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Tipps gegen Liebeskummer

Sport und Gespräche mit guten Freunden lindern den Herzschmerz

13.06.2006

Fast jeden Menschen trifft es mindestens einmal im Leben, unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildungsstand. Denn der Liebeskummer ist ein verbreitetes, aber psychologisch nur vage untersuchtes Phänomen. "Dabei ist er bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen der häufigste Auslöser für Selbstmord, die zweithöchste Todesursache in dieser Altersgruppe nach Unfällen", betont die Emotionspsychologin Annette Schmitt von der Universität Oldenburg. Doch auch ältere Menschen wirft eine Trennung vom langjährigen Partner oft aus der Bahn.

Viele suchen dann Hilfe bei der psychologischen Beraterin Silvia Fauck, die in Hamburg sogar eine Praxis für Liebeskummer betreibt - übrigens die einzige in Deutschland. Viele leiden unter Angst und Depressionen, fühlen sich, als würde jemand mit Messern in ihren Eingeweiden herumwühlen, können nicht schlafen, finden alles zum Heulen, leiden unter Appetitlosigkeit oder Essattacken und sind von wilden Rachegefühlen geplagt.

Gedanken ordnen

"Ich ordne die Gedanken meiner Klienten, reinige ihr Gemüt und gebe ihnen Kraft und Motivation, um ihr Selbstwertgefühl wieder zu stärken", sagt Fauck. Die Reaktionen von Menschen, die die Liebe eines anderen verlieren oder enttäuscht über die Unerfüllbarkeit ihrer Sehnsucht sind, schwanken von leichten, kurzen Formen des Liebeskummers bis hin zu langer Verzweiflung.

Wird der Leidensdruck so groß, dass jede Lebensfreude erlischt, man seinen Alltagspflichten nicht mehr nachkommen kann, sich abschottet und zu Alkohol oder Medikamenten greift, ist professionelle Hilfe von Psychotherapeuten oder auch Psychiaternnötig.

"Liebeskummer zu bewältigen, bedeutet Trauerarbeit", sagt Schmitt. Ein schmerzhafter Lernprozess, bei dem es darum geht, loszulassen und sich selber aufzufangen. "Dabei ist es durchaus normal, wenn jemand auch nach 20 Jahren noch dann und wann melancholisch seiner verlorenen Jugendliebe nachhängt oder den Verlust des langjährigen Partners durch Tod bis zum eigenen Lebensende betrauert."

Gesund sei, wer frei nach Freud "liebens- und arbeitsfähig" sei, meint die Privatdozentin. Aber bis dahin ist es für viele, die unter Herzschmerz leiden, ein langer Weg.

Zeit heilt seelische Wunden

Was in erster Linie hilft, ist Zeit - und irgendwann mal eine neue Liebe. Bis dahin sind Gespräche mit guten Freunden wichtig, Sport, um Stresshormone abzubauen, Ablenkung durch Unternehmungen und der Mut, eigene Wege zu gehen.

Die Psychologin und Buchautorin Doris Wolf ("Wenn der Partner geht") sieht in Trennungen durchaus auch die Chance für inneres Wachstum und einen Neuanfang. Ihr Kollege Peter Lauster betrachtet "Liebeskummer als Weg der Reifung". Auch die Autorin Gerti Senger ("Liebeskummer. Eine Chance") ist überzeugt, dass Liebeskummer zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen und kreatives Potenzial freisetzen kann.

Zumindest beginnen viele Menschen in so einer Situation, ihre Wohnung zu renovieren oder Tagebuch, Gedichte und Songtexte zu schreiben. Männer gehen übrigens anders mit Liebeskummer um als Frauen.

Männer fühlen anders

"Männer empfinden das Scheitern einer Liebe als persönliches Versagen und Gesichtsverlust. Sie sind Verdrängungskünstler und suchen meist sofort eine neue Partnerin - und damit ist das Thema für sie erledigt", meint Fauck ("Liebeskummer - Wenn das Herz zu brechen droht").

Frauen hingegen glauben häufig schuld zu sein, wenn eine Beziehung zerbricht. "Frauen leiden mehr unter Liebeskummer als Männer, erleben mehr Depressivität, Wut, Selbstzweifel und somatische Beschwerden", stellte die Psychologin Ina Grau von der Universität Bielefeld in einer Studie fest. Nach Faucks Erfahrung durchlaufen Frauen die Phasen der Ablösung aber gründlicher und lernen daraus fürs Leben.

Quelle: gl

 

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