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Schönheitsoperation auf Kosten der Gesundheit ?

Aktuelle Studie: Jede vierte Frau in Österreich kann sich eine Schönheitsoperation vorstellen

20.11.2008

Immer mehr Menschen begeben sich unter das schönheitschirurgische Messer, die Kunden derartiger ärztlicher Körper-Tunings werden immer jünger, die Eingriffe immer extremer: Das sind einige der globalen Trends in Sachen künstlich geformte Körper und schwer erreichbare Schönheitsideale, deren oft dramatische gesundheitliche Konsequenzen in Kürze auf einer internationalen Fachkonferenz in Wien diskutiert werden.

"Gesellschaftliche Normen prägen für viele Frauen das oft unerreichbare Bild eines Schönheitsideals. Der vermeintlich perfekte Körper erscheint so erstrebenswert, dass dafür vieles in Kauf genommen wird - von chirurgischen Eingriffen, oft schon in jungen Jahren, bis zur permanenten, gesundheitsgefährdenden Diät oder der Körperformung durch sportliche Höchstleistungen", betont Wiens Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag. Sonja Wehsely. Sie sieht eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe darin, den Frauen den Druck zu nehmen, sich an normierten Idealen orientieren zu müssen: "Wir müssen der Verunsicherung von Frauen und Mädchen entgegenwirken und ihr Selbstbewusstsein stärken. Das oft auch unseriöse Geschäft mit der Schönheit darf nicht auf Kosten der Gesundheit gemacht werden."

Aktuelle Studie: Acht Prozent der Österreicherinnen haben bereits einen Schönheits-Eingriff hinter sich

Das Thema Schönheitsoperationen beschäftigt immer mehr Österreicherinnen, wie ao. Univ.-Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger, Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien, berichtet: "Acht Prozent der Frauen über 14 Jahren geben an, bereits einen schönheitschirurgischen oder kosmetischen Eingriff hinter sich zu haben", zitiert die Expertin eine aktuelle Gallup-Studie im Auftrag des Wiener Frauengesundheitsprogramms. Weitere 25 Prozent können sich vorstellen, eine solche schönheitsmedizinische Intervention machen zu lassen."Diese hohen Werte zeigen, dass Frauen so stark mit normierten Schönheitsidealen konfrontiert sind, dass viele von ihnen glauben, sie nur durch medizinische Eingriffe erreichen zu können", so Prof. Wimmer-Puchinger. "Die gesundheitlichen Folgen unrealistischer Körperbilder sind oft erheblich - von Essstörungen, an denen rund 200.000 Österreicherinnen zumindest einmal in ihrem Leben erkranken, über Komplikationen bei schönheitschirurgischen Eingriffen bis hin zu massiven psychischen Problemen. Wir müssen Frauen dazu ermutigen, andere Wege zur Zufriedenheit mit dem eigenen Körper auszuloten."

Faltenbehandlungen und Gesichtsstraffungen führen mit 54 Prozent die Liste der gemachten oder gewünschten Eingriffe an, vor Nasenkorrekturen (18 Prozent), Fettabsaugungen (16 Prozent) und Brustvergrößerungen oder -verkleinerungen (15 Prozent).

Nur 10 Prozent sind mit Ergebnis ihrer Schönheitsoperation "sehr zufrieden", 11 Prozent "sehr unzufrieden"

In scharfem Kontrast zur Popularität von Schönheitsoperationen steht die Zufriedenheit mit deren Resultat. Das Risiko, eine Operation auf sich zu nehmen, führt häufig nicht zum gewünschten Ergebnis, wie die aktuelle Studie zeigt. Elf Prozent der Befragten, die bereits einen einschlägigen Eingriff hinter sich haben, sind "sehr unzufrieden", das sind mehr als jene 10 Prozent, die "sehr zufrieden" bilanzieren. "Angesichts dieses äußerst durchschnittlichen Ergebnisses ist zu bezweifeln, ob sich das Risiko einer Operation wirklich lohnt", gibt Prof. Wimmer-Puchinger zu bedenken. "Die Hoffnung, dass ein Schnitt mit dem Skalpell das Leben verändert, bleibt offenbar Illusion."

Viele Österreicherinnen für Altersgrenzen

Die Frage, ob es bei Schönheitsoperationen Grenzen geben oder immer der individuelle Wunsch von Frauen respektiert werden soll, polarisiert: Je die Hälfte der Befragten vertritt - allgemein gefragt - jeweils die eher regulierende oder eher freizügige Auffassung. Die konkrete Forderung nach einer Altersuntergrenze für Schönheitsoperationen hat allerdings eine klare Unterstützung - 77 Prozent der Frauen treten für eine solche ein, unter den jüngeren Frauen unter 30 sind es sogar 86 Prozent. "Aus gutem Grund werden solche Altersuntergrenzen derzeit in ganz Europa diskutiert", so Prof. Wimmer-Puchinger.

Medien beeinflussen das Körperbild mehr als der Partner

Knapp die Hälfte der Frauen hält übrigens den Einfluss der Medien für besonders bedeutend, wenn es um die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper geht. Das ist deutlich mehr Einfluss als etwa dem eigenen Partner (28 Prozent) oder den Freundinnen (28 Prozent) zugeschrieben wird.

Wien sehr aktiv gegen unerreichbare Schönheitsideale

Als erste europäische Stadt hat Wien im Rahmen des Frauengesundheitsprogramms eine umfassende Initiative zum Thema Essstörungen gestartet. Die Initiative S-O-Ess setzt sich unter dem Motto "No BODY is perfect" gegen unerreichbare Schlankheitsideale und krank machende Vorbilder ein. Auch in der Betreuung von Frauen, bei denen bereits körperbildbezogene Gesundheitsstörungen aufgetreten sind, ist die Stadt aktiv: An der vor zehn Jahren initiierten kostenlosen Essstörungshotline 0800 20 11 20 (www.essstoerungshotline.at) wurden bisher insgesamt 18.000 Beratungsgespräche angeboten. Darüber hinaus wurde ein umfassendes Netzwerk mit Schulen aufgebaut, über das bereits mehr als 20.000 SchülerInnen zu Themen wie Anorexie oder Bulimie und deren Ursachen erreicht und informiert werden konnten. "Selbst ist die Frau - Schönheit um jeden Preis?" heißt eine Aufklärungsbroschüre des Wiener Programms für Frauengesundheit, das über Risiken bei Schönheitsoperationen aufklärt (www.diesie.at).

Internationaler Trend: Politik wird aktiv

Allianzen und Partnerschaften zwischen Politik, GesundheitsexpertInnen und Modeindustrie, wie sie im Rahmen von S-O-Ess in Wien initiiert wurden, würden zunehmend von der Politik in ganz Europa etabliert, berichtet die Schweizer Gesundheitswissenschafterin Prof. Dr. Ilona Kickbusch. Auch sonst reagiere die Politik verstärkt auf die ungesunden Schönheitstrends - von der Debatte über untere Altersgrenzen für schönheitschirurgische Eingriffe bis hin zum kürzlich beschlossenen strengen französischen Gesetz, das die Anstiftung zur Anorexie unter Strafe stellt. "In einer Reihe von Ländern werden auch die Einführung einheitlicher Qualifikationen für ÄrztInnen, die Schönheitseingriffe vornehmen, sowie einheitliche Qualitätskriterien für derartige Interventionen, diskutiert." Dies sei schon deshalb bedeutsam, weil das Milliarden-Geschäft mit der Schönheit längst grenzüberschreitend geworden sei, so Prof. Kickbusch. "Immer mehr Operationswillige, vor allem aus Westeuropa, nehmen günstige Pauschalangebote für Operationsreisen nach Ungarn, Tschechien oder entfernte Destinationen wie Malaysia oder Thailand wahr." Neben den häufig fehlenden einheitlichen Qualitätsstandards gehöre zu den ungelösten Problemen dieses Trends auch die Frage, wer die Kosten der Behandlung von Komplikationen, die nach der Rückkehr ins Heimatland auftreten, trägt.

Schönheitstraum als Schuldenfalle

Was die nicht unerheblichen Kosten des Eingriffs selbst betrifft, ortet Prof. Kickbusch einen anderen alarmierenden Trend: "Es sind keineswegs nur die Reichen und Schönen, die sich unter das schönheitschirurgische Messer begeben, sondern immer häufiger auch einkommensschwache Menschen, die das Geld für die kostspieligen Eingriffe kaum aufbringen können." Eine immer häufigere Konsequenz ist die Schönheit auf Pump. Vor allem in den USA bieten spezialisierte "plastic surgery loan companies" an, Fettabsaugungen, Brustvergrößerungen und Co. zu finanzieren. Aber auch in Europa, zum Beispiel in Deutschland, haben Kreditinstitute die Marktlücke Schönheits-Kredit bereits entdeckt. "Wer Schönheit auf Kredit finanziert, kann rasch in der Schuldenfalle landen", warnt Prof. Kickbusch, "insbesondere dann, wenn Komplikationen oder Misserfolge weitere Behandlungskosten erfordern."

Immer jünger, immer extremer

Es begeben sich nicht nur immer mehr Menschen in schönheitschirurgische oder kosmetische "Behandlung", sie werden tendenziell auch jünger. "Einer US-Studie zufolge können sich 60 Prozent der 16 bis 24jährigen vorstellen, einen solchen Eingriff an sich machen zu lassen. Jedes fünfte Kind zwischen neun und 14 Jahren wünscht sich einen verschönernden Eingriff, zeigte eine Untersuchung der Deutschen Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft", zitiert Prof. Kickbusch aktuelle Untersuchungen.

Der Wunsch nach "Köperformung nach Maß" sei auch längst nicht mehr auf die "Klassiker" Nasenkorrektur, Faltenbeseitigung, Brustvergrößerung oder Fettabsaugung beschränkt, beobachtet die international tätige Expertin. Aus Russland kommt etwa ein Trend zu extremen Eingriffen: Um möglichst lange Beine zu bekommen, lassen sich vorwiegend junge Frauen etwa die Unterschenkelknochen brechen und dann in langwierigen Prozeduren verlängern. Prof. Kickbusch: "Ein zunehmender weltweiter Trend sind auch so genannte Vaginalverschönerungen, Frauen lassen sich eine Designer-Vagina formen oder verengen, die Schamlippen verkleinern oder mit Eigenfett unterspritzen." Laut American Society of Plastic Surgery ist Vaginalchirurgie das am schnellsten wachsende Segment der Fachrichtung. "Zur Sicherheit oder den Langzeitfolgen derartiger
Eingriffe gibt es allerdings kaum wissenschaftliche Evidenz", kritisiert Prof. Kickbusch.

Quelle: PID-rk / ots

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