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Weniger Schmerzen bei besserer Ärzte-Qualifikation

Nachholbedarf bei Schmerztherapien

25.10.2006

Schmerzen wirksam zu lindern, bleibt für die Medizin der Zukunft eine noch zu bewältigende Aufgabe. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage (Survey of Chronic Pain in Europe) hervor, die anlässlich der 6. Österreichischen Schmerzwochen von Fachärzten in Klagenfurt präsentiert wurde. Neben der Analyse neuester Zahlen zur Verbreitung und Dauer chronischer Schmerzen, werden auch neue Verfahren der Therapieerkennung und Behandlungsmethoden diskutiert. Dabei steht vor allem die multimodale, interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlichster medizinischer Fachrichtungen im Vordergrund.

In Österreich leiden derzeit rund 21 Prozent unter chronischen Schmerzen in der durchschnittlichen Dauer von 5,8 Jahren. Auf Europa bezogen, dauern chronische Schmerzen sogar etwa sieben Jahre. Die Studie skaliert das Ausmaß von Schmerzen von eins bis zehn. 22 Prozent der befragten Personen litten demnach zwei bis fünf Jahre an chronischen Schmerzen, wobei der Schmerz dabei über den Wert von fünf eingestuft wurde. 20 Prozent gaben sogar fünf bis zehn Jahre Schmerzdauer an, während 21 Prozent 20 Jahre Schmerz und mehr verzeichneten. Die Zahlen sind alarmierend, da von den insgesamt 4.785 Befragten ganze 31 Prozent angaben, nicht noch mehr Schmerzen ertragen zu können. Bei 47 Prozent ist das Maß für ertragbare Schmerzen noch offen. Mit Auswirkungen auf das alltägliche Leben gaben 22 bzw. 23 Prozent an, weniger oder nicht mehr wie zuvor in der Lage zu sein, die Beziehungen zur Familie und Freunden aufrecht zu erhalten. 24 Prozent können schmerzbedingt weniger gut Autofahren als vorher. Bei der Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten gaben 34 Prozent an, dies weniger gut als zuvor wahrzunehmen.

Hauptproblem bei chronischen Schmerzen ist, dass der behandelnde Arzt oft nicht weiß, dass diese ein Problem darstellen, so die Angaben von 20 Prozent. 22 Prozent der Patienten bemängeln dabei, dass der Arzt nicht detailliert nach der Art der Schmerzen fragt. Interessant ist, dass eine wirkungsvolle Kontrolle der Schmerzen durch den Spezialisten von 72 Prozent der Betroffenen angezweifelt wird. Hierbei konstatieren 43 Prozent, dass der Arzteher die Krankheit, als die eigentlichen Schmerzen behandelt. Vor allem ältere Menschen sind angesichts der steigenden Lebenserwartung weiter steigend von Schmerzen betroffen. Die Hälfte aller Menschen im Alter über 65 Jahren gab in einer weiteren Studie (International Association fort he Study of Painan) an, häufig unter Schmerzen zu leiden. Dabei leidet ein Großteil der Patienten an muskuloskelettalen Schmerzsyndromen aufgrund altersbedingter degenerativer Veränderungen. 19 Prozent älterer Spital-Patienten haben demzufolge mittelschwere bis schwere Schmerzen. "Damit sind ältere Menschen wohl jene Bevölkerungsgruppe, die am häufigsten von Schmerzen betroffen ist", so Rudolf Likar, Präsident der Österreichschen Schmerzgesellschaft (ÖSG).

Obwohl die Behandlungspalette bei chronischen Schmerzen groß ist, liegt laut Likar eines der großen Probleme in der patientenbezogenen Sicherstellung individuell abgestimmt passender Therapien. Umso mehr wird in diesem Rahmen eine stärkere multimodale, interdisziplinäre und somit fächerübergreifende Optimierung der Schmerzbehandlung gefordert. Erst dadurch sei es möglich, jedem Patienten die optimale Therapie zukommen zu lassen, so Likar. Der Präsident der ÖSG betont, dass "es für Schmerzgepeinigte nicht vorrangig ist, welche medizinische Fachrichtung für sie zuständig ist, sondern dass die jeweils für ihr Leiden angemessene Therapie zu einem möglichst frühen Zeitpunkt angewendet wird". Eine spezielle schmerztherapeutische Qualifikation, die in der medizinischen Grundausbildung stärker betont werden soll, bildet einen wesentlichen Punkt in der Verbesserung von richtig angewandten Schmerztherapien. Auf den 6. Österreichischen Schmerzwochen wird daher auch die Etablierung eines Fortbildungsprogramms für Allgemeinmediziner im Rahmen des DFP-Programms der Österreichischen Ärztekammer gefordert. Ein Fortbildungsprogramm im Sinne einer "Diplom Schmerztherapie" wird ebenso diskutiert, wie die Akkordierung von Diplominhalten, verbunden mit der Vermittlung interdisziplinärer Kenntnisse und spezieller Fähigkeiten aus dem jeweiligen medizinischen Fachgebiet.

Quelle: pt

 

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