Herzlich Willkommen!
Bitte lesen Sie » diesen Hinweis zur Webheimat-Gemeinde!
 
 
Schriftgröße:
12345
 
 

Braunbären in Österreich haben eigenen Anwalt

"Advocatus ursi" ist erste Ansprechstelle in allen Bärenfragen

Wenn die Temperaturen wieder steigen und die Sonne immer mehr zum Vorschein kommt, erwacht auch Meister Petz aus seinem Winterschlaf. Vor 150 Jahren wurden die Braunbären in Österreich völlig ausgerottet. Derzeit gibt es wieder 25 bis 30 Braunbären. Obwohl die Zahl seit Jahren stagniert, ist das die größte Bärenpopulation in der EU, die auf ein Wiederansiedlungsprojekt zurückgeht.

Seit vergangenem Jahr unterstützen auch die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) ein von der EU gefördertes LIFE Projekt zum Schutz der Bären in Österreich, das vom WWF durchgeführt wird. Ziel ist es, die Bärenpopulation in Österreich nachhaltig zu sichern und die Zahl der in Österreich lebenden Bären zu erhöhen. "Der Bär als ein "Urbewohner" des Waldes liegt uns besonders am Herzen. Deshalb haben wir einen unserer Mitarbeiter zur Hälfte von seiner Arbeit freigestellt. Er leistet nun als Bärenanwalt Aufklärungsarbeit für Meister Petz", erklärt Bundesforste-Vorstand Georg Erlacher.

Der Bärenanwalt Walter Wagner ist kein gelernter Jurist, sondern Förster im Nationalpark Oberösterreichische Kalkalpen. Er ist einer von drei Bärenanwälten Österreichs und für die Bundesländer Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Obersteiermark zuständig. Seine 15 bis 20 Klienten sind jene Bären, die im Länderdreieck Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark leben. "Für das langfristige Überleben ist eine rund 50-köpfige Bärenschar notwendig. Österreich bietet für diese Bärenzahl genügend Platz, wir sind also noch lange nicht an unserem Ziel angekommen", so Wagner.

"Bären müssen queren". Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Bären genau beobachtet. Mit Hilfe von Losungs- und Haarproben nimmt Wagner "genetische Fingerabdrücke" - oder in diesem Fall "Tatzenabdrücke" - von seinen Klienten, um festzustellen, wie und ob die Bären in Österreich mit einander verwandt sind. "Mit dieser Methode haben wir auch festgestellt, dass die 2-jährigen Jungtiere verschwinden. Die Klärung der Ursache dafür ist ein wichtiger Punkt in meiner Arbeit als Bärenanwalt", erklärt der Experte. Für eine bessere genetische Vermischung muss die Zuwanderungsmöglichkeit aus Slowenien langfristig erhalten bleiben. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist es, die Wanderkorridore genauer zu erfassen und die Überquerungsmöglichkeiten von Straßen und Eisenbahnlinien durch Grünbrücken zu verbessern. Das kommt natürlich nicht nur den Bären, sondern auch anderen Tierarten zugute.

Eine weitere Barriere für die Verbreitung der Bären in den Alpen ist das negative Image, das sie zu Unrecht in der Bevölkerung haben. "Wenn die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung in den Bärengebieten zum Schutz dieser Tiere nicht gegeben ist, nützt auch das beste Schutzprogramm nichts", so Wagner. Daher gehört es auch zu seinen Aufgaben, als Bärenanwalt intensive Aufklärungsarbeit zu betreiben. Er ist Ansprechpartner bei auftretenden Problemen und bietet weitreichende Information über die Bären und den Umgang mit ihnen. Bären sind zu 75 Prozent Pflanzenfresser und von Natur aus sehr scheu. Sie stellen daher bei richtigem Umgang keine Bedrohung für Menschen und Tiere dar. Sollte Meister Petz doch einmal Bärenhunger verspüren und ein Schaf töten oder einen Bienenstock plündern, dann ist Walter Wagner der Ansprechpartner für Landwirte und Imker. "Entschädigungen gibt es rasch. Gerissene Schafe oder Schäden dürfen aber nicht beseitigt werden, bevor nachgewiesen wurde, dass sie auf einen hungrigen Bären zurückzuführen sind", so der Anwalt.

Auf Grund seiner völligen Ausrottung in Österreich vor 150 Jahren haben die Menschen den Umgang mit dem Bären verlernt. Sein Image reicht vom niedlichen Teddy bis zur wilden Bestie. "Österreich bietet genug Lebensraum für den Bären. Er braucht nur noch etwas Platz in unseren Köpfen", so der Bärenanwalt.

 

Top Themen

Top Links