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Tetanusimpfung : Gefahr kann auch im Garten lauern

Noch immer viele Erwachsene ohne Tetanusschutz

06.06.2006

Das Hobby von Helene M. ist ihr Garten. Auch mit fast 70 Jahren hält sie die Beete und Sträucher noch selbst in Schuss. Als sie vor einigen Wochen Blumenzwiebeln setzte, zog sie sich an einer Beeteinfassung eine größere Schürfwunde am Unterarm zu. Nachdem sie die Verletzung gereinigt und verbunden hatte, beachtete sie sie nicht weiter. 14 Tage später traten bei Frau M. Halsschmerzen und Schluckbeschwerden auf. Sie glaubte zunächst, eine Erkältung sei im Anzug. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich nun aber schnell und zusehends. Nach dem beginnenden Auftreten einer Gesichtslähmung im Mundbereich suchte Frau M. ihren Hausarzt auf, der sie mit der Verdachtsdiagnose Tetanus, zu deutsch Wundstarrkrampf, ins Krankenhaus überwies.

"Tetanus ist eine Infektionskrankheit, hervorgerufen durch ein Bakterium, das unter Luftabschluss giftige Substanzen bildet", erklärt Dr. Gerd Claussen, chirurgischer Leiter der Zentralen Notaufnahme im Elisabeth-Krankenhaus Essen. Nach Schätzung der WHO sterben weltweit jährlich immer noch über eine Million Menschen an der Erkrankung. Den Tetanuserreger findet man im Darm verschiedener Tierarten. Von dort gelangt er mit den Exkrementen ins Erdreich. Über Hautwunden kann er in den menschlichen Körper eingeschleust werden - dazu reicht oft schon ein kleiner Kratzer, beispielsweise an einem Rosendorn, aus. "Besonders gefährdet sind allerdings ausgedehnte Wundflächen mit starker Verschmutzung, zerfetzten Wundrändern und schlecht durchbluteten Gewebearealen", so Claussen. "Gerade bei Bissverletzungen, schweren Verbrennungen oder Verkehrsunfällen muss deshalb immer an eine Tetanusgefahr gedacht werden."

Verbreiten sich die Giftstoffe des Tetanuserreger im menschlichen Körper, hemmen sie im Gehirn bestimmte Bereiche, was zu einer krampfartigen Starre der Muskulatur führt. Diese beginnt im Gesicht und greift dann in unterschiedlichem Maß auf den ganzen Körper über. Die Zeit zwischen Verletzung und Beginn der Erkrankung variiert zwischen ein paar Tagen bis hin zu vier Wochen. Die Muskelkrämpfe können dann so stark sein, dass Knochenbrüche auftreten. Der Verlauf der Erkrankung kann über Wochen andauern. Besonders gefürchtet beim Wundstarrkrampf sind Herzkreislauf-Komplikationen und ein Aussetzen der Atmung. In über einem Drittel der Fälle - insbesondere bei älteren Menschen - endet die Erkrankung tödlich.

Da der Wundstarrkrampferreger weltweit vorkommt und Verletzungsmöglichkeiten im täglichen Leben überall bestehen, bietet die Impfung die einzige Sicherheit vor einer Infektion. Während die Grundimmunisierung normalerweise bereits bei Säuglingen stattfindet, weist der Impfschutz bei Erwachsenen dagegen Defizite auf: Man geht davon aus, dass nur bei etwa 65 Prozent der 30- bis 40-jährigen noch ein ausreichender Schutz besteht. Bei den über 70-jährigen liegt die Zahl wahrscheinlich sogar bei unter 40 Prozent. Die Gründe dafür sind laut Claussen vielfältig: "Wundstarrkrampf war früher eine gefürchtete Krankheit. Dank der konsequenten Impfungen in den letzten Jahrzehnten tritt sie bei uns selten auf. Dies verleitet dazu, sich sicher zu fühlen und Auffrischungsimpfungen nicht mehr als notwendig anzusehen. Wer seinen Urlaub in Asien verbringt, lässt sich zwar vorher zumeist impfen, dass die Krankheit aber auch im heimischen Garten drohen kann, ahnen die wenigsten. Auch in den Medien spielt Tetanus kaum noch eine Rolle - im Gegensatz beispielsweise zur Grippeimpfung, die in jedem Herbst ein Thema ist. Viele Menschen stehen heutzutage Impfungen sehr kritisch gegenüber und haben Angst vor Nebenwirkungen. Natürlich sind auch Tetanusimpfungen nicht hundertprozentig frei von möglichen Komplikationen - angesichts der medizinischen Erfolge in den letzten Jahrzehnten rücken die geringen Risiken jedoch weit in den Hintergrund. Die erreichten Erfolge lassen sich allerdings nur fortsetzen, wenn die Durchimpfungsraten - auch bei Erwachsenen - auf hohem Niveau gehalten werden."


Wissenswertes zur Tetanusimpfung:

Die Tetanusimpfung wird in einen Muskel gespritzt - in den Oberarm, Oberschenkel oder seitlich in den Po. Der Impfstoff besteht aus dem abgeschwächten Gift des Bakteriums. Die Impfung wird als aktiv bezeichnet, d.h. der Körper bildet nach der Injektion selbst Abwehrstoffe gegen das Bakteriengift - so genannte Antikörper. Infiziert man sich nun mit echten Erregern, wird das Gift von den Antikörpern abgefangen und so der Ausbruch der Krankheit verhindert. Zur vollständigen Immunisierung werden drei Impfdosen verabreicht: Die zweite Dosis erfolgt etwa vier bis sechs Wochen nach der ersten. Nach sechs bis zwölf Monaten schließt die dritte Dosis die Grundimmunisierung ab. Der Impfschutz setzt etwa 14 Tage nach der zweiten Injektion ein und besteht nach einer kompletten Grundimmunisierung für mindestens zehn Jahre. Dann sollte eine Auffrischung erfolgen. "Dafür genügt eine einzelne Impfdosis - auch dann, wenn die letzte Impfung schon länger als zehn Jahre zurückliegt", so Dr. Gerd Claussen, chirurgischer Leiter der Zentralen Notaufnahme im Elisabeth-Krankenhaus Essen. "Die frühere Auffassung, dass man nach versäumter Auffrischung wieder eine komplette Grundimmunisierung benötigt, hat sich nicht bestätigt. Sind Sie sich nicht sicher, wann die letzte Impfung war, kann der Hausarzt einen Tetanusimpftiter im Blut bestimmen."

Nicht geimpft werden können Personen, die nach früheren Tetanusimpfungen schwere Nebenwirkungen - beispielsweise allergische Reaktionen auf Impfstoffbestandteile - aufgewiesen haben. "Verschoben werden sollte eine Impfung bei Fieber oder schwerer Krankheit", empfiehlt Claussen, "denn dann ist das Immunsystem mit der Abwehr anderer Erreger beschäftigt und bildet womöglich keine Abwehrstoffe gegen das Tetanusgift. Eine leichte Erkältung dagegen ist kein Hindernis für eine Impfung. Zeitabstände zu anderen Impfungen muss man nicht einhalten. Nach der Impfung sollten übermäßige sportliche Aktivitäten für einige Tage vermieden werden. Als Ausdruck der normalen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff kann es innerhalb der ersten Tage an der Impfstelle zu Rötung, Schmerzhaftigkeit und Schwellung kommen, gelegentlich schwellen auch die benachbarten Lymphknoten an. Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung, grippeähnliche oder Magen-Darm-Beschwerden sind selten. In der Regel sind diese Reaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch wieder ab."

Für Verletzte ohne Impfschutz gibt es auch die Möglichkeit einer passiven Impfung. Sie besteht aus fertigen Antikörpern, die aus menschlichem Blut gewonnen werden. So kann man den Ausbruch der Erkrankung im Akutfall verhindern oder zumindest abschwächen. "Patienten, die mit einer Verletzung und ohne Impfschutz zu uns kommen, erhalten in der Regel eine Kombination aus passiver und aktiver Impfung", erläutert der Chirurg. "Die größte Anzahl der Tetanusinfektionen beruht allerdings auf Bagatellverletzungen, die nicht zu einem Arztbesuch führen. Deshalb stellt die vorsorgliche, aktive Impfung immer noch die sicherste Möglichkeit einer Vermeidung der Erkrankung dar."

Quelle: EKE

 

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