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Medikamente-Forschung : Schwämme, Algen & Co.

In zahlreichen Wasserbewohnern schlummern ungeahnte Möglichkeiten

03.12.2008

Heilung aus den Tiefen des Ozeans: Die Weltmeere bieten eine Fülle von Organismen, die für die Pharmazeutik genutzt werden können. Moderne Tauchtechnologien ermöglichen es der Naturstoff-Forschung, das Potenzial der maritimen Medizin zu ergründen. Die Inhaltsstoffe von Schwämmen, Korallen, Muscheln, Würmern, Mantel- und Nesseltieren, Stachelhäutern, Bakterien und Algen werden systematisch auf ihre mögliche Tauglichkeit als Medikament geprüft.

Weltweit sind inzwischen mehrere tausend chemische Substanzen identifiziert worden. Ein Großteil davon zeigt eine Wirkung gegen Krebs, andere Zellgifte und Substanzen sind antibakteriell, antiviral oder entzündungshemmend.

Viele solcher Substanzen stammen aus Schwämmen. Diese uralten Meeresbewohner leben meist festverankert an Felsen. Sie können nicht fliehen und müssen sich also anders vor Feinden und gegen Algenbewuchs schützen: So hat sie die Natur mit einem ganzen Arsenal äußerst wirksamer Gifte und Abwehrstoffe ausgestattet. Im Laufe von 600 Millionen Jahren hat diese Tiergruppe, deren Artenzahl auf bis zu 45.000 geschätzt wird, Stoffe wie Entzündungs- und Wachstumshemmer sowie Antipilzstoffe entwickelt, um sich gegen Bakterien, Viren und Fressfeinde zu wehren. So können die Schwämme bis zu sechs Milliarden Bakterien täglich durch ihren Körper filtern, ohne dass diese sich als Krankheitserreger betätigen.

Man setzt in die Schwämme vor allem deshalb große Hoffnungen, weil ihr Immunsystem dem des Menschen verblüffend ähnlich ist. Wie der Mensch besitzen Schwämme beispielsweise ein bestimmtes Schlüsselenzym, das für die Entstehung von Tumoren verantwortlich ist. Doch sind die Meerestiere in der Lage, auch Substanzen zu bilden, die die Tumore abtöten. Die Forscher erhoffen sich daher, aus Schwämmen Stoffe zu isolieren, die in der Krebstherapie beim Menschen künftig eine Rolle spielen könnten.

Der Schwamm Discodermia dissolute aus den Gewässern der Bahamas zum Beispiel liefert den Wirkstoff Discodermolid, der sich bereits in Tierversuchen als wirksam gegen Krebs erwies. Im Schwefelschwamm Verongia aerophoba wurden Substanzen entdeckt, die ebenfalls das Wachstum von Krebszellen verhindern. Die Substanz Avarol aus Höhlenwächterschwämmen (Dysidea avara) stoppt die Vermehrung von HI-Viren und gilt als Kandidat für ein mögliches Medikament gegen Aids. Und Produkte des Zitronenschwamms (Cryptotethya crypta) bekämpfen erfolgreich die lästigen Lippenbläschen (Herpes simplex). Außerdem arbeiten Mainzer Forscher derzeit daran, Substanzen aus dem Schwammskelett künftig als Knochenersatz einzusetzen.

Aber auch andere Meeresbewohner sind potenzielle Medikamentenlieferer, einige haben es sogar bereits auf den Arzneimittelmarkt geschafft. So wie ein Mittel gegen Krebs, das aus Moostierchen gewonnen wurde, der Wirkstoff Pseudepterosin aus der Hornkralle, der bei Neurodermitis und Psoriasis helfen soll und eventuell auch als Kortisonersatz bei Rheuma oder Asthma eingesetzt werden könnte, oder ein Schmerzmittel aus der Kegelschnecke sowie ein Sonnenschutzmittel aus Algen. Von Mollusken (Weichtieren) stammt ein einzigartiges Enzym, das zu einem wirksamen Mittel gegen antibiotikaresistente Bakterien werden könnte und kürzlich von norwegischen Forschern in Kammmuscheln entdeckt wurde. Und im vergangenen Jahr hat ein Kieler Forscherteam Quallen als Kollagenlieferanten identifiziert, wobei das Quallenkollagen als eine Art Nährboden für körpereigene Knorpelzellen dient. Nach etwa drei bis vier Wochen wächst ein neues Gewebe, das dem menschlichen Knorpel sehr ähnlich ist und zur Reparatur von Knorpelschäden genutzt werden kann.

Bei ihren Forschungen versuchen die Wissenschaftler, die natürlichen Ressourcen der Schwämme, Schnecken, Quallen, Korallen und anderen Meerestiere möglichst zu schonen, die Tiere entweder zu züchten oder deren Wirkstoffe nach Möglichkeit selber chemisch herzustellen. Dann werden eines Tages die Meerestiere selbst dafür nicht mehr benötigt. Noch steckt die Medizin aus dem Meer in den Kinderschuhen, doch die reichhaltige Unterwasser-Welt scheint ungeahnte Kostbarkeiten zu beheimaten, die künftig in großem Maße helfen könnten, von der Natur zu lernen und menschliche Krankheiten zu bekämpfen.

Quelle: dgk

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