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Sportmedizinische Untersuchung

Qualitäts-Check der Anbieter in Österreich

Sport bewegt Österreich: Immer mehr Landsleute entdecken seine positive Wirkung auf Körper und Seele. Sport ist aber auch ein Feld mit eigenen gesundheitlichen Risiken. Gerade für untrainierte Anfänger und Wiedereinsteiger birgt die sportliche Betätigung – vor allem bei Risikofaktoren wie etwa hohem Blutdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – auch Gefahren. Deshalb raten Ärzte angehenden Hobbysportlern vorab zur sportmedizinischen Untersuchung. Diese soll klären, welche Sportarten geeignet und welche gesundheitlichen Risiken zu beachten sind.

"Anbieter für diesen Check gibt es genug: Fitness-Studios, Sportinstitute und Ärzte", berichtet die Geschäftsführerin des VKI, Dr. Claudia Feichtinger. "In unserem Test ging es darum abzuklären, was Konsumenten bei diesen Untersuchungen erwartet und was sie wirklich wert sind. Schließlich sind diese Dienstleistungen nicht billig, und Verbraucher müssen sich auf die Empfehlungen der Anbieter verlassen können."

Das Testmagazin "Konsument" hat deshalb einen 35-jährigen Arzt – inkognito und mit fiktiven Risikofaktoren ausgestattet – zu 14 Anbietern in ganz Österreich geschickt. Nicht nur die Testperson wünschte ausdrücklich einen sportärztlichen Check – die Vorgeschichte des Probanden mit erheblichen Risikofaktoren macht eine gewissenhafte Untersuchung vor Aufnahme sportlicher Aktivitäten zwingend notwendig.

Das Ergebnis des "Konsument"-Tests: Nur vier Anbieter konnten positiv bewertet werden, wobei das renommierte "Österreichische Institut für Sportmedizin" auf der Schmelz in Wien eindeutiger Testsieger ist. Mit dem Rest geht "Konsument" mehr oder weniger hart ins Gericht: Die Kriterien einer sportmedizinischen Untersuchung wurden entweder nicht ausreichend oder gar nicht erfüllt. "Ein Drittel der Anbieter hat weder das Herz-Kreislauf-System noch den Bewegungsapparat überprüft, was für Risikopatienten ein lebensgefährliches Versäumnis bedeuten kann" weist VKI-Prüfungsleiter Ing. Franz Floss auf mögliche Gefahren hin. Ein weiteres Drittel hat zwar Herzfunktion und Blutdruck gemessen, aber die Untersuchung des Bewegungsapparates vernachlässigt. "In Summe ein bedenkliches Ergebnis", so Floss, der von den Anbietern mehr Verantwortung einfordert."

Die Österreichische Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention hat eindeutige Richtlinien bezüglich der sportmedizinischen Untersuchung festgelegt. Es gibt einen Konsens darüber, was ein solcher Check zu beinhalten hat", stellt Dr. Renate Petschnig, Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Fachärztin für physikalische Sportheilkunde, fest. Dazu zählen die Anamnese – das Erfassen der Vorgeschichte –, das Abhören und Abtasten der inneren Organe, die Messung der Herzfunktionen (EKG) und des Blutdruckes im Ruhe- und Belastungszustand sowie die Überprüfung des Bewegungsapparates. Wichtig: Die Untersuchung geht über einen Stufen- oder Fitness-Test weit hinaus, bei dem nur die maximale Herzfrequenz und davon ausgehend die Trainingsherzfrequenz festgelegt wird. "Am Ende der sportmedizinischen Untersuchung sollte der Arzt sagen können, welche körperliche Betätigung für den Patienten angemessen ist und auf welche gesundheitlichen Risiken er zu achten hat", so Petschnig. Kein fixer Bestandteil des sportärztlichen Checks ist hingegen der Laktattest, mit dem ein persönlicher Trainingsplan maßgeschneidert wird.

Grundsätzlich darf eine sportmedizinische Untersuchung nur von Ärzten durchgeführt werden. Zwar können andere Berufsgruppen wie etwa Sportwissenschafter oder Trainer im Rahmen der Teamarbeit mitwirken und für die Erfassung der Messdaten, die Trainingsberatung und -empfehlung verantwortlich sein. Aber nur Medizinern ist es erlaubt, eine Diagnose zu erstellen.

Das Test-Procedere

Als Testperson fungierte ein 35-jähriger Mediziner – als solcher gab er sich jedoch nicht zu erkennen –, dessen Hausarzt ihm empfohlen hatte, sich mehr zu bewegen. Der Mann wandte sich an insgesamt 14 Anbieter in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Tirol und vereinbarte – ausdrücklich – einen Termin für eine sportärztliche Untersuchung. Seine Anamnese (Vorgeschichte) wurde mit auffälligen Details "geschmückt": Der Mann ist – bis auf sein Hobby Bogenschießen – eher unsportlich und übt einen sitzenden Beruf aus. Gleich mehrere Familienangehörige leiden an Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Herzproblemen; der Großvater ist an einem Schlaganfall gestorben. Das sind Risikofaktoren, für die eine umfangreiche sportmedizinische Untersuchung vor Aufnahme einer sportlichen Aktivität unbedingt notwendig ist.

Bedenkliches Ergebnis

Viele Anbieter sind sich offensichtlich ihrer Verantwortung nicht bewusst. "Einfache Untersuchungsgänge wie Abhören und Blutdruckmessen sollten wirklich bei jeder Diagnose als Basis selbstverständlich sein. Aber nicht einmal das ist in vielen Fällen passiert", kritisiert Petschnig, die beim "Konsument"-Test für die Gesamt-Beurteilung verantwortlich war.

Die Details:

  • Stark vernachlässigt wurde die Überprüfung des Bewegungsapparates. Einen ordnungsgemäßen Befund der Wirbelsäule haben nur 6 der 14 Anbieter erhoben, eine Diagnose für die Gelenke sogar nur 3. Nur fünfmal wurden die Muskelfunktionen korrekt geprüft.

  • Wenig Bedeutung maßen einige Untersucher der Überprüfung der Herzfunktionen und Blutdruckwerte bei. Die Hälfte der getesteten Institutionen hat nicht einmal das Herz abgehorcht. Und nur 8 von 14 haben EKG und Blutdruckmessung bei Belastung durchgeführt.
  • In jedem zweiten Fitness-Studio wurde die Testperson von Nicht-Medizinern untersucht.
  • Nur das Anamnesegespräch (Klärung der Vorgeschichte des Untersuchten) und Fragen zu eingenommenen Medikamenten wurden von allen Anbietern korrekt durchgeführt. 
Gute Leistung kostet 159 bis 180 Euro

Klarer Testsieger ist das renommierte "Österreichische Institut für Sportmedizin" auf der Schmelz in Wien, das als einziger Anbieter sämtliche Teiluntersuchungen durchführte. Gute Gesamtergebnisse lieferten die beiden Wiener Fitness-Studios "Manhatten Nord" und "Holmes Place" sowie das "Institut für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung" in Maria Enzersdorf. Ein bescheidenes Ergebnis fuhr - in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis - der ÖSV Olympiastützpunkt Obertaern ein. Der sogenannte "Herminator-Check" kostet zwar 300 Euro, der Mediziner vergaß jedoch nahezu vollständig auf die Überprüfung des Bewegungsapparates.

Wie der "Konsument"-Test zeigt, ist auch auf Ärzte nicht immer Verlass. Die getesteten Mediziner führten die Überprüfung des Bewegungsapparates nicht oder nur ungenügend durch, einer vergaß aufs Abhören und verlangte für eigentlich fixe Bestandteile extra Gebühren.

Für die Spitzenreiter im "Konsument"-Test müssen Hobbysportler zwischen 159 und 180 Euro investieren. Im Preis enthalten sind jedoch meist umfassende Untersuchungen inklusive Zusatzleistungen wie Laktattest und maßgeschneiderte Trainingsempfehlungen sowie kompetente Beratung. Geld kann man durch die Gesundenuntersuchung sparen. "Bis auf Ergometrie und Muskelfunktionstests werden die Teile der sportmedizinischen Untersuchung auch im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung durchgeführt, die von der Krankenkasse bezahlt wird", informiert Franz Floss und rät: "Am besten zunächst eine Gesundenuntersuchung machen und erst danach zum sportmedizinischen Check. So kann man sich das, was bereits untersucht wurde, anrechnen lassen." Allerdings ist man dabei auf die Kulanz des Arztes oder des Institutes angewiesen.

Sportmedizinische Untersuchung – für wen?

Eine sportmedizinische Untersuchung ist nicht nur für Marathonläufer sinnvoll, sondern für all jene, die sportlich aktiv sein wollen – auch wenn man "nur" abnehmen oder einfach gesund bleiben will.

  • Für Anfänger. Sinnvoll für jeden, der mit Sport beginnt.
  • Für über 35-Jährige. Zwingend für jeden, der älter als 35 Jahre ist und mit einer sportlichen Betätigung (nach längerer Pause) wieder beginnen will.
  • Für Risikopatienten. Unbedingt notwendig, wenn bestimmte Risikofaktoren wie erhöhter Blutdruck oder Krankheitsfälle in der Familie zutreffen.
Quelle: VKI


 

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