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Wenn meine Katze Probleme macht ...

Vorwort von Prof. Dr. med. vet. Hermann Bubna-Littitz

Die Hauskatze hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die etwa 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Ägypten begann. Bis etwa 1600 v. Chr. war das Vorkommen auf Ägypten beschränkt. Über Kreta kam sie nach Süditalien und damit in das Römische Reich. Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches gelangte sie 400 n. Chr. bis nach England. Um 1000 n. Chr. war die Katze in ganz Europa verbreitet. Infolge der Christianisierung und der damit verbundenen Ketzer- und Hexenprozesse sank ihr hohes Ansehen drastisch ab: Sie wurde als Attribut des Teufels gesehen. Erst in neuerer Zeit ist sie wieder zum beliebten, geschätzten Heimtier geworden. Derzeit beträgt das Verhältnis von Hunden zu Katzen etwa eins zu drei.

Die Lebensbedingungen der Katzen sind sehr unterschiedlich: Da ist die "Bauernkatze", mit nahezu uneingeschränktem Freiraum, in dem das gesamte natürliche Verhaltensrepertoire ausgelebt werden kann, und im extremen Gegensatz dazu die "Stadtkatze", die zeitlebens in einer mehr oder weniger großen Wohnung ihr Leben verbringt, möglicherweise allein, ohne Artgenossen. In diesem Zusammenhang soll eine Beobachtung von Konrad Lorenz festgehalten werden: Er sah einen Star, bei dem die gesamte Bewegungsfolge des Fangens, Totschlagens und Schluckens kleiner Insekten ablief, obwohl gar keine Insekten vorhanden waren. Der Star hatte sein Beutefangverhalten längere Zeit nicht ausüben können, das jetzt im Leerlauf ablief, d.h. ohne erkennbare äußere Ursache. Lorenz schloss aus dieser und anderen Beobachtungen, dass sich die Triebenergie aufstaut, wenn eine Trieb- oder Instinkthandlung längere Zeit nicht ausgelöst wird, und sich dann durch eine Leerlaufhandlung entlädt. Diese Situation trifft auch auf die Stadtkatze zu: Sie kann nur einen kleinen Teil ihres Verhaltens ausleben, und daher ist es nicht verwunderlich, wenn bei solchen Katzen Leerlaufhandlungen auftreten oder Triebhandlungen an Ersatzobjekten ausgeführt werden. So erklärt sich, dass manche Katzen ein flatterndes Hosenbein oder einen Fuß als Ersatzobjekt für ein Beutetier nützen. Durch die reizarme Umgebung der Stadtkatze und die nicht ausgelebten Instinkthandlungen können sich Verhaltensstörungen entwickeln.

In dem vorliegenden Buch wird von der Autorin Denise Seidl DVS mit großer Fachkenntnis das Normalverhalten der Katze unter besonderer Berücksichtigung des Signalverhaltens dargestellt. Gerade die Kenntnis des Ausdrucksverhaltens der Katze ist notwendig, um eine gute Katze-Mensch-Beziehung zu ermöglichen. In verständlicher Weise wird erklärt, wodurch Verhaltensstörungen zustande kommen können bzw. ausgelöst werden. Bei diesen Erklärungen geht die Autorin vom Normalverhalten aus und setzt die gegebenen Lebensbedingungen der Katze dazu in Beziehung. Aus dem Vergleich der idealen Lebensbedingungen mit den tatsächlich vorhandenen ergeben sich die Ursachen für das Auftreten der Verhaltensstörung und die Lösungsansätze zu deren Behebung. Es werden die häufigsten Verhaltensstörungen wie beispielsweise Stubenunreinheit und Aggressivität eingehend beschrieben und unter Bezug auf das Normalverhalten mögliche verhaltenstherapeutische Gegenmaßnahmen klar dargestellt. Die Autorin zeigt auch auf, dass man das bestehende Problem in vielen Fällen mit einfachen Mitteln beheben kann: Oft genügt eine Verbesserung des Umfeldes der Katze, die in räumlichen Veränderungen und in Beschäftigung mit dem Tier bestehen kann, kurzum in einer Verbesserung der Lebensqualität der Katze.

Das Buch ist ein wesentlicher tierschutzrelevanter Beitrag, das Verständnis des Katzenverhaltens und damit auch die Lebenssituation der Katze zu verbessern.

Prof. Dr. med. vet. Hermann Bubna-Littitz
Veterinärmedizinische Universität Wien


 

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