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Schnabelperchten im Raurisertal - Großer Umzug am 6. Jänner

Auf ihren Besuch bereitet man sich am besten mit einem ordentlichen Hausputz vor.


16.12.2016

Kein lautes Gebrüll wie bei den "Rauriser Toifin", sondern ständiges "Ga Ga Ga" begleitet die Schnabelperchten, wenn sie am Vorabend von Dreikönig im Raurisertal von Haus zu Haus wandern. Ihren Namen verdanken die Schnabelperchten ihrem großen Schnabel, einer aufwendigen Konstruktion aus Holzstäben, Karton und Bauernleinen, die im Gesicht getragen wird. Außerdem gehören zur Ausstattung einer Schnabelpercht ein Weiberkittel, ein Kopftuch, eine Schürze, eine Weste, "Dotschen" - Pinzgauer Hauspatschen - und Besen.

Besonders die zwei Scheren und der Buckelkorb, aus dem zwei Kinderbeine ragen, sorgen gerade bei Kindern für Aufregung: Die Schnabelperchten - das weiß jedes Kind in Rauris - prüfen die Häuser auf Sauberkeit und Ordnung und ob die Haushalte ordentlich geführt werden. Und wehe dem, der sein Haus nicht geputzt hat! Es heißt nämlich, dem schneiden die Schnabelperchten mit der langen Schere den Bauch auf und leeren den Kehricht hinein. Ist ein Kind ungezogen und frech, dann sollen es die Schnabelperchten in ihrem großen Buckelkorb sogar mitnehmen.

So zumindest ist der Brauch überliefert. Er stammt höchstwahrscheinlich aus der Zeit des Goldbergbaus, in der es noch etwas rauer zuging. Die Bergwerksknappen hielten es nicht immer ganz genau mit der Sauberkeit in ihren Behausungen. Und so manche Eltern sind wohl heute noch froh, dass spätestens am Vorabend zu Dreikönig die Kinderzimmer ordentlich - und fast freiwillig - geputzt werden.

Grundsätzlich sind die Schnabelperchten aber gern gesehene Gäste in den Rauriser Haushalten. Mit ihren Besen kehren sie das alte Jahr hinaus, um Platz für ein glückliches neues Jahr zu machen. Sie überbringen den Familien Glück- und Segenswünsche für das anstehende Jahr.  

Beim Gasthof Schütt im Seidlwinkltal startet am 6. Jänner um 10.00 Uhr ein Umzug, an dem rund 80 Perchten teilnehmen. Von dort führt der Perchtenzug über das Vorstanddorf bis zum Andrelwirt in Wörth (Einzug zirka 15.00 Uhr). Auf ihrem Weg erweisen die Perchten den besuchten Familien eine Referenz, der Perchtenhauptmann überbringt Glück- und Segenswünsche für das kommende Jahr. Die Masken der Perchten - vom Hans Wurscht über Hexen, Frau Percht mit ihren zwei Gesichtern, zwölf Schön- oder Tafelperchten bis hin zu Dachsmandln, Öl- und Korbträgern - wurden originalgetreu rekonstruiert und in Handarbeit gefertigt. Der Perchtenumzug wurde nach zweijähriger Recherche- und Vorbereitungszeit 2015 das erste Mal seit Ende des 19. Jahrhunderts wieder inszeniert und findet seither alle zwei Jahre im Raurisertal statt.

Weitere Infos unter www.raurisertal.at