Herzlich Willkommen!
Bitte lesen Sie » diesen Hinweis zur Webheimat-Gemeinde!
 
 
Schriftgröße:
12345
 
 

Chancen und Gefahren durch medizinische Webseiten

Kombination aus Selbstdiagnose und Selbstbehandlung als großes Risiko für den Patienten

08.09.2008

Der Wiener Pflege- und Patientenanwalt Konrad Brustbauer sieht Chancen und Risken, wenn sich Patienten im Internet medizinische Informationen holen. Natürlich will man vor einer Behandlung oder Operation möglichst viel Information zusammentragen, wie eine bestimmte Behandlung abläuft, welche Risken damit verbunden sind oder ob es Alternativen gibt. Alles in allem eine wertvolle Ergänzung der ärztlichen Beratung. "Aber da bin ich schon beim heikelsten Punkt", gibt Brustbauer zu bedenken, "denn eines kann das Internet sicher nicht: Den Rat des Arztes oder Apothekers ersetzen!"

Versuch der Selbstdiagnose und Selbstbehandlung riskant

Als besonders großes Risiko sieht der Patientenanwalt die Kombination aus Selbstdiagnose und Selbstbehandlung, womöglich noch mit "selbstverordneten" Medikamenten, die man über das Internet bezieht. "So beginnt etwa eine ganze Reihe von Krankheiten mit simplen Verkühlungssymptomen wie Schnupfen oder erhöhter Temperatur. Ob das ein relativ harmloser grippaler Infekt ist, ob sich gerade eine 'echte' Grippe entwickelt oder ob sich gar eine schwere bakterielle Infektion im Körper ausbreitet, muss der Arzt beurteilen", so Brustbauer. Ärzte wissen ebenso von Fällen zu berichten, in denen entweder harmlose grippale Infekte unnötig mit schweren Medikamenten selbst "behandelt" wurden, die von der letzten Erkrankung übrig geblieben sind oder über dubiose Anbieter präventiv über das Internet besorgt wurden. Es gibt auch Fälle, in denen Patienten aufgrund einer selbst erstellten Internetdiagnose wertvolle Zeit verlieren und schließlich erst viel zu spät den Arzt aufsuchen. Unnötige und den Patienten unbekannte Nebenwirkungen werden damit in Kauf genommen oder ein schwerer und komplikationsbehafteter Krankheitsverlauf ist damit oft vorprogrammiert. Brustbauer: "Man kann sich leicht vorstellen, dass das Risiko noch um ein Vielfaches höher sein kann, wenn es um innere Organe wie Herz oder Niere geht", warnt Brustbauer. Manchmal führt das fast unüberschaubare Internetangebot zu einem "zuviel", aber nicht zu besserer Information, sondern zur Verunsicherung der Patienten.

Internet als Chance

Natürlich bietet das Internet auch Chancen für die Patienteninformation. Patienten werden durch die Information in die Lage versetzt, den Arzt auch sehr konkret nach Risken oder Alternativen zu einer Behandlung zu befragen. Dieser kann dann erklären, weshalb die Behandlung X im konkreten Fall eher erfolgversprechend ist als die Behandlung Y. Die bessere Information von Patienten macht diese natürlich emanzipierter gegenüber dem Arzt. "Das fördert den auch von den meisten Ärzten längst verfolgten Grundsatz einer Behandlung nicht nur für, sondern vor allem auch einvernehmlich mit dem Patienten - und das ist gut so", ist
Brustbauer überzeugt.

Der Rat des Patientenanwaltes an die Patienten

"Das Internet als zusätzliche Informationsquelle ist auch aus der Medizinwelt nicht mehr wegzudenken. Verwenden Sie es aber nur als Quelle für Vorinformationen oder als abrundende Zusatzinformation und keinesfalls zur Selbstdiagnose und Selbstbehandlung. Sprechen Sie daher im Anlassfall stets mit Ihrem Arzt bzw. dem Apotheker, denn Sie können sich mit einigen Minuten oder Stunden auf medizinischen Webseiten bestimmt kein Wissen aneignen, für das ein Mediziner oder Pharmazeut jahrelang studiert und praktiziert hat", rät Brustbauer.

Skeptisch ist Brustbauer auch, was die Eingabe persönlicher medizinischer Daten ins Internet durch Patienten betrifft. Man müsse sich dessen bewusst sein, dass das Internet auch Gefahren berge, was die Datensicherheit betreffe. Nicht zuletzt deshalb dauert selbst die Planung von staatlichen Projekten wie dem Elektronischen Gesundheitsakt (ELGA) bereits Jahre. Bei privaten Datenbankanbietern ist jedenfalls große Vorsicht geboten.

Auch für die Ärzte hat Brustbauer noch einen Rat: "Vielleicht kann man Patienten auch Tipps geben, welche seriösen Internetseiten sie aufsuchen können, wenn sie sich zusätzlich noch näher über ihre Erkrankung oder Behandlung informieren wollen. Eine solche Internetseite sollte nämlich weder für den medizinischen Laien zu wissenschaftlich sein, noch soll sie zu falschen oder missverständlichen Informationen führen. Wichtig ist also auch, welche Seiten angesichts des fast unüberschaubaren Angebotes für medizinische Laien überhaupt empfehlenswert sind." 

Quelle: pid-rk

 

Top Themen

Top Links