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Kitzeln kann lustig aber auch anstrengend sein

Warum Kitzeln so schön und Selber-Kitzeln nicht lustig ist.

02.01.2005

Kitzeln - für die einen grausame Qual, die Lachen, Kichern, Winden und Zucken auslöst, für die anderen bloß ein untauglicher Versuch, ihnen ein Lächeln abzuringen. Der Kölner Neurologe Dr. med. Curt Beil versucht zu erklären, was es mit dem Kitzeln auf sich hat. Warum können manche Menschen widerstehen und bleiben cool, auch wenn man sie heftig kitzelt? Eins steht fest: Kitzeln und Schmerz liegen wissenschaftlich betrachtet nah beieinander.

Was genau das Kitzeln im Körper auslöst, ist den Wissenschaftlern noch unklar. Fest steht: Kitzeln ist kein reiner Reflex, sondern wird im Gehirn gesteuert. Für viele ist es qualvoll: Im 30-jährigen Krieg gab es sogar eine Kitzelstrafe. Dabei strich man Salz auf die Fußsohlen und ließ das dann Ziegen ablecken. Auch bei den Römern soll diese Foltermethode bereits angewendet worden sein.

Kitzeln werde aber im Bewusstsein eher als "freundlich" eingeordnet, als ein Gefühl zwischen "angenehm-unangenehm", so Beil. Man ziehe zwar den Fuß weg, der gekitzelt wird, "aber es scheint ein unterschwelliger Wert zu sein, der nicht dem Schmerz gleichkommt". Daher lieben es auch Kleinkinder gekitzelt zu werden, außer von einem Fremden, der dabei nicht lächelt. Das Kitzeln des Babys ist eine sehr intensive Kontaktherstellung. Und ein Baby, das von seiner Mutter oder naher Bezugsperson gekitzelt wird, weiß, dass ihm etwas Gutes angetan wird.

Manche Körperregionen sind kitzeliger als andere. Das liege nach Angaben von Beil an den unterschiedliche Verteilung bestimmter Neurorezeptoren in der Haut. Diejenigen, die dem Reiz widerstehen und cool bleiben, behaupten zwar, sie spüren nichts, doch auch sie können sich wohl nicht dem Kitzelgefühl entziehen. Wie stark man reagiere, hänge sicher auch vom Persönlichkeitstyp ab. Möglicherweise nehmen scheinbar nicht kitzelige Menschen das Gefühl nur anders wahr. Einiges deute auch darauf hin, dass die Kitzelempfindlichkeit vererbt werde. Sehr kitzelige Eltern haben meist auch ziemlich kitzelige Kinder.

Geklärt ist bisher nur, warum sich selbst der kitzeligste Mensch nicht selbst kitzeln kann: Ein britisch-kanadisches Forscherteam um Paul Bays vom University College in London fand heraus, dass das Gehirn bei Berührungen mit der eigenen Hand den Zeitpunkt des Kontakts vorausberechnet und alle Nervensignale dämpft, die um diesen Zeitpunkt herum vom entsprechenden Körperteil ausgesendet werden. Unter Schizophrenie leidende Menschen können sich als einzige Ausnahme unter gewissen Umständen selbst kitzeln.

Quelle: dgk

 

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