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Bei 10 % aller Spital-Behandlungen passieren Fehler

Tipps wie sich Patienten vor Pannen schützen können

23.03.2007

Bei rund zehn Prozent aller Behandlungen in deutschen Kliniken kommt es zu folgenschweren Fehlern. Dies berichtet das Magazin Reader’s Digest (April-Ausgabe 2007) unter Berufung auf den "Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen". Demnach sterben jährlich bis zu 81.000 Menschen "durch unerwünschte und häufig vermeidbare Ereignisse im Krankenhaus". Die Hauptursache geht offenbar auf menschliches Versagen zurück. Nur in ganz wenigen Fällen seien es technische Mängel, sagt Holger Thomsen, Leiter des AOK-Instituts Medizinschaden. Viel häufiger seien es Kommunikationsfehler unter den behandelnden Ärzten oder Nachlässigkeiten bei der Diagnose.

Obwohl Laboratorien, Kliniken und Ärzte jede Woche Tausende von Computertomografien, Laborergebnisse, Röntgenbilder oder Mammografien auswerten und zugleich Millionen von Blut- und Gewebeproben analysieren, gehen Experten davon aus, dass die Fehlerquote in der Behandlung noch viel höher ist, als die Statistik ausweist. "Wie häufig solche Irrtümer in Arztpraxen passieren, darüber gibt es keine Zahlen. Wenn sie überhaupt öffentlich gemacht werden, dann auf freiwilliger Basis. Viele gelangen nie ans Licht", vermutet der Arzt Ralf Rohde-Kampmann, der sich seit Jahren an der Universität Frankfurt am Main mit dem Thema Qualitätsförderung und Patientensicherheit beschäftigt.

Zwar gilt es als sicher, dass 95 bis 98 Prozent der Laboranalysen richtig erstellt werden. Die Fehlerquote von zwei Prozent reicht aber bereits für verheerende Konsequenzen aus, wenn man als Beispiel eine Klinik zum Maßstab nimmt, die 500 Betten hat und jährlich rund 1,5 Millionen labormedizinische Untersuchungen vornehmen muss.

Das Magazin Reader’s Digest gibt in seiner April-Ausgabe Hinweise, wie sich die Verbraucher vor Fehlern schützen können. Eine der Grundregeln: Einen erfahrenen Arzt aufsuchen und nachfragen, warum die Untersuchung gemacht wird, worum es im Detail geht und darauf achten, dass eine mögliche Probe mit dem richtigen Namen und dem korrekten Datum versehen wird. Und: Auf jeden Fall sich später über das Ergebnis informieren lassen. So kann man sicherstellen, dass die Probe nicht womöglich verloren gegangen ist oder vergessen wurde.

Wichtig auch: Alle nötigen Dokumente wie Röntgenbilder und Laborberichte sammeln und notfalls durch separate Notizen über den Gesprächsverlauf oder die Behandlung ergänzen. Nicht zu vergessen: Ist das Ergebnis ungewöhnlich oder gar beängstigend, sollte man eine zweite Expertenmeinung einholen.

Auf diese Weise können Fehler zwar nicht ausgeschlossen, aber das Risiko minimiert werden. "Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass ein großer Teil der Medizinfehler auf das Konto übermüdeter, überarbeiteter Ärzte geht", begründet der Patientenanwalt Benedikt Jansen (Kempten) die gebotene Vorsicht. Hinzu komme der wirtschaftliche Druck. "Ein Arzt ist auch Kaufmann. Viele Leistungen, welche die Kassen früher vergütet haben, werden heute gar nicht mehr oder nur noch im Rahmen einer Pauschale bezahlt. Deshalb steigert manch einer seine Einnahmen, in dem er in der selben Zeit mehr Patienten behandelt. Da sind Nachlässigkeiten programmiert", warnt Jansen.

Angesichts der Entwicklung haben inzwischen auch die Ärzte reagiert. Mit der Initiative "Jeder Fehler zählt" wurde in Deutschland ein Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausärzte aufgebaut. Damit tauschen sich die teilnehmenden Praxen anonym im Internet über Fehler und Korrekturmaßnahmen aus.

Quelle: Reader’s Digest

 

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