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Restless Legs Syndrom

Zappelbeine als neue Volkskrankheit

Ruhelose Beine, die nervös herumzappeln, obwohl man es gar nicht möchte. Kommt Ihnen das auch bekannt vor? Rund 900.000 Österreicher leiden am "Restless Legs Syndrom" (RLS) - mehr als an Diabetes mellitus. Obwohl RLS schon vor über 300 Jahren zum ersten Mal beschrieben wurde und seit 1945 eine intensive wissenschaftliche Aufarbeitung erfahren hat, ist das Bewusstsein über diese Erkrankung selbst in der Ärzteschaft noch nicht vollständig etabliert.

Durchschnittlich sind zwischen 7 % der männlichen und 13 % der weiblichen europäisch-stämmigen Bevölkerung davon betroffen. Die RLS-Symptome sind bis zu 65 % genetisch bedingt und können in jedem Alter auftreten. Über dem 65. Lebensjahr scheint jeder Vierte daran zu leiden. Die Hauptcharakteristika sind ein quälender Bewegungsdrang mit schwer beschreibbaren Gefühlsstörungen in den Beinen, weniger oft in den Armen. Der Bewegungsdrang tritt verstärkt am Abend aber auch tagsüber in Ruhephasen auf. Durch aktive Bewegung kann meist eine Besserung erzielt werden, wogegen Ruhe und Entspannung die Beschwerden verschlimmern.

In Folge von RLS treten sehr oft Schlafstörungen auf. Der Wiener Schlafforscher und Psychiater Univ.-Prof. Dr. Bernd Saletu und sein Team führten verschiedene Untersuchungen mit RLS-Patienten durch. Univ.-Prof. Saletu: "RLS-Patienten zeigen im Vergleich zu normalen Kontrollen in der Polysomnographie eine reduzierte Gesamtschlafzeit und Schlafeffizienz, eine erhöhte Wachzeit und Aufwachanzahl, vermehrte Dämmerschlafstadien S1 und reduzierte mitteltiefe - als angenehm empfundene - Schlafstadien S2 sowie einen vermehrten Wechsel zwischen den verschiedenen Schlafstadien." In der Folge kommt es zu Tagesmüdigkeit, einer reduzierten Feinmotorik, verschlechterten Reaktionszeiten sowie einem erhöhten Depressions- und Angstniveau.

Das RLS verläuft nicht degenerativ, sondern ab einem bestimmten Zeitpunkt – der bei jedem Betroffenen unterschiedlich sein kann – konstant. Es kann jedoch, besonders zu Beginn der Erkrankung, von wochen- bis monatelangen, weitgehend symptomfreien Intervallen unterbrochen sein. Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr fängt meist der Therapiebedarf an.

Lea Stephan, Leiterin der RLS-Selbsthilfegruppe Wien/Bgld. und selbst seit 40 Jahren Betroffene: "Bei mir dauerte es 37 Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wurde. Ich wurde als Hypochonder abgeurteilt und fand selbst im Familien- und Freundeskreis kaum Verständnis. Das Fatale ist, dass dieses Phänomen eben nur während der Ruhephasen auftritt. Lange Theaterbesuche, langes Sitzen beim Autofahren, im Büro oder beim Zusammensein mit Freunden - all das wird durch das RLS nahezu unmöglich. Viele Betroffene werden dadurch in die soziale Isolation gedrängt. Ich war seelisch und körperlich so erschöpft, dass ich aus dem Leben scheiden wollte."

Ursächlich liegt diesem Krankheitsbild eine Störung eines Überträgerstoffes im Zentralnervensystem zugrunde (Dopamin), der der Bewegungskontrolle dient. Die eigentlichen Mechanismen, die zur Entstehung des RLS führen, sind nach wie vor ungeklärt, favorisiert wird eine Störung im Eisen-Dopamin-System des Zentralnervensystems. Dabei ist der Eisentransport vom Blutserum in das Zentralnervensystem gestört und führt so zu verminderten Eisenkonzentrationen im Gehirn. Ein Eisenmangel kann die Symptome auslösen oder verstärken. Auslöser für die "ruhelosen Beine" sind oft Stress, Alkohol, Nikotin, Koffein aber auch div. Zuckerersatzstoffe und der Geschmacksverstärker Glutamat.

Nur ein Bruchteil der Betroffenen sucht einen Arzt auf. Häufiger Grund ist Wissensmangel über die Krankheit sowie über die Möglichkeit einer effektiven Behandlung. Sekundärfolgen wie Depressionen werden oft für die Ursache von RLS gehalten. Dabei können die Symptome mit Medikamenten wie sie bei Morbus Parkinson zur Anwendung kommen – allerdings in viel niedrigeren Dosierungen – einfach und wirksam behandelt werden. Seit 1. April 2004 steht in Österreich auch das neue Medikament "Restex" kassenfrei zur Verfügung. Restex wird nur im Bedarfsfall angewendet, die quälenden Symptome werden umgehend beseitigt, und es zeigte sich vielfach eine bessere Verträglichkeit als bei diversen anderen bei RLS zum Einsatz kommenden Medikamenten.

Auf der Webseite Restless-Legs finden Sie weitere Informationenüber das Krankheitsbild, einen Test, mit dem Sie feststellen können, ob Sie selbst darunter leiden, Infos über Veranstaltungen und Kontaktadressen von Selbsthilfegruppen.

Quelle: ots, feh

 

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