze und Sprünge, die das unverkennbare Trestern - "Stampfen" - ausmachen. Dabei schwingen sie ihre mit Fruchtbarkeitssymbolen bestickten Tücher, deren Wirkung nicht unterschätzt werden sollte.

Einige Termine:
05.12.2014   Krampuslauf in der Salzburger Altstadt - Getreidegasse, Festspielhäuser
04.12.2014   Krampusrummel in Zell am See-Thumersbach
05.12.2014   Krampuslauf in St. Johann/Untermarkt im Pongau
05.12.2014   Krampuslauf in Zell am See
05.-06.12.2014   Krampusläufe in Gasteinertal
07.12.2014   Perchtenlauf des Schober Perchten Passes in Thalgau
04.01.2015   Traditioneller Pongauer Perchtenlauf in Altenmarkt
05.01.2015   Schnabelperchten ziehen durch Rauris
06.01.2015   Trestertanz am Stadtplatz Zell am See

Weitere Bräuche rund um das Weihnachtsfest:

Zwölf Raunächte kennt man im SalzburgerLand: Sie beginnen mit dem Tag zwischen Thomas (21. Dezember) und enden zu Dreikönig (6. Jänner). Viele pflegen bis heute diesen Brauch: Mit der Rauchpfanne zieht man durchs Haus und durch die Stallungen und über den Hof: Oftmals wird das "Räuchern" dadurch ergänzt, dass man Weihwasser sprengt oder den Rosenkranz betet.

Neben dem Christbaum ist auch die Weihnachtskrippe ein typisches Symbol des Weihnachtsfestes. Im SalzburgerLand erinnern die kleinen Herbergen eher an kleine Almhütten, die oft von begeisterten Bastlern in liebevoller Kleinarbeit erstellt werden. Viele sind echte Kunstwerke, die in der Adventszeit in den Kirchen besichtigt werden können.

Das hauptsächlich im Lungau am Unschuldigen-Kindl-Tag (28.12.) übliche glückbringende Schlagen mit einer Birkenrute (auch Pisna-Gehen genannt) soll Segen bringen. Im Lungau heißt es hier zum Beispiel: "Frisch und g‘sund, frisch und g‘sund, a freudenreichs, glückseligs neues Jahr und a Christkindl mit an kraustn Haar. Nöt klusn (jammern) und nöt klagen, bis i wieder kimm z’ schlagen."

Der Brauch des Frautragens gehört wie die Herbergssuche zu den Bräuchen der Ankündigung des Weihnachtsfestes. Die Gestalt Mariens in Erwartung oder ein Herbergsbild wird von Haus zu Haus getragen. Dort wird eine Andacht mit vorweihnachtlichen Gesängen und Gebeten abgehalten. Der Besuch des Frauenbildes bedeutet Schutz und Segen. Speziell im Pinzgau existieren noch viele private "Frauentafeln", teils Originale aus dem 17. und 18. Jahrhundert.