Herzlich Willkommen!
Schön, dass Sie die neue Webheimat besuchen!
 
 
Schriftgröße:
12345
 
 

Krebs-Erkrankungen nach Atomtests

Forschungsinstitut bestätigt erhöhtes Krebsrisiko nach Atomtests

01.08.2006

Das französische Forschungsinstitut INSERMhat 30 Jahre nach den Atomversuchen im Pazifischen Ozean erstmals festgestellt, dass die gestiegene Zahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen in Französisch Polynesien mit den Atomtests in Verbindung stehen. Damit hat Frankreich offiziell das erste Mal zugegeben, dass es einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Atomtests gibt, berichtet die Tahitipresse.

Das Ergebnis der Untersuchungen wurde auf der Homepage des Forschungsinstituts INSERM nicht publiziert, sondern in einem Schreiben an den Präsidenten von Französisch Polynesien, Oscar Temaru, übermittelt. Der Brief wurde vor dem Parlament verlesen, berichtete die Tahitipresse. Der Forscher Florent de Vathaire, Direktor der INSERN-Unit 605, der an den Untersuchungen beteiligt war, hatte demnach die Forschungsergebnisse auch an Jurien de la Graviere von der französischen Delegation for Nuclear Safety and Radioprotection for Activities gesandt. De La Graviere war mehrere Male als Beauftragter des französischen Verteidigungsministers in Französisch Polynesien, um "eine gewisse Transparenz" zwischen der Regierung in Paris und in Papeete betreffend der Atomversuche herzustellen. De Vathaire nimmt in seinem Studienergebnis unmittelbar Bezug auf die epidemiologische Studie über die Zahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen in den Jahren 1995 bis 2002 in Französisch Polynesien. Der Link basiert auf einer signifikanten, statistischen Verbindung zwischen den Strahlungsdosen, die in den Schilddrüsen entdeckt wurden. "Daher gehen wir von der Tatsache aus, dass die atmosphärischen Atomtests zu einem Anstieg von Schilddrüsenkrebs in Französisch Polynesien geführt haben", so der Schluss des Briefes von de Vathaire.

De Vathaire hatte gemeinsam mit Vladimir Drozdovitch vom International Cancer Research Center mit den Untersuchungen bereits in den 80er Jahren begonnen. Internationale Wissenschaftler hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass radioaktive Strahlung zu einem Anstieg von Schilddrüsenkrebs führen kann. Frankreich hat auf den beiden Atollen Mururoa und Fangataufa - die rund 1.200 Kilometer südöstlich von Tahiti liegen - zwischen 1966 und 1974 mehr als 40 atmosphärische Tests durchgeführt. Zwischen 1975 und 1991 wurden weitere 140 Untergrundtests, danach bis Mai 1996 acht weitere Tests abgehalten. Immer wieder gab es Protestaktionen internationaler NGOs, die diese Atomwaffentests verhindern wollten.

Als sehr problematisch stufte ein Münchner Experte, der Biochemiker Roland Scholz, die Situation ein, der davon ausging, dass es bei einer derartigen Untersuchung wohl zu keinen Ergebnissen kommen werde. Scholz, der sich intensiv auch mit den Spätfolgen des Atomunfalls von Tschernobyl beschäftigt hatte, sieht Ähnlichkeiten mit der Situation in der Südsee. "Wir wissen, dass es nach dem Tschernobyl-Unglück zu einem rapiden Anstieg an Schilddrüsenkrebserkrankungen bei Kindern gekommen ist." Schuld daran sei Jod-131. Der Experte schließt zudem nicht aus, dass es auch bei den unterirdischen Tests zu so genannten "Blow-Outs" gekommen sei. Grund dafür sei der Umstand, dass die Bohrungen nicht dicht waren.

Quelle: pta

Persönlicher Bereich: