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Schmerzmittel und Schmerztherapie

Aktion 200.000 - Schmerzpatienten, bitte melden!

Hunderttausende Österreicher leiden an schweren, aber behandelbaren Schmerzen. Eine neue Aktionsplattform will nun für wirksame Hilfe sorgen.

Alarm und Hilfsangebot zugleich: Neueste repräsentative Umfragen haben ergeben, dass rund 200.000 Österreicher derzeit an schweren und lang dauernden Schmerzzuständen leiden, die nicht ausreichend behandelt werden. Am Donnerstag, 3.6.2004, wurde deshalb die neue bundesweite "Aktion 200.000" von Ärzten, Apothekern, Gesundheitsministerium, Österreichischer Palliativgesellschaft und Österreichischer
Schmerzgesellschaft präsentiert. Sie soll vor allem dazu führen, dass Betroffene die Scheu verlieren, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Verhinderbares Leid bedeutet unnötiges Leiden.

Eine repräsentative Fessel/Gfk-Umfrage vom März 2004 unter 1.000 Österreicherinnen und Österreichern hat folgende bedenkliche Daten ergeben:

• 10 Prozent der Österreicher leiden bzw. haben bereits unter schweren dauerhaften Schmerzen gelitten.

• 4 Prozent der Österreicher sind derzeit von anhaltenden und schweren Schmerzen betroffen. Das sind 320.000 Menschen.

• 6 Prozent haben die genannte quälende Erfahrung bereits in ihrem Leben gemacht. Das sind 480.000 Personen.

• Nur rund 130.000 dieser Patienten mit dauerhaften schweren Schmerzen werden in Österreich ausreichend behandelt.

• Etwa 200.000 Österreichern könnte durch eine effektive und nebenwirkungsarme Schmerztherapie wieder zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität verholfen werden.

Laut den Daten über die Verschreibungen der wirksamsten und gleichzeitig nebenwirkungsarmen Schmerzmittel (Opioide) zeigt sich eine enormer Bedarf an wirkungsvollen Therapien. Dazu Schmerzspezialist Univ.-Prof. Dr. Wilfried Ilias vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder: "Rund 130.000 der Betroffenen werden derzeit in Österreich damit behandelt. Weitere 200.000 Patienten könnten dafür in Frage kommen. Ein Teil der Patienten leidet jedenfalls unnötig." Die Situation ist umso unverständlicher, als die Österreicherinnen und Österreicher dauerhafte, schwere Schmerzen wirklich fürchten: Insgesamt haben 75 Prozent der Österreicher - 68 Prozent der Männer und 81 Prozent der Frauen - Angst vor dauerhaften Schmerzen.

Die Aktionsplattform 200.000 will diese Misere noch im Jahr 2004 nachhaltig ändern. Ilias: "Wir haben uns das Ziel gesetzt, noch in diesem Jahr einem hohen Prozentsatz der Betroffenen zu einer effizienten Schmerztherapie zu verhelfen. Schwere chronische Schmerzen führen auch zur sozialen Isolation, zu Depressionen und vielen anderen Problemen." Dazu auch Univ.-Prof. Dr. Burkhard Gustorff vom AKH-Wien: "Wer plötzlich starke Schmerzen hat sollte genau so zum Arzt gehen wie jene Menschen, die anhaltende Beschwerden haben, welche die normale Lebensführung beeinträchtigen. Schmerzen müssen früh abgeklärt und behandelt werden."

Die Mittel zur Beherrschung der Probleme wären vorhanden. Dazu gehört vor allem die Anwendung der wirksamsten Medikamente, wenn das notwendig ist. Es handelt sich dabei um die so genannten Opioide, mit denen sich auch die schwersten Schmerzen anhaltend lindern bis beseitigen lassen. Verschiedene Darreichungsformen garantieren lang andauernde Schmerzfreiheit (zwölf, 24, 72 Stunden). Durch die verschiedenen Formen - lang oder kurz wirksam in Tablettenform, Pflaster etc. - wird eine exakte Anpassung an die Bedürfnisse des Betroffenen erreicht.

Gustorff: "Opioide sind extrem sicher und verträglich. Sie schädigen auch im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln keine Organe. Opioide können Schwindel und Darmträgheit verursachen. Hilfe dagegen hat jeder Arzt." Doch gerade die Opioide sind vielen Menschen als effizienteste Hilfe gegen schwere Schmerzen gar nicht bekannt. Nur 17 Prozent der Österreicher geben an, dass es sich dabei um Schmerzmittel handelt. 76 Prozent wissen nicht, was unter dem Begriff Opioide zu verstehen ist.

Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass viele Betroffene viel zu spät zum Arzt gehen. Ilias: "Eine US-Umfrage unter Schmerzpatienten hat ergeben, dass nur 56 Prozent der Patienten im ersten Monat des Auftretens der Symptome zum Arzt gehen. Dabei sollten Schmerzen auch ein Alarmsignal sein. 30 Prozent der Betroffenen warten mehr als drei Monate, bis sie den Arzt kontaktieren. 53 Prozent suchen erst dann Hilfe, wenn die Symptome schon sehr schwer sind." Daher der Aufruf der Aktionsplattform 200.000: "Schmerzpatienten, bitte melden!" Die Mehrheit der Österreicher hält eine wirksame Schmerztherapie für genau so sicher wie jede andere Behandlung. Mit diesem Vertrauen sollte auch wirklich Hilfe gesucht werden.

Doch die Ärzte benötigen zur Bekämpfung des Übels auch die richtigen Informationen von den Betroffenen. Der Wiener Experte: "Wichtig wären möglichst exakte Informationen über die Art, die Dauer und die Stärke der Beschwerden. Außerdem sollte der Arzt wissen, welche Medikamente bereits eingenommen werden."

Dazu will die Aktionsplattform 200.000 völlig neue Maßnahmen in ganz Österreich setzen. Ilias: "In den Spitälern sollte für jeden Patienten nicht nur die Fieberkurve ständig geführt werden. Wir werden die Krankenhäuser auch mit 'Schmerzkurven' ausstatten, mit denen sich leicht die Stärke der Beschwerden erheben lässt. Dann kann schnell und effizient reagiert werden. Hierzu hat unter der Leitung von Univ. Doz. Dr. Rudolf Likar ein Pilotprojekt im LKH Klagenfurt stattgefunden. Schmerzen werden auf allen Abteilungen als Standard abgefragt und dokumentiert.

In den österreichischen Arztordinationen und Apotheken werden für Patienten "Schmerzlineale" und Schmerztagebücher aufliegen. Wer als Betroffener hier seine Beschwerden registriert und sich dann an seinen Arzt wendet, kann diesem schon exakte Hinweise für die richtige und wirksamste Therapie geben. Gustorff: "Die Schmerzmessung zeigt und dokumentiert, wie es dem Patienten im Augenblick geht. Das führt unmittelbar zu einer Verbesserung der Behandlung."

Der Appell der Experten: "Wir müssen die Schmerzpatienten in Österreich aus ihrer Isolation heraus holen. Da kann jeder mithelfen. Wir richten uns deshalb auch an jene 39 Prozent der Österreicher, die einen Betroffenen kennen. Nur durch die Motivation der Patienten zum Handeln können wir das Problem Schmerz in den Griff bekommen."

Info-Hotline: 0800 190193


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