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Keine Angst vor der Narkose

Moderne Medizin ermöglicht zahlreiche Operationen ohne Klinikaufenthalt

10.01.2007

Immer mehr operative Eingriffe werden heute ambulant vorgenommen. Sie sind nicht nur kostengünstiger als stationär durchgeführte, sie ersparen dem Patienten auch einen längeren Krankenhausaufenthalt. Ein großer Vorteil gerade für Kinder, die das gewohnte und vertraute Umfeld der Familie nur für kurze Zeit verlassen müssen. Oder für Personen für die aus beruflichen oder privaten Gründen, weil sie beispielsweise kleine Kinder betreuen, ein längerer Krankenhausaufenthalt nur schwer möglich ist.

Weltweit werden rund acht Millionen Mal jährlich Menschen für einen operativen Eingriff in den künstlichen Schlaf versetzt. Viele Patienten haben mehr Angst vor der Narkose als vor der eigentlichen Operation - Angst davor, dass etwas schief läuft, man während der Operation plötzlich wach wird oder nachher vielleicht nicht mehr. Prof. Dr. Klaus Lewandowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Elisabeth-Krankenhaus Essen, kennt diese Ängste und Sorgen. Jährlich werden in seiner Abteilung rund 8.000 Narkosen durchgeführt, etwa 3.000 davon bei ambulanten Eingriffen.

Welche Voraussetzungen müssen für eine ambulante Operation gegeben sein?
Prof. Dr. Lewandowski: Es können nur Patienten ambulant operiert werden, die in der Lage sind, die Anweisungen des Arztes zu verstehen und zu befolgen. Des Weiteren muss eine vertraute Person die Betreuung des Patienten nach der Operation zu Hause gewährleisten. Auch das Wohnumfeld sollte stimmen. Wer beispielsweise im 4. Stock ohne Aufzug wohnt, sollte sich nicht ambulant am Fuß oder Bein operieren lassen. Auch Patienten mit bestimmten Begleiterkrankungen wie extremem Übergewicht oder schweren Herz-Kreislaufproblemen ist von einer ambulanten Operation wegen des erhöhten Narkoserisikos abzuraten. Eine Überwachung im Krankenhaus ist hier angebracht. Es gibt außerdem große Eingriffe wie Herzoperationen, die generell nicht ambulant vorgenommen werden, da eine professionelle Nachsorge in der Klinik notwendig ist.

Ist bei einer ambulanten Operation auch eine Vollnarkose möglich?
Prof. Dr. Lewandowski: Grundsätzlich ja. Die Entscheidung, welches Narkoseverfahren letztendlich gewählt wird, hängt von der geplanten Operation ab. Bei den meisten ambulanten Operationen ist eine lokale oder regionale Betäubung ausreichend. Hier sind in der Regel auch keine umfangreichen anästhesistischen Voruntersuchungen oder Vorbereitungen notwendig. Während bei der Lokalanästhesie das Medikament direkt in das betroffene Gebiet gespritzt wird, werden bei der Regionalanästhesie - z.B. Spinal- oder Peridualanästhesie - die Nervenbahnen, die für die Schmerzleitung im betroffenen Gebiet verantwortlich sind, medikamentös blockiert. Ist eine Vollnarkose vorgesehen, wird eine Kombination aus Schlaf-, Schmerz- und muskelerschlaffenden Medikamenten verabreicht. Bei längeren ambulanten Eingriffen wird außerdem eine künstliche Beatmung durchgeführt. Für eine Vollnarkose wird der Anästhesist in einem ausführlichen Vorgespräch den Patienten über die Narkose aufklären und sich nach Allergien, Vorerkrankungen, Alkohol- und Tabakkonsum und Medikamenteneinnahmen erkundigen. Weitere Untersuchungen wie EKG, Lungenfunktionstest oder Blutuntersuchungen sind notwendig, damit der Arzt das eventuelle Risiko einer Narkose abschätzen kann.

Warum haben immer noch viele Patienten panische Angst vor einer Narkose?
Prof. Dr. Lewandowski: Vielen Menschen macht gerade der absolute Kontrollverlust über den eigenen Körper bei einer Vollnarkose die meiste Angst. Nicht zu wissen, was passiert, wenn man betäubt ist, verunsichert. In der heutigen Medizin sind die Narkosen mit modernen nebenwirkungsarmen Medikamenten und Überwachungstechniken sehr sicher geworden. Fakt ist auch, dass statistisch gesehen nur noch bei einem von einer Viertel Million operierter Patienten mit einem Zwischenfall zu rechnen ist. Ich kann also beruhigen, Ängste vor einer Narkose sind unbegründet. Dennoch, vorhandene Furcht sollten nicht verheimlicht und Erfahrungen mit vorangegangenen Narkosen dem Anästhesisten immer mitgeteilt werden. Diese Informationen sind wichtig, um beispielsweise die Narkosemedikamente entsprechend auszuwählen, oder ein zusätzliches Beruhigungsmittel zu verabreichen.

Darf vor einem ambulanten Eingriff noch gefrühstückt werden?
Prof. Dr. Lewandowski: Am Operationstag mit Vollnarkose ist es notwendig, dass der Patient nüchtern in die Klinik kommt, d.h. er darf während der letzten sechs Stunden vor dem Eingriff nichts gegessen, getrunken oder geraucht haben. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, um zu verhindern, dass sich der Patient während der Narkose erbricht oder Magensaft in die Speiseröhre läuft und von dort in die Lunge gelangt, was eine Lungenentzündung zur Folge haben kann. Eine Ausnahme bilden die Medikamente, die in Absprache mit dem Arzt vor der Operation eingenommen werden. Kontaktlinsen und Brillen, Zahnersatz, künstliche Haarteile, Prothesen und Schmuck dürfen nicht mit in den Operationssaal genommen werden. Und, bitte weder Schminke noch Nagellack: sichtbare Fingernägel und ungeschminkte Haut dienen der eigenen Sicherheit, nur so kann der Anästhesist die Durchblutung auch anhand der Hautfarbe kontrollieren.

Was passiert während der Narkose?
Prof. Dr. Lewandowski: Für die Durchführung einer Vollnarkose benötigt der Anästhesist technische Hilfsmittel - wie das Narkose- und Überwachungsgerät - und spezielle Medikamente, die Narkotika. Mit diesen wird beim Patienten ein kontrollierter und reversibler Bewusstseinsverlust herbeigeführt. Die Aufgabe des Anästhesisten ist es während des gesamten Eingriffs die Narkosetiefe, die Narkosemittelkonzentration im Blut und die Vitalfunktionen, wie Blutdruck, EKG und Atmung fortlaufend zu kontrollieren und gegebenenfalls medikamentös oder maschinell zu unterstützen. Es gibt immer wieder Patienten, die fragen, ob sie während der Narkose wach werden können, dass Bewusstsein erlangen und möglicherweise etwas von der Operation mitbekommen. Eine unbeabsichtigte ‚intraoperative Wachheit’ kann zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, dass Risiko ist jedoch durch den Einsatz geeigneter Medikament und neuester Anästhesie- und Überwachungsverfahren sehr stark reduziert worden. Wenn ein Patient sich an etwas erinnert, so sind dies eher die Momente vor und nach der Operation.

Was ist nach einem ambulanten Eingriff zu beachten?
Prof. Dr. Lewandowski: Nach der Operation und der Narkoseausleitung kommt der Patient zur Überwachung der Vitalzeichen und bis zum endgültigen Erwachen - wie bei stationären Operationen auch - in den Aufwachraum. Erst wenn eine sichere Entlassung nach Hause gewährleistet ist, kann der Patient die Klinik verlassen. Unbedingt zu beachten ist, dass ein Patient nach einem Eingriff 24 Stunden lang nicht fahrtüchtig oder geschäftsfähig ist. Daher ist es zwingend notwendig, dass eine Vertrauensperson den Frischoperierten nach Hause begleitet und die häusliche Betreuung in den ersten 24 Stunden sicherstellt. Gegen die postoperativen Schmerzen wird der Arzt Medikamente verordnen. Sollte sich aber der Gesundheitszustand akut verschlechtern, beispielsweise mit Übelkeit und Erbrechen, starken Schmerzen, Schwellungen, Fieber über 39 Grad Celsius oder Nachblutungen, muss unbedingt umgehend der behandelnde Arzt aufgesucht werden. Auch wenn inzwischen viele Operationen ambulant durchgeführt werden, sollte der Patient den Eingriff nicht unterschätzen.

Quelle: EKE

 

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