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Schau auf dich - Der Seele mehr Beachtung schenken

Kampagne des FGÖ für mehr psychische Ausgeglichenheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm: Negativer Stress ist die größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts. Und Depressionen - derzeit weltweit an vierter Stelle der häufigsten Krankheitsursachen - sollen bis zum Jahr 2020 die nach Herz-Kreislauferkrankungen am weitesten verbreiteten gesundheitlichen Beeinträchtigungen sein. Eine neue Kampagne des Fonds Gesundes Österreich gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit jetzt auf ein oft vernachlässigtes Thema: Das seelische Wohlbefinden. Sie regt dazu an, jene Tätigkeiten wieder vermehrt in den Alltag zu integrieren, die das seelische Wohlbefinden stärken. Deshalb auch der Slogan der Kampagne: "Schau auf Dich!"

Um das Wohlbefinden der "österreichischen Seele" ist es nicht allzu gut bestellt, wie aus einer aktuellen internationalen Vergleichsstudie der WHO zur subjektiven Einschätzung der seelischen Gesundheit hervorgeht: Zwölf Prozent der Befragten geben hierzulande an, "stark" oder "extrem" an Kummer, Niedergeschlagenheit oder Sorgen zu leiden - das sind eine knappe Million Menschen in Österreich. Immerhin fünf Prozent der ÖsterreicherInnen sehen sich von "schweren" oder "extrem schweren" Konzentrations- oder Erinnerungsstörungen betroffen. An "großen" oder "extremen" Schwierigkeiten mit persönlichen Beziehungen oder bei der Teilnahme an sozialen Gemeinschaften leiden rund fünf Prozent der Befragten. Ähnliche Tendenzen zeigte auch eine andere österreichische Untersuchung: 15 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen gaben in dieser Erhebung an, dass sie zuletzt wegen ihrer Sorgen weniger geschlafen hätten, 15 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen schilderten das Gefühl, ständig unter Druck zu stehen.

Besorgnis erregend sind die Ergebnisse auch, wenn es um das Thema Stress geht: Rund 27 Prozent der österreichischen ArbeitnehmerInnen stehen nach einer Erhebung des ÖGB während der Arbeit unter Stress. Die Stressgefährdung ist in Betrieben mit 50 bis 499 Beschäftigten am weitesten verbreitet. Hier beträgt der Anteil der stressbelasteten ArbeitnehmerInnen über 35 Prozent.

Kummer und Stress sind oft Auslöser für Suchtverhalten: Alkohol stellt hierzulande neben der Nikotinsucht das zentrale Abhängigkeitsproblem dar. Rund 330.000 ÖsterreicherInnen sind alkoholkrank, ein Viertel davon sind Frauen. Dazu kommen bei den Männern etwa 665.000, bei den Frauen etwa 205.000 Gefährdete.

Seelische Beeinträchtigungen sind auch ein gesellschaftliches und nicht zuletzt volkswirtschaftliches Problem: Zwei Millionen Krankenstandstage gehen hierzulande auf das Konto psychischer Gesundheitsprobleme. Zehn Prozent der Berufstätigen in Österreich, hat die pro mente austria erhoben, leiden an einer psychischen Erkrankung, 30 Prozent befinden sich wegen psychosomatischer Beschwerden in Behandlung. Nahezu die Hälfte der Invaliditätspensionen bei Arbeiterinnen unter 39 Jahren sind durch psychische Erkrankungen verursacht, bei den 30- bis 39-jährigen männlichen Angestellten machen seelische Krankheiten sogar mehr als die Hälfte der Ursachen für Berufsunfähigkeit aus. Insgesamt gehen Experten davon aus, dass jeder vierte Mensch einmal in seinem Leben wegen mentaler Beschwerden professionelle Hilfe sucht - an vorbeugenden Maßnahmen zur Erhaltung der psychischen Gesundheit besteht also hoher Bedarf.

Trotz dieser Besorgnis erregenden Zahlen sei in Sachen seelische Gesundheit noch viel Bewusstseinsarbeit notwendig, sagt Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat: "Dass man den Körper pflegen muss, um ihn gesund zu erhalten, ist den meisten Menschen bewusst. Die Bedeutung der Pflege und Erhaltung seelischer Gesundheit allerdings wird leider häufig noch unterschätzt. Nicht zuletzt vielleicht deshalb, weil Beeinträchtigungen der Seele, anders als körperliche Beschwerden, sich weder im Röntgenbild noch mit Laborwerten darstellen lassen."

Seelische Leiden sind für viele Menschen schwerer erkennbar und benennbar als körperliche Leiden. Doch sie wiegen nicht weniger schwer. Das seelische Wohlbefinden wird häufig genug auf eine Probe gestellt: Unterschiedliche Erwartungen, Lebensweisen, und Denkgewohnheiten können in Beziehungen, Familien, am Arbeitsplatz oder im Wohnumfeld zu bedrückenden Konflikten und damit auch zu seelischen Belastungen führen. "Mit derartigen Konflikten und Belastungen so umzugehen, dass sie nicht zu dauerhaften psychischen Störungen führen, ist eine ganz wichtige Aufgabe der Seelenpflege, der Förderung des seelischen Wohlbefindens", so die Bundesministerin.

"Gesundheitsförderung und Prävention können das aufrecht erhalten helfen, was schon Sigmund Freud als wesentlich für das seelische Wohlbefinden erkannt hat: Nämlich die Arbeits-, Genuss- und Liebesfähigkeit", unterstreicht Dennis Beck, Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich, die große Bedeutung vorbeugender Maßnahmen für die seelische Gesundheit. Neben allgemeinen Maßnahmen rund um das seelische Wohlbefinden setzt sich der Fonds auch für eine Entstigmatisierung seelischer Schwankungen, Störungen und Erkrankungen und ihrer Folgen ein, die all zu häufig noch als "Tabu-Thema" gelten.

"Primär wollen wir dazu motivieren, dass jede/r Einzelne über die eigenen Lebensumstände nachdenkt und für sich selbst herausfindet, was ihr bzw. ihm selbst gut tun. Das ist das beste Mittel zur individuellen Pflege des seelischen Wohlbefinden im Alltag und damit auch zur ganzheitlichen Gesundheit. Zudem vermitteln wir auch ganz konkrete Tipps, was jede und jeder Einzelne für ihre oder seine seelische Ausgeglichenheit tun kann" sagt Beck.

Auf der Webseite des Fonds Gesundes Österreich werden künftig Informationen zur Kampagne und vertiefende Tipps abrufbar sein. Zusätzlich werden in allen Bundesländern ab Mitte Oktober 2004 "Schau-auf-dich"-Tage veranstalten, wo konkrete Tipps und Hilfestellungen in Sachen seelisches Wohlbefinden vermittelt werden.

"Insgesamt wollen wir die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass die Seele und das psychische Befinden ein Bereich sind, der im alltäglichen Leben Aufmerksamkeit und Pflege braucht", sagt die Psychologin und Sozialepidemiologin des Fonds Gesundes Österreich, Dr. Mag. Maria Schmidt-Leitner. Denn die Stressforschung zeige, dass es nicht allein schwere Belastungszeiten oder kritische Lebensereignisse sind, die eine wichtige Bedeutung für das Wohlbefinden oder das Entstehen von Krankheiten und psychischen Störungen haben, sondern besonders auch Alltagsbelastungen wie etwa zwischenmenschliche Probleme, Überforderung, Zeitdruck, aber auch Unterforderung und Isolation. "Die vielen kleinen Belastungen des Alltages summieren sich gerade dann zu schwerwiegenden Problemen, wenn keine geeigneten Möglichkeiten zur Veränderung oder ein guter Ausgleich für das Problem gefunden werden", so die Expertin.

10 Tipps für Ihre seelische Gesundheit finden Sie auf der folgenden Seite ...

Konkrete Tipps, was Jede und Jeder für ihre oder seine seelische Ausgeglichenheit tun kann, bietet zum Beispiel auch die Broschüre "Bewusst lebt besser - Seelische Gesundheit" sowie der Folder "Schau auf dich!", die beide kostenlos beim Fonds Gesundes Österreich, Tel.: 01/8950400-0 oder eMail: gesundes-oesterreich@fgoe.org erhältlich sind.

Die Broschüre enthält unter anderem zahlreiche Ratschläge für die Förderung des Wohlbefindens im Alltag und setzt sich auch mit speziellen Themen auseinander: Alter und seelisches Wohlbefinden, Bewegung, Ernährung und Seele, Stress oder Belastungen in der Arbeitswelt werden ebenso behandelt wie seelische Belastungen im Kindes- und Jugendalter. Im Serviceteil finden sich nicht nur interessante Literaturtipps, sondern auch zahlreiche Adressen von Beratungsstellen und Organisationen, die Rat und Hilfe bieten. Denn sich in seelischen Krisen Hilfe zu holen, sei kein Ausdruck von Schwäche, betont Dr. Schmidt-Leitner, im Gegenteil: "Es zeigt, dass man den Mut und die Kraft findet, den eigenen Problemen angemessen zu begegnen. Durch Hilfe von außen wird die Wahrnehmung der eigenen Hilflosigkeit verändert, der neue Blick auf die Situation ist meist schon ein erster, wichtiger Schritt, die Krise zu bewältigen."

Quelle: FGÖ


 

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