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Mitgefühl und Empathie werden erlernt

Eigene Erfahrungen ermöglichen uns erst, das Verhalten anderer zu verstehen

03.10.2005

Einem internationalen Wissenschaftsteam ist es gelungen, Mitgefühl und Empathie zu erklären. Demnach können nur eigene Erfahrungen dazu beitragen diese Emotionen für andere zu empfinden. Handlungen anderer Personen werden offenbar auf der Basis des eigenen "Handlungsinventars" nachvollzogen. Erfolgreiche soziale Kommunikation beruht vor allem auf der Fähigkeit, die Handlungen anderer Menschen zu verstehen, berichten Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften, die an der Studie mit Wissenschaftlern der University of Bournemouth sowie der Rutgers University in Newark gearbeitet haben.

Der eigene Geist und der eigene Körper liefern jedem einzelnen also die Grundlage, um zu verstehen, was andere Menschen gerade tun, fühlen oder denken. Der Nachweis ist den Wissenschaftsteam um Simone Bosbach und Wolfgang Prinz am Beispiel von Patienten gelungen, die durch eine extrem seltene Erkrankung die Fähigkeit verloren hatten, ihren eigenen Körper wahrzunehmen. Diese beiden Patienten hatten Defizite in der Interpretation von Handlungen anderer Personen. Die psychologischen Konsequenzen der Erkrankung, von der weltweit nur zwei Fälle bekannt sind, sind dramatisch: Beide Patienten berichten, dass sie zu Beginn ihrer Erkrankung das Gefühl hatten, ihren Körper gänzlich "verloren" zu haben. Mittlerweile haben sie teilweise wieder gelernt, einfache Körperbewegungen auszuführen, müssen dazu jedoch ihren Körper sehen. Bei Dunkelheit verlieren sie vollständig die Kontrolle über diesen. Dazu gehört etwa die Bestimmung mit Hilfe der Sinneszellen in den Gelenken und Muskeln die Position der Arme und Beine relativ zum Körper zu bestimmen. Gesunde Menschen können dies problemlos. Die Eigenwahrnehmung vermittelt dem Gehirn außerdem, wann und in welchem Umfang sich Muskeln zusammenziehen oder strecken und in welchem Ausmaß sich Gelenke beugen oder strecken.

Die Forscher sind zum Schluss gekommen, dass Bewegungsmuster, die im Gehirn aktiviert werden, wenn Handlungen einer anderen Person beobachtet werden, auch Informationen und Wissen über die Funktionsweise des eigenen Körpers enthalten. Das bedeutet, dass Dinge, die wir selbst können, wir auch bei anderen verstehen. Was wir selbst nicht können, verstehen wir auch bei anderen nicht. Rückmeldungen des eigenen Körpers tragen also offenbar zu unserem eigenen intuitiven Wissen über die Absichten anderer Personen bei.

Quelle: pte

 

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