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Narkolepsie : Schlafanfall wider Willen

Was der unbändige Schlafdrang zu bedeuten hat

26.10.2006

Fast jeder hat das schon einmal selbst erlebt: Man sitzt in einer langen Besprechung oder wohnt einem Vortrag bei, und langsam fallen einem die Augen zu, man nickt ein. Auch eine gewisse Schläfrigkeit nach einem üppigen Mittagessen ist nichts Außergewöhnliches. Wird man vom Schlaf aber des öfteren völlig unvorbereitet und unkontrollierbar während Tätigkeiten übermannt, die eigentlich die volle Aufmerksamkeit erfordern, kann dies ein Hinweis auf eine Krankheit namens Narkolepsie sein.

Die Narkolepsie wurde zum ersten Mal im Jahr 1880 von Jean Baptiste Edouard Gélineau (1859-1906) beschrieben, der den Namen "Narkolepsie" von den griechischen Worten narkosis (Betäubung) und lepsis (überraschen) ableitete. In Deutschland leiden zwischen 20.000 und 40.000 Menschen an Narkolepsie, wobei bei einem Großteil die Erkrankung allerdings noch gar nicht diagnostiziert ist. Mit der bekannteren Epilepsie hat sie nichts zu tun.

Narkolepsie ist eine chronische, neurologische Erkrankung, die vermutlich auf einen Mangel des Botenstoffes Hypocretin im Gehirn zurückzuführen ist. Dieser spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Schlaf-Wach-Verhaltens. Typisch für fast alle Narkolepsie-Patienten ist, dass sie von einer mehr oder weniger schweren Tagesschläfrigkeit geplagt werden. Im Extremfall kommt es zu sogenannten imperativen Einschlafattacken, gegen die sich der Betroffene nicht zur Wehr setzen kann. Passieren kann dies auch in ungewöhnlichen Situationen, etwa beim Essen oder Autofahren. Ein solcher Schlafanfall kann eine Minute aber auch bis zu einer Stunde andauern. Danach fühlt sich der Patient erfrischt und munter, doch nach einiger Zeit kann es zu einer erneuten Schlafattacke kommen.

Neben der Tagesschläfrigkeit kommt es bei einem Teil der Narkolepsie-Patienten mehr oder weniger häufig zu plötzlichen und kurzen Verlusten der Kontrolle über die Muskeln, die als Kataplexien bezeichnet werden. Bei leichten Kataplexien kann nur die Gesichtsmuskulatur erschlaffen, schwere Anfälle lassen den gesamten Körper zusammensacken, was auf Außenstehende meist sehr dramatisch wirkt. Ausgelöst werden können Kataplexien beispielsweise durch starke Gefühle wie Lachen, Angst, Ärger oder Überraschung. So können einem zum Beispiel die Knie weich werden, wenn jemand einen guten Witz erzählt.

Selbst viele Ärzte können die Symptome der Narkolepsie nicht immer richtig zuordnen. Fälschlicherweise werden sie oft mit denen einer Epilepsie oder Depression verwechselt oder - schlimmer noch - als absichtliche Faulheit missgedeutet. Daher dauert es manchmal viele Jahre bis zu einer korrekten Diagnose.

Man kann der Narkolepsie zwar weder vorbeugen, noch kann man sie heilen; eine Behandlung der Symptome ist aber empfehlenswert, weil sie dem Betroffenen helfen kann, im Alltag und im Berufsleben besser mit seiner Krankheit zurecht zu kommen. Mittel der ersten Wahl für die Therapie der exzessiven Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie ist der Wirkstoff Modafinil. Modafinil erhöht die Wachheit am Tag, indem es auf die Schlaf-Wach-Zentren im Gehirn einwirkt. Die Patienten können so wieder ein fast normales Leben führen. Wenn man vermutet, dass man an einer Narkolepsie leidet, macht es also Sinn, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Steht die Diagnose dann fest, sollte man auch seine Angehörigen, die Arbeitskollegen und den Arbeitgeber darüber informieren, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden.

Quelle: dgk

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