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Invasion der "warmliebenden Tiere" in der Antarktis

Forscher warnen vor ökologischer Katastrophe

06.07.2006
 
Trotz der unwirtlichen Klimabedingungen in der Antarktis hat sich in Jahrmillionen eine einzigartige, wenn auch artenarme, Flora und Fauna etabliert. Nun stört der Mensch dieses ökologische Gleichgewicht. Durch die Klimaerwärmung und mit dem immer stärkeren Tourismus gelangen nun auch artfremde Spezies in die Antarktis, berichteten Wissenschaftler beim Antarctic Treaty Consultative Meeting.

Die Bioinvasoren kommen mit den Touristen, mit Versorgungsschiffen und mit Flugzeugen. "Die Antarktis wurde lange Zeit als isolierter Kontinent mit einem unwirtlichen Klima gleichgestellt", so Neil Gilbert, Umweltmanager von Antarctica New Zealand. Daher hatte niemand geglaubt, dass man sich dort über invasive Spezies Gedanken machen müsse. So wurden in den Gewässern vor der antarktischen Halbinsel plötzlich männliche und weibliche Nordatlantische Seespinnen (Hyas araneus) entdeckt. Die Distanz sei viel zu groß dass diese Tiere den langen Weg alleine zurückgelegt hätten, meinte Gilbert. "Tatsächlich sind zwei Schlüsselfaktoren für diese Invasionen von artfremden Lebewesen hauptverantwortlich. Das eine ist der steigende Personentransfer, der andere die Klimaerwärmung", so der Experte.

"Tatsächlich hat die Zahl der Besucher in der Antarktis in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Wir wissen auch, dass Menschen, Schiffe und Flugzeuge Pflanzensamen nicht heimischer Spezies mitbringen", führte Gilbert aus. Hinzu komme noch die Klimaerwärmung. "Keine Region der Erde erwärmt sich schneller als jene der antarktischen Halbinsel. Die meisten Spezies können unter diesen Umständen überleben", führte Gilbert aus. Dass Südpol-Tourismus zu einem boomenden Geschäft geworden ist, davon zeugen die Angebote zahlreicher Kreuzfahrt-Reedereien. Mehr als 26.000 internationale Touristen waren es im Vorjahr, in diesem Jahr kommen mehrere tausend hinzu.

"Es ist immer noch unerforscht, welche Meereslebewesen sich in den antarktischen Gewässern tummeln", so Gilbert. Es sei wichtig herauszufinden, welche Tiere in der Region heimisch waren und welche nicht. "Dann gilt es zu klären, welche Überträger wie viel fremde Spezies mitbringen." Als Ergebnis müssen Antarktis-Touristen in Zukunft einen "Code-of-Conduct" befolgen. Damit könnte zumindest ein "minimaler Standard" für den Erhalt des wertvollen Ökosystems geschaffen werden.

Unklar bleibt allerdings weiterhin, wie man mit den bereits dort lebenden Invasoren umgehen sollte. Die nordatlantische Seespinne ist nach Ansicht des Forschers wahrscheinlich schon etabliert. Die Vernichtung bereits eingeführter Arten koste Millionen, gab der Forscher zu bedenken.
 
Quelle: pta

 

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