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Musiktherapie bei chronischem Tinnitus erfolgreich

Aktive Auseinandersetzung mit dem gehörten Geräusch

08.09.2009


Musiktherapie wirkt in der Behandlung des chronischen Tinnitus, auch wenn es als Rauschen wahrgenommen wird. Das berichten Forscher am Deutschen Zentrum für Musiktherapie DZM. Sie überprüften eine Behandlungsmethode, die sich bereits bei tonalem Tinnitus als wirksam erwiesen hat, bei Patienten mit der rauschenden Variante dieses Gehörleidens. "In einer fünftägigen Kompakttherapie brachte die Musiktherapie auch hier eine Verbesserung, die auch noch ein halbes Jahr nach der Behandlung anhielt", berichtet DZM-Sprecherin Dorothea Weber.

Tinnitus ist eines der häufigsten Leiden aus dem HNO-Bereich, das bis zu 40 Prozent aller Menschen im Lauf des Lebens einmal betrifft. Betroffene hören dabei entweder tonale Geräusche wie Pfeifen, Klingeln, Summen und Zirpen, oder nicht-tonale Signale wie Rauschen, Brummen, Surren, Knacksen, Knistern und Rumpeln, ohne dass die Umgebung diese Signale wahrnimmt. Klingen diese Symptome nicht nach einigen Tagen ab, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Während gängige Behandlungsformen nicht zwischen der Klangqualität der Symptome unterscheiden, konnten die Heidelberger Forscher bereits in der Vergangenheit zeigen, dass sich die Musiktherapie für die Behandlung tonaler Formen des Leidens eignet. Nun wurde der Hinweis erbracht, dass ein ähnliches Therapieprogramm auch beim Tinnitus-Rauschen möglich ist.

23 Versuchspersonen, die mindestens ein halbes Jahr konstant unter Tinnitus-Rauschen litten, beteiligten sich an der Pilotstudie. Fünf Tage lang erhielten sie jeweils zwei 50-minütige Einheiten Musiktherapie. "Man ging dabei ähnlich vor wie schon bisher beim tonalen Tinnitus. Zu Beginn setzten sich die Patienten aktiv mit dem gehörten Geräusch auseinander, mit Hilfe von Instrumenten oder der eigenen Stimme. Das ist genau das Gegenteil vom Wegdenken oder Weghören, mit dem man diesem Geräusch sonst begegnet", berichtet Weber. Die Musik helfe schließlich dabei, Tinnitus und Stressreaktionen voneinander zu entkoppeln und sorge für Entspannung. Diese Übungen ermöglichten dem Patienten auch im Alltag eine aktive Unterdrückung des Geräuschs.

Die Forscher beschreiben die Maßnahme als "hochwirksam". 21 der 23 Probanden berichteten im Anschluss und auch noch sechs Monate nach der Behandlung von Verbesserungen, was einer Erfolgsquote von 90 Prozent entspricht. Bildgebende Untersuchungen, die den Verlauf begleiteten, bestätigten neuroplastische Veränderungen der Gehirnstrukturen durch die Therapie. Messungen darüber hinaus gaben Anhaltspunkte dafür, dass das "Tinnitus-Rauschen" auch auf kardio-vaskuläre Einflüsse zurückgeht, zeigte doch fast die Hälfte der Untersuchten erhöhte Blutdruckwerte. Je besser es durch die Therapieübungen gelang, diese zu kontrollieren, desto geringer war die Langzeitbelastung. "Die Pilotstudie soll nun durch größer angelegte Langzeitstudien ergänzt werden", so Weber.

Quelle: pte

 

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