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Durch Organizer & Co nimmt die Denkleistung ab

Ohne regelmäßige Beanspruchung nimmt die Gehirnleistung ab

16.08.2007

Prof. Albus Dumbledore war viele Jahre Direktor von Hogwarts, der Zauberschule, die Harry Potter besucht. Der über 150-jährige Zauberer ist Potter-Fans als Besitzer eines Denkariums bekannt. Dieses ist eine große Steinschale, in der man Erinnerungen abspeichern kann. Mit dem Zauberstab können sie wie Silberfäden aus der Schläfe gezogen und in der Schale abgelegt werden. So verwahrt, bleiben sie lebendig. Um sie wieder abzurufen, muss man den Inhalt der Schale mit der Nase berühren oder per Zauberstab zurück in den Kopf führen. Wie Dumbledore sagt, ist sein Denkarium ein wertvolles Mittel gegen einen immer voller werdenden Kopf.

Aber nicht nur in der Märchenzauberwelt von Hogwarts kann man heute sein Gedächtnis auslagern. Handys, PCs und andere Geräte mit digitalen Speichermöglichkeiten besitzen eine immer größere Kapazität, werden billiger und kleiner und sind so für uns immer und überall verfügbar. Auch gibt es immer bessere Methoden, um die gespeicherten Daten zu finden, zu verknüpfen und auszuwerten. Selbst auf Informationen aus dem WorldWideWeb muss man unterwegs nicht verzichten, und nicht einmal zur Orientierung im Raum ist das eigene Gedächtnis dank der Navigationssysteme noch notwendig. In den letzten Jahren haben die Möglichkeiten der digitalen Welt unseren Umgang mit Informationen grundlegend verändert. Die überall zugänglichen digitalen Speicher und Informationsquellen werden zu einer externen Erweiterung unseres Gedächtnisses - wir müssen darin nur noch suchen, brauchen uns selbst aber nichts mehr zu merken.

Aber was passiert, wenn wir uns immer mehr auf digitale Speicher und immer weniger auf unsere ‚Festplatte’ im Kopf verlassen? Helfen uns die modernen Geräte - wie Dumbledores Denkarium - gegen einen immer voller werdenden Kopf?

"Man darf sich unser Gehirn nicht vorstellen wie die Festplatte eines Rechners, der eine gewisse Speicherkapazität hat und dann voll ist und nicht mehr arbeiten kann", erläutert Gedächtnistrainer Carsten Brandenberg aus der zum Essener Elisabeth-Krankenhaus gehörenden Memory-Clinic. "Rein theoretisch könnten wir in unserem Kopf unvorstellbar viele Informationen abspeichern. In den Verzweigungen unseres Gehirns verrichten rund 15 Milliarden Nervenzellen ihre Steuerungs- und Denkarbeit. Die so genannten Synapsen verbinden die Nervenzellen untereinander. Durch elektrische Signale und chemische Reaktionen werden auf diese Weise Milliarden von Daten verwaltet und Abermilliarden von Informationen ausgetauscht. Immer wenn wir das Gehirn mit neuen Aufgaben beschäftigen, bilden sich Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen. Je häufiger wir unseren Kopf trainieren, desto dichter wird das Netz der Nervenzellen und umso schneller können wir die Infos abrufen. Nervenverbindungen im Hirn, die nicht genutzt werden, lösen sich allerdings wieder auf. Wer sein Gedächtnis nicht regelmäßig fordert, muss also damit rechnen, dass die Leistungsfähigkeit abnimmt. Ständige Anforderung ist der beste Weg, ein funktionierendes Gedächtnis zu behalten."

Digitale Demenz?

Erste Forschungen befassen sich längst mit den Auswirkungen der digitalen Informationskultur auf unser Gedächtnis. In Südkorea - einem Land, das noch mehr als wir auf digitale Technik setzt - wird gerade über die Beobachtung diskutiert, dass jüngere Menschen zunehmend an Vergesslichkeit leiden. Ein Grund dafür: Wegen der Informationsflut, mit der sie konfrontiert sind, werden immer mehr Gedächtnisaufgaben an die digitalen Speichermedien delegiert. Die Folge: Viele klagen über eine nachlassende Fähigkeit, sich zu erinnern. Beispielsweise fallen ihnen bei wichtigen Gelegenheiten Namen oder Kennworte nicht mehr ein oder sie wissen abends nicht mehr, wo sie morgens ihr Auto geparkt haben. Einige Koreaner haben sich mit diesen Symptomen bereits in ärztliche Behandlung begeben. Manche Wissenschaftler sprechen deshalb in diesem Zusammenhang bereits von einer Digitalen Demenz.

Den Kopf mal wieder einsetzen

Der Begriff Digitale Demenz geht nach Ansicht Brandenbergs jedoch etwas zu weit: "Demenz beschreibt ein Krankheitsbild, das durch eine fortschreitende Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit und Verlust einmal erworbener Fähigkeiten gekennzeichnet ist. In den beschriebenen Fällen scheint aber wohl eher durch eine ständige Reizüberflutung ein Mangel an Aufmerksamkeit zugrunde zu liegen. Natürlich ist es wahrscheinlich, dass sich bei Personen, die sich intensiver auf die Suche nach Informationen statt auf das Erinnern daran konzentrieren, die Gehirnfunktion des Suchens besonders entwickelt, während sich die Gedächtnisleistung vermindert. In der Regel liegt dann aber noch keine generelle Unfähigkeit, sich zu erinnern, vor. Vielmehr wird häufig von diesen auf Speichermedien fixierten Menschen gar nicht erst der ernsthafte Versuch unternommen, sich etwas zu merken und sich später daran zu erinnern." Brandenbergs Ratschläge, solche Gedächtnisprobleme individuell zu bekämpfen, sind denkbar einfach. Er empfiehlt, die digitalen Geräte weniger zu benutzen und soviel wie möglich im eigenen Kopf zu memorieren: Also, ruhig mal wieder versuchen, sich Telefon- und Kontonummern zu merken, den Weg, den man schon mal gefahren ist, ohne Navigation zu finden oder sich bei Daten wie dem Hochzeitstag oder Geburtstagen nicht nur auf den Organizer zu verlassen. Denn solche Herausforderungen fördern die Bildung neuer Synapsen und damit die kognitiven Fähigkeiten.

Quelle: EKE

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