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Nutzen von Mund-zu-Mund-Beatmung angezweifelt

Herzdruckmassage allein liefert lt. einer Studie bessere Ergebnisse

26.03.2007

Japanische Forscher sind der Meinung, dass Mund-zu-Mund-Beatmung bei der Reanimation nicht zwingend notwendig ist. Ganz anders sehen das die heimischen Experten. Beherztes Eingreifen bei Atemstillstand kann Leben retten. Herzdruckmassage und Beatmung, so lernt man es im Erste-Hilfe-Kurs, sollten in diesem Fall zum Einsatz kommen.

Wissenschafter aus Japan stellen diese Richtlinie nun in einem Bericht in der Fachzeitschrift "The Lancet" in Zweifel. Die Herzdruckmassage allein liefere bessere Ergebnisse als die Kombination mit der Beatmung, schließen die Forscher aus einer Studie. Hinzu kommen Abscheu und Angst vor Infektionen, mit denen die Mund-zu-Mund-Beatmung bei vielen Passanten verbunden seien - und die so manchen potenziellen Helfer vom möglicherweise lebensrettenden Eingreifen abhalten.

Kontraproduktiver "Kiss of Life"?

Die Forscher vom Surugadai Nihon University Hospital in Tokio hatten im Rahmen ihrer Untersuchung rund 4.000 Fälle analysiert, in denen Personen in der Öffentlichkeit einen Herzstillstand erlitten hatten. 72 Prozent bekamen dabei keine Hilfe von Umstehenden, bei 18 Prozent führten Passanten Herzdruckmassage und Beatmung durch, bei elf Prozent nur Massage.

Jeweils 30 Tage nach dem Vorfall wurden die Patienten untersucht, und dabei zeigte sich Folgendes: Jene Betroffenen, denen ausschließlich mit Herzdruckmassage geholfen worden war, zeigten sich in einem besseren Gesundheitszustand als jene, bei denen beide Maßnahmen eingesetzt worden waren. Die Beschränkung auf Herzdruckmassage sei daher der Kombination aus Beatmung und Massagevorzuziehen, folgern die Studienautoren. Die Beatmung, so meinen die Forscher weiter, sei abschreckend, nicht notwendig und stehle außerdem wertvolle Zeit im Rahmen der Wiederbelebung.

Rotes Kreuz weiter für Atemspende

Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) will indes auch angesichts dieser Ergebnisse bei seiner Lehrmeinung bleiben, stellt dessen Chefarzt Univ. Prof. Wolfgang Schreiber klar. "Die in der Zwischenzeit nach wissenschaftlichen Kriterien erfolgte internationale Beurteilung der 'Lancet'-Publikation interpretiert die Ergebnisse als zu 'schwach', um die konventionelle Herz-Lungen-Wiederbelebung durch die alleinige Herdruckmassage zu ersetzen. Dieser Meinung schließt sich auch das ÖRK an", erläutert Schreiber.

Die in den letzten Jahren wiederholt erfolgte wissenschaftliche Kritik an der Beatmung habe außerdem bereits zu Veränderungen geführt, weiß der Notfallmediziner. So heißt es etwa in den 2005 vom internationalen Wiederbelebungsrat aktualisierten Leitlinien, dass Ersthelfende sich auf die Herzdruckmassage beschränken können, wenn sie sich vor der Beatmung scheuen. Darüber hinaus ist das Verhältnis von Herzdruckmassage zu Beatmung von 15:2 auf 30:2 erhöht worden.

Life Key: Schutz für Helfer

Die geltenden Empfehlungen für die Wiederbelebung lassen sich demnach wie folgt zusammenfassen: Findet sich ein leblos erscheinender Patient, sollte man ihn zunächst laut ansprechen und vorsichtig schütteln. Wenn keine Reaktion kommt, gilt es, um Hilfe zu rufen und die Atemwege frei zu machen. Danach muss die Atmung durch Sehen, Hören und Fühlen überprüft werden. Wirkt sie nicht normal, ist spätestens zu diesem Zeitpunkt unbedingt Hilfe zu holen. Es folgen die Wiederbelebungsmaßnahmen: 30-mal Herzmassage und 2-mal Beatmung wechseln sich ab.

Wem angesichts dieser Beschreibung dünkt, dass die eigenen Kenntnisse der Ersten Hilfe nicht mehr ganz taufrisch sind, findet beim Roten Kreuz eine Auswahl an Kursen. Wer den Empfehlungen folgen will, aber vor der Mund-zu-Mund-Beatmung zurückschreckt, kann sich etwa mit einem Life Key ausstatten: Dieser kleine Schlüsselanhänger, in dem ein Schutztuchfür die Beatmung steckt, erlaubt im Ernstfall, die Maßnahme hygienisch und sicher durchzuführen.

Quelle: Netd, Rotes Kreuz

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