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Tauben füttern in der Stadt : Ein ewiges Streitthema

Friedensbote oder Ratten der Lüfte ?

30.12.2008

Wenn es um die gemeine Straßentaube geht, sind sich Körner, Brot oder Kuchen fütternde Tierfreunde und mit Schrotflinten bewaffnete Taubenhasser nicht einig: Die einen argumentieren, dass die Vögel in der Großstadt ohne Hilfe verhungern würden, die anderen behaupten, dass die Tiere gefährliche Krankheiten auf Menschen übertragen können. Aber: Beide Annahmen sind falsch!

Die Taubenpopulation nimmt immer mehr zu. Tauben brüten drei bis sieben Mal im Jahr. Da Parks und große Plätze in den Großstädten immer mehr den Charakter von Futtersammelstätten für Tauben angenommen haben, verbringen die Tiere keine Zeit mehr damit, andere Nahrungsquellen ausfindig zu machen, und vermehren sich.

Die Befürchtung, dass Tauben eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen darstellen könnten, ist weit verbreitet. Ihr schlechter Ruf kommt nicht von ungefähr: Eine Taube kann bis zu 89 Krankheitserreger in sich tragen. Aber: Tauben sind in der Regel keine Krankheitsüberträger."Bisher haben Forscher bei nur 7 der 89 Erreger eine Übertragung auf den Menschen nachgewiesen", sagt Prof. Dr. Daniel Haag-Wackernagel vom Anatomischen Institut der Universität Basel. Einer davon ist das Bakterium Chlamydophila psittaci, das die Ornithose, auch Papageienkrankheit genannt, auslöst und vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden kann. Allerdings erkranken Menschen tatsächlich nur selten daran.

Insgesamt sind 230 Fälle in etwa 65 Jahren beschrieben worden, bei denen es zur Übertragung von Infektionskrankheiten von der Taube auf den Menschen gekommen ist. Über die Übertragungswege von derartigen Erregern auf den Menschen ist bislang nicht viel bekannt. Der Baseler Wissenschaftler vermutet die größte Ansteckungsgefahr für den Menschen, wenn er den Staub aus getrocknetem Kot von Taubensammelplätzen einatmet. Gefährlich wird es daher vor allem für Menschen, die in der Gebäudereinigung tätig sind oder den eigenen Dachboden von Taubenkot säubern müssen. "Solche Arbeiten dürfen nur unter Anwendung strengster hygienischer Präventionsmaßnahmen wie Mundschutz, Schutzanzug, Handschuhe sowie Vermeidung von Staubentwicklung durch Benetzen durchgeführt werden", sagt Haag-Wackernagel. Insgesamt geht aber von Straßentauben kein höheres Gesundheitsrisiko aus als von anderen Wildtieren.

Dass Tauben die Bausubstanz zerstören, stimmt jedoch. Denn eine Taube setzt im Jahr etwa 10 bis 12 Kilogramm Nasskot bzw. 2,5 kg Trockenkot ab, der sich als Harnsäure in die Bausubstanz von Gebäuden frisst und diese beschädigt. Erhebliche Schäden entstehen so vor allem an jahrhundertalten Bauwerken, Marmorfassaden und Skulpturen. Aus diesem Grund ist es in den meisten größeren Städten verboten, die Tiere auf der Straße zu füttern. Seit Anfang Mai dieses Jahres gilt sogar ein Fütterungsverbot auf dem unter anderem für seine Taubenpopulation berühmten Markusplatz in Venedig. Auch der Verkauf von Taubenfutter wurde dort untersagt. "Die Taubenpopulation rund um die Piazza San Marco ist von geschätzten 20.000 auf unter 1.000 Tiere zurückgegangen", sagt Renata Codello, Leiterin der Denkmalbehörde. Die Tauben seien auf die umliegenden Inseln ausgewichen, wo sie ausreichend Nahrung fänden.

Quelle: dgk/animal

 

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