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Wissen über Heilkräuter und -pflanzen immer mehr gefragt

Viele Menschen suchen nach Alternativen zur klassischen Schulmedizin.


31.08.2016

Bildquelle: FH Münster
Es gibt Beschwerden, dagegen ist kein Kraut gewachsen. Schlimmer noch, es gibt Kräuter, die können sogar schaden. Nicht in einem Satz aber kann man erklären, wogegen Heilkräuter helfen können. Prof. Dr. Friederike Störkel vom Fachbereich Gesundheit der FH Münster kann stundenlang darüber fachsimpeln. Nicht allein deshalb, weil sie aus einer Botanikerfamilie stammt, mit Pflanzen großgeworden ist und in ihrem eigenen Garten über 40 Heilpflanzen hat, sondern auch, weil sie sich als Ärztin kritisch mit Chancen und Grenzen der Wirkungsweise von Heilpflanzen auseinandersetzt.

Es boomen die Angebote von Kursen, Websites, Büchern und Workshops mit Anleitungen zum Sammeln und zur Anwendung von Heilpflanzen - wie etwa zur Herstellung von Tees, Salben und Gewürzmischungen. Störkel sieht viele Gründe für diesen Trend. "Immer mehr Menschen suchen neben der klassischen Schulmedizin nach Alternativen, mit denen sie hoffen gesund zu bleiben, Krankheiten vorzubeugen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Da können sie nämlich selbst aktiv werden, ohne medizinische Hilfe. Auch der Wunsch nach Ganzheitlichkeit, nach Natürlichkeit, nach Überschaubarkeit von Heilmitteln oder  Behandlungen spielt sicher eine Rolle."

So neu sei dies allerdings nicht: Bereits in der Antike wurden in Europa Heilpflanzen angewandt, und bis heute werden pflanzliche Arzneimittel hergestellt. Das alte Wissen wäre jedoch verloren gegangen, wenn nicht in Klöstern medizinische Schriften für die Bibliothek kopiert worden wären. Rückblickend haben Nonnen und Mönche sich große Verdienste als Bewahrer des alten Wissens erworben.

Im Spätsommer und Herbst ist der ideale Zeitpunkt, mit den Planungen für einen eigenen kleinen Gewürz- und Heilpflanzengarten zu beginnen, damit im nächsten Jahr geerntet werden kann. Wer die Natur als Quelle von Heilpflanzen nutzen möchte, sollte aber beachten, dass viele Heilpflanzen einen giftigen Doppelgänger haben, wie etwa der gesunde Bärlauch, dessen Blätter den giftigen Maiglöckchenblättern zum Verwechseln ähnlich sehen. Auch über Nebenwirkungen und Anwendungsverbote für die einzelnen Pflanzen muss man Bescheid wissen. "Da reicht es nicht, die Klosterrezepte aus dem Mittelalter einfach in das Hier und Jetzt zu übertragen", sagt Friederike Störkel. Dazu gehöre auch zu akzeptieren, wo die Grenzen sind. So sollte Pfefferminztee beispielsweise nicht auf eigene Faust trinken, wer Gallensteine hat. Und wer sich aus Beinwellwurzeln eine Salbe gegen Verstauchungen und Prellungen zubereitet, sollte wissen, dass die Wurzeln einen krebserregenden Inhaltsstoff haben.

Wichtig ist auch, jene Pflanzen zu kennen, die Allergien auslösen können, auch bei äußerlicher Anwendung. Arnica zum Beispiel: Wer es über Sport- und Körperpflegecremes zu sich nimmt, kann sich sensibilisieren. "Damit schließt sich der Wirkstoff aus, wenn er gebraucht wird", so Störkel. Auch Heilpflanzen und Gewürzkräuter können überdosiert werden, man sollte sie nicht "mal eben so im Vorbeigehen" anwenden. "Auch sie sind Arzneimittel." Letztendlich zählt auch hier: Was tut mir gut? Und warum? Genau das lässt sich aber oft nicht eindeutig beantworten. Störkel: "Ist der Melissentee wegen des eigentlichen Wirkstoffs Citral so beruhigend, oder komme ich schon zur Ruhe, weil ich das Kraut sammele, trockene, zubereite und ich mich als Person stärke?" Das eine sei, wie der Patient es interpretiere, das andere, worauf die Wirkung wissenschaftlich zurückgeführt und womit sie belegt werden kann.

Damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt: Nicht jedes Kraut ist ein Heilkraut, nicht alle Teile wie Wurzeln, Blätter und Blüten eignen sich als solches. Darüber Wissen anzusammeln, erfordert, dass wir mit der Natur in Kontakt bleiben. Beginnen kann man damit nicht früh genug. "Kinder mit den Traditionen vertraut machen, aber nicht überfrachten mit der Bedeutung", ist Störkels Tipp. Bei ihr hat es gut funktioniert.

Quelle: FH Münster

 
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